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Der Israelit · 1900-08-20 · Heft 67 (20.8.1900) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 67 (20.8.1900)
Date
1900-08-20
Page
– (sequence 23)
Language
German
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t§9i und Tücherschwenken im Saale und auf den Gallerien. Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) Dien st a g Nachmittag-Sitzung. Um 4 Uhr wurde von Prof. Mandel st amm die Sitzung eröffnet. Die Delegierten sind vollzählig im Saale. Auf der Gallerie sehen wir unsere Zionisten aus dem (Lastende Londons, die in großer Anzahl für heute ihre Arbeit verlaßen, ihre Festkleider angelegt haben und nach der Queens-Hall eilten. Die erste Rede, die an den Kongreß gerichtet wurde, war die des Rabbiners Rabbinowicz über die religiöse Seite des Zionismus. Er sagt, daß nach seiner Meinung die reichen Juden dem Zionismus nur aus Unwissenheit über die Bewegung fernständen. 140 russische Rabbiner hätten sich zu Gunsten des Zionismus ausgesprochen, und Redner glaubt, daß noch viel mehr deren Beispiel gefolgt wären, wenn sie nicht in Diensten der Regierung ständen. Er schließt seine schwungvolle Rede mit dem Aufrufe, die intellektuelle Seite des Judenthums zu entwickeln und drückt die Hoffnung aus, daß der Zionismus es dahin bringen möge, die Intelligenten religiöser und die Frommen vernünftiger (!!) zu machen. (Tosender Beifall!) Rabbiner Landau glaubt, daß viel Gutes von den orthodoxen Juden gethan werden könne, die im Herzen Zionisten seien, aber sich der Bewegung noch nicht angeschloffen hätten. Mr. D. L e w i n erklärt, daß die englischen Zionisten absolutes Zutrauen zu ihrem Komitee haben. Herr M o tz k i n - Berlin beklagt sich darüber, daß man der Unterstützung durch die Rabbiner eine viel zu große Bedeutung beigemessen habe. Er meint ferner, daß man keiner auswärtigen Unterstützung bedürfe, sondern daß die Juden ihr Ziel am besten dann erreichen werden, wenn sie auf sich selbst rechnen und sich selbst bestreben, ihre natürlichen Rechte zu erlangen. Herr Reicher (Rumänien) wünscht, daß die Annahme des finanziellen Berichtes erst dann geschehen soll, wenn der Finanzausschuß die Bilanz revidirt hat. — Eine große Aufregung bemächtigt sich nun der Versammlung. Von allen Seiten schreit man. Die lautesten Rufe sind: Pfui, pfui! — Abstimmung! Schluß! Dr. Herzl betritt die Tribüne und seiner Autorität gelingt es, die Ruhe herzustellen und die allgemeine Aufmerksamkeit zu fesseln. Er sagt: M. D. u. H.: Wir haben uns über die Abwesenheit von Kritiken nicht zu beklagen. Ich glaube zuerst von der Kritik des Dr. Bragin sprechen zu sollen und glaube, daß bei ihm eine leichte Verwechslung zwischen Leistung und Erfolg vorliegt. Nach der Meinung des Actionskomitees sind wir nur Rechenschaft schuldig über das, was wir gearbeitet haben, nicht aber die Wirkungen, weil Wirkungen sich unserm Willen entziehen. Die Frage, die wir zu beantworten haben, ist also nur, ob wir gearbeitet haben. Um unsere Antwort zu verstehen, muß man sich eine Vorstellung davon machen, wie bedeutend die Aufgabe des Actionskomitees ist. Man glaube u. a., daß unsere Korespondenten in der ganzen Welt uns das Zeugniß nicht verweigern, daß wir alle administrativen Geschäfte gut verwaltet haben. Herr Rosenbaum fragt nun, was wir gethan haben, um die Arbeiter für den Zionismus zu gewinnen? M. H.! Es ist dies die Aufgabe der Untergliederung der einzelnen Bezirke, weil diese am besten wissen, wie sie sich den Arbeiterklassen zu nähern haben. Was die Agitation unter den Gebildeten betrifft, die Herr Rosenbaum mangelhaft gefunden hat, darauf ist die Antwort sehr einfach: für die Gebildeten dienen unsere Publikationen, weiter können wir nichts thun — wir können nicht die Gebildeten mit Trommeln und Trompeten heranziehen. Dr. Schlaposchnikoff fragt, was das Actionskomitee selbst gethan hat. Das Actionskomitee, meine Damen und Herren, ist in gewisser Beziehung das Ergebniß Ihrer Gesammthätigkeit. Je reicher, je stärker Sie das Actionskomitee machen, desto stärker sind wir. Jedenfalls wird alles, was unsere Bewegung angeht, zur Ausbreitung und Verstärkung der Bewegung verwendet. Dr. Awinowitsch und Dr. Goitein wiederum haben Mängel hinsichtlich der Agitation in Afrika, Asien und Ungarn geäußert. Wir haben trotz verschiedener Versuche, in Nord-Afrika und Asien Fuß zu fassen, bis jetzt noch keinen großen Erfolg gehabt. Dr. Marmorek hat Ihnen im Beginne der heutigen Sitzung die Kundgebungen aus Constantina und Bona mitgetheilt, die Ihnen beweisen, daß auch dort schon die zionistische Agitation Früchte getragen hat. Ueber Asien kann ich nichts sagen; in Indien haben sich kleine Gruppen zu bilden begonnen. Dr. Gottheil wird in Kurzem eine Agitationsreise nach Marokko unternehmen. Auch in Ungarn haben wir eine Agitation erweckt. Ich selbst war in Pest und habe dort eine Versammlung veranstaltet, habe aber seitdem nichts mehr von den Leuten gehört. Wir haben gute Freunde dort, die für uns arbeiten; doch liegt noch kein Resultat vor. Dr. Menczel rathet uns jüdische Turnvereine, Litteraturvereine rc. zu unterstützen. Natürlich wird das geschehen, da wir daran ein großes Interesse haben. Ich will noch schließlich bemerken, daß wir für die Nord- Afrikanischen Länder Brochüren in arabisch, spaniolisch, englisch und französisch haben drucken lassen und verschickt. Herr Landau hat vorgeworfen, daß das Actionskomitee die Kulturfrage in die zionistische Frage hineingeworfen hat und daß wir dadurch Argwohn geschaffen haben. Wir möchten uns dagegen verwahren, daß gerade unter diesem Titel ein Argwohn erregt wird. Wer an die Erklärung, die wir in bestimmter Form gegeben haben, nicht glaubt, der hat kein Vertrauen zu uns. Wir haben gesagt und wiederholen nochmals, daß

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