Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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41« Jahrgang. Zweite Aeikage zu M 68 des „Israelit". Stiitnbet St riiftl. vierter Zionisten-cLongreß. (Schluß aus der ersten Beilage.) Donnerstag. Heute, am letzten Tage des Kongresses, waren Saal und Gallerte stark gefüllt, als Dr. Herzl kurz nach 10 Uhr Morgens die Sitzung eröffnete. Aus der Tagesordnung stand die Diskussion zur sogenannten Kulturfrage. Dr. Leopold Kahn- Wien machte einige Vorschläge für die geistige Hebung des jüdischen Volkes und brachte eine Resolution ein, in der gelvünscht wird, es möge die Pflege des geistigen, sittlichen und religiösen Lebens im Judenthum gefördert werden. Dagegen betonte Dr. W e i tz m a n n - Genf, daß man auf diese Weise den nichtreligiösen Zionisten die Zugehörigkeit zur Partei unmöglich machen ivürde und beantrage, das Wort „religiösen" zu streichen. An der sehr lebhaften und erregten Debatte betheiligten sich auch noch Rabbiner Jsaac Rheineß und Dr. Awinowitzki. Hierauf ging der Antrag ein, über beide Resolutionen zur Tagesordnung überzugehen. Dieser Antrag wurde angenommen, und auf diese Weise bleibt in Bezug aus „Kultur" alles beim alten. Herr S o k o l o w uiachte nun einige Vorschläge zur Gründung von Schulen und zur Unterstützung bereits bestehender Schulen, besonders der in Jaffa und Jerusalem. Das Aktions- Komitee versprach dieser Anregung zu folgen. Das Referat über die wirthschaftliche Hebung des jüdischen Volkes mußte unterbleiben, da der Referent, Dr. Alex Marmorek, lvegen eines plötzlichen Todesfalles in seiner Familie, abreisen mußte. Ein Resümee seiner Wünsche hat er Herrn Dr. Herzl hinterlassen, der sie zur Verlesung bringen ließ. Es handelt sich darin um die Gründung von Krankenhäusern und Krankenkassen, .Kreditbanken, Konsumvereinen ete. Diese Vorschläge fanden allgemeine Billigung und wurden dem Aktions- Komitee zur weiteren Erwägung u. Ausführung übergeben. Wegen der Kürze der Zeit, die noch zur Verfügung stand, wurde heute keine Mittagspause gewährt, sondern die Verhandlungen ununterbrochen geführt. Prof. Belkowski - St. Petersburg hielt darauf sein Referat über die Kolonialbank. Er wies aus die Schwierigkeiten hin, mit denen die Gründung der Bank verbunden war. Von den 317,000 Shares, die bisher gezeichnet seien, befänden sich der weitaus größte Theil in den Händen ruffischer Juden. In der Diskuffion bat Mr. Richardson - Johannesburg, daß nach Beendigung des südafrikanischen Krieges eine Filiale der Bank in Johannesburg errichtet werden möge. Im Aufträge der Permanenz-Kommission wurde beschlossen, im Namen des Kongresses an alle Landeskomitees zu appelliren, daß sie nach Kräften den rumänischen Flüchtlingen mit materiellen und moralischen Mitteln an die Hand gehen, besonders aber ihnen Arbeit verschaffen. Hierauf berichtete Dr. G a st e r , der Vorsitzende der Kolonisationskonnnission, und sagt, daß man in diesem Jahre nicht im Stande gewesen sei, etwas Positives zu erreichen. Eines aber hätten sie gethan, nämlich die Beziehungen zu den alten Kolonisationsvereinen (Jewish Colonisation Association und die Choveve Zion Association) bewahrt und neue angeknüpft. Redner hofft, daß der Bericht im nächsten Jahre mehr von Erfolgen werde erzählen können. Im Anschluß an das Referat wurde beschlossen, für die Beth Hasefer-Schule in Jaffa 2000 Frcs. und für die jüdische Bibliothek in Jerusalem 1000 Frcs. zu gewähren. Im Aufträge der delegierten Damen empfahl Frau G o t t h e i l (Newyork) die Einführung der hebräischen Sprache in zionistischen Kreisen, die Gründling von zionistischen Frauenvereinen, und daß eine Spalte der „Welt" den Frauen gelvidmet sein soll. Man war mit den Vorschlägen einverstanden. Schließlich wurden die Neuwahlen für das künftige Jahr vorgenommen. Das Aktions-Komitee besteht aus den Herren: Dr. Herzl, Dr. Schnirer , Dr. L. Kahn, Dr. Kokesch, Oskar Marmorek (fämmtlich in Wien), Dr. Gaster, Josef Cowen (London), Jos. Massel (Manchester), Clarence de Sola (Canada), Keßler (Südafrika), Rev. Dr. Stephen S. Wise, Dr. Felsenthal und Dr. Schaffer (Amerika). Ferner wurden die Herren Rev. Dr. H. Pereira Mendes (Newhork) und Mr. S. Vebro (Johanneburg) dem Aktionskomitee hinzugesiigt. Dann fand die Wahl in die übrigen Kommissionen statt, die aber ohne Interesse sind. Es meldeten sich schließlich noch eine Anzahl von Rednern zur Geschäftsordnung, es bedurfte aber der ganzen Autorität Herzl's, um den Verhandlungen endlich ein Ende zu bereiten, zumal, da weder die Delegierten, noch das Galleriepllblikum den Rednern irgendwelche Aufmerksamkeit schenkten. Wie am Versöhnungstage die Gemeinde ängstlich auf das Schofar-