Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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;41. Jahrgang. M «8 Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenlßum. Begründet von Dr. Wvhrnnrin in IKtnin}. Donnerstag, den 2 3. August 5660 (1900)* »r Eine MnvK abonntit man bei allen Postanstalten für den Monat September >w^~ auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrieftrüger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Die Grpr-ilion -es „Israeli? M Leitender rtikel. s Tik jiiii. 6pfi!fOfif|f ii. Hit „Aliiisihk Zkitimg/ Mainz, 20. August. In ihrer gestrigen Sonntags-Ausgabe bringt die „Kölnische Zeitung" eine Abhandlung über die „Jüdischen Speisegesetze," die, von einigen Seitenhieben auf die orthodoxen Juden und die rabbinische Logik abgesehen, manches Zutreffende und Verbindliche für diese Gesetze enthält, sowie für diejenigen, welche ihnen gemäß leben. Wenn der Aufsatz nichts als den Nachweis der Thorheit für das Blutmärchen erbrächte, an der Hand des religionsgesetzlichen Verbotes eines jeden Blutgenusses, so Ivürden lvir ihm schon deßhalb die Unkorrektheilen verzeihen, an welchen es auch an dieser Arbeit nicht fehlt. Er bricht aber auch noch eine Lanze für das Schächten und weist aus das Votum der Sachverständigen ersten Ranges hin, welche das rituelle jüdische Schl. chtverfahren als die zweckmäßigste und am wenigsten grausame Tödtungsweise bezeichnen. In ihrem Resümee bezeichnet die Darstellung die jüdischen Speisegesetze als die Erzieher der Inden, als Schutzwall gegen Krankheiten und betont diese erziehliche Wirksamkeit in wirthschaftlicher, sittlicher und selbst in ästhetischer Hinsicht. Wenn dabei ein Theil der Speisegesetze veraltet, ja geradezu lächerlich und thöricht genannt wird, so wird das den einsichtigen jüdischen Leser bei ruhiger Ueberlegung mehr freuen, als verdrießen. Die alte jüdische Erfahrungsweisheit (Talmud Sota Fol. 25 a). wonach jeder Unwahrheit, die man plausibel machen möchte, etwas Wahrheit beigemischt sein muß, scheint heute noch eine Erweiterung nach der anderen Seite hin, und zwar in dem Sinne zu erfahren, daß jede Wahrheit, die man an den Mann bringen möchte, eine Beimischung von etwas Unwahrheit haben muß. Uneingeschränktes Lob verträgt die Welt nicht, ohne es durch ein Wenn oder Aber zu verkleinern. Das gilt in ganz hervorragender Weise auch vom Zeltungslob und hat auf Institutionen nicht weniger als auf Personen seine volle Anwendung. Wer daher den Speisegesetzen der Juden und ihren Befolgern die öffentliche Anerkennung wirklich sichern möchte, kann es nicht besser ansangen, als es der Verfasser der vorliegenden Abhandlung thut, indem er Wahrheit und Dichtung, Thatsächliches und Uebertriebenes, lute aus einem Gusse gegossen, mischt, und dann den einen Theil mit seinem Weihrauch und den anderen mit seinem kritischen Scheidewasser bedenkt. So eingewickelt schlucken auch die philiströsesten Zeitungsleser in Pillenform das Lob der Juden und ihrer Einrichtungen und so finden alle ihre Rechnung: die öffentliche Meinung, die den Juden schon die eine oder andere gute Institution zuerkennt, sobald aus allen Fugen und Kanten etwas Thorheit und Lächerlichkeit hervorlugt und die Juden, die sich und ihrem Gesetze schon eine Dosis von Lächerlichem und Thörichtem nachsagen lassen können, wenn man dabei ihre hygienischen, wirthschaftlichen, sittlichen und ästhetischen Vorzüge als über jeden Zweifel sicher stellt. Wir haben diese Bemerkung vorausgeschickt, um sestzustellen, daß das bissel Falschheit, das alleweil dabei ist, uns nichts weniger als verdrießt und daß es somit