Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Acitungsnachrichte» unfc Corrcspondenzen. Deutschland. (trpdtknlincn, 20. Aug. Von einem sehr schlveren Zaiirilienunglück ist der Wirballener Rabbiner L a p ocimcxcfucfjt lvorden. Gestern Abend badete sein achtzehnjähriger, sehr begabter Sohn in Gesellschaft des UhrinacherS Epstein, 23 Jahre alt, ebenfalls von dort, i» dem drei Werst entfernt gelegenen Schirwinty-Fluffe. Er geriet!) dabei auf eine sehr tiefe Stelle und sing an, nachdem er das Gleichgewicht verloren, laut um Hülfe in rufen. Epstein kam auf dessen Geschrei herangeschwommen und suchte ihn an den Beinen herausznstehen. Er wurde aber selbst mitgeriffen und fand mit seinem freunde ein Grab in den Wellen. Das so traurige Schicksal der beiden hoffnungsvollen jungen Leute wird allgemein bedauert. E. Ulm, 10. Aug. Vor sechs Jahren wurde hier der Friseurlehrling Paul M u l l e r unter gräßlichen Umstanden ermordet. Des Mordes verdächtig wurde damals der hiesige Schochet Bernheim verhaftet, da er in cor Familie viel verkehrte. Schächtmesser und Kleider desselben wurden seiner Zeit gerichtlich untersucht und längere Zeit mußte der Arme unter dem Verdacht, die Mordthat verübt zu haben, leiden. Einige Monate nach seiner Haftentlassung starb Bernheim. Run berichtet beute das hiesige Tagblatt, daß der Stiefvater des Ermordeter!, Wagenwärter Eisenhardt, auf dem Bahnhofe stier verhaftet wurde, lveil sich, trotz der langen Zwischenzeit neuerdings ttmstände ergeben haben, die den dringenden Verdacht rechtfertigen, Eisenhardt sei der Thäter oder doch Mitwisser des dainaligen Verbrechens. Da von einigen übelwollenden Zeitungen seiner Zeit auch ein „Ritualmord" als Grund des Verbrechens bezeichnet lvurde, so wäre es von großer Wichngkeit, tvenn der Mörder an den Tag täine. R u m ä n i e n. Bukarest, 11. Aug. Hiesige Blätter berichten: Aus Galatz wird geschrieben: Gestern Abend kam der Dampfer „Josef Earl" der österreichischen Donau- Dainpsschisssabrts Gesellschaft mit einer Verspätung von 12 Stunden an. Die Ursache dieser Verspätung war, daß der Dampfer in Pest 300 jüdische Auswanderer aufnehmen mußte, denen die dortigen Behörden nicht gestatteten, die ungarischen Grenzen zu überschreiten, um nach Eauada weiter zu reisen. Von Pest bis Orsova tvnrden diese Auswanderer von zehn Eorrstasteln und einem Inspektor begleitet, die sie bei der Ankunft den Lokalbehörden übergaben. Wegen der Verspätung konnte nun der Dampfer das Eiserne Thor nicht mehr passiren und mußte bei „Moara Vladitza" ankern, von wo er am Morgen seinen Weg auf rumänischer Seite fortsetzte. Der Anblick der Unglücklichen bei ihrer Landung war ein herzzerreißender. Auf ihrem Gesichte sind die moralischen Leiden eingeprägt, die sie während ihrer Reise zu erleiden hatten, trotz aller materielleu Unterstützung, die ihnen seitens ihrer Religionsgenoffen auf allen Stationen, die sie berührten, zu Theil wurde. Als Augenzeuge und ganz unparteiisch muß ich bestätigen, daß diese unglücklichen Wanderer, die auf infame Weise von einigen skrupellosen Agitatoren verleitet und betrogen wurden, während ihrer ganzen Reise von Seiten des Kommandanten Buchberger (von Pest nach Orsova) und Gelmes (von Orsova nach Galatz), sowie der ganzen Mannschaft sich einer humanen und väterlichen Behandlung zu erfreuen hatten. Die Herren Kommandanten haben Auftrag gegeben, das; die Kinder und Frauen in der zrveiten Klaffe bleiben sollen, lvährend der Schiffskoch Stefan Tölghessy, gerührt von dem unverschuldeten Leiden, an die Kinder Obst und Backtvaaren vertheiltc. Wir beklagen als Menschen und ohne Haß und Parteilichkeit das llmherirren dieser Opfer der Schlauheit einiger infamen Spekulanten und rnüffen die österreichische Donau- Darnpfschiffahrts-Gesellschaft und das Personal des Dampfers „Josef Earl" für ihre humanen Gefühle gegenüber den Unglücklichen beglückwünschen, die kein anderes Verschulden trifft, als daß sie einiger! Charlatanen zu viel Glauben geschenkt, die ihnen Himmel und Erde versprochen haben in einem eingebildeten Paradies irr einem erotischen Lande. —• Gestern ist der Abgesandte der „Agence Israelite" von Paris, Molaseo, hier eingetroffen und im Hotel Splendid abgestiegen. Derselbe soll die Judenfrage hier zu Lande studiren. B u l g a r i e n. Sophia, 20. Aug. Die Agence Telegraphique Bulgare rueldet: Die bulgarische Presse verurtheilt in scharfer Weise die heftige und ungerechte Sprache der meisten rumänischen Blätter und rveist die gegen das bulgarische Volk und gegen die bulgarische Regierung wegen der Ermordung Mihaileanu's erhobenen Vorwürfe zurück. Das osfieiöse Organ „Rarodni Prava" wirft die Frage auf, ob nicht all dieser Lärm und diese Verunglimpfungen ein Scheinmauöver von Seite Rumäniens seien, urn die Aufmerksamkeit Europas von der schlechten Behandlung abzulenken, welcher die in Rumänien lebenden Juden ausgesetzt seien, oder ob sie nicht etwa der Eifersucht aus die außerordentlichen Fortschritte entspringen, welche Bulgarien in den letzten zwanzig Jahren, namentlich aus dein Gebiete der Volksbildung, aufzrnvcisen hat. Briefkasten der Redaktion. S. H. in N.-T.: Speisen, welche weder mit Milch, noch mit Fleisch zubereitet sind, bezeichne» unsere Glaubensgenossen irr Süddeutschland mit „miuuich", irr Norddeutschland mit „parwe". D. S. in Z.. Da der Verfasser jenes Artikels u. der Einsender der Abbildungen leider selbst ein Jude ist, so läßt sich gegen den Herausgeber des betr. Blattes nichts thun Frdeunlichen Gruß.