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Der Israelit · 1900-08-16 · Heft 66 (16.8.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 66 (16.8.1900)
Date
1900-08-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1359 f liche Vorschrift und sie haben als Beweis dafür eben die vielen Juden angeführt, die sich ohne Zwang öffentlich über diese Satzungen hinwegsetzen. Wer daher öffentlich trepha itzt unter einen: Volke, das die Schechita verboten hat, der schadet den Juden dort, die unter diesem Verbot leiden, so bitterbös, als es ihm nur eben möglich ist, dem steht sein Gaumen- und Magenkitzel höher, als die solidarische Zusammengehörigkeit mit seinen Brüdern, dem steht daher die Drapirung seiner Lebensgemüthlichkeit mit dem Schweizerischen Schächtverbot schlecht an. Nun befindet sich unter dem Contigent, welches wir Juden zu der Völkerwanderung stellen, die sich alljährlich über die Schweiz ergießt, ein großer Procentsatz, der von koscher und trepha gar nichts mehr weiß, und vielleicht niemals einen koscheren Bissen im Munde gehabt hat. Wenn diese in ihrer bedauerlichen Unwissenheit und Gleichgiltigkeit in der Schweiz so leben, wie sie es zu Hause thun, so kann man das begreifen und sogar vielleicht milder beurtheilen. Aber zu Hause einen koscheren Hausstand haben, d. h. zu wissen, was koscher und trepha bedeutet, und in der Schweiz unter die Trepha-Esier zu gehen, das Schweizerische Schächtverbot zu kennen und es als Feigenblatt für sein trepha Essen zu benützen, wie Sie es, mein Herr, versuchten, das ist eine Unbegreiflichkeit, die meinen Horizont weit übersteigt. Mein Herr SoundSo schlug sich bei dieser meiner Auseinandersetzung seitwärts in die Büsche, nicht ohne noch einige Laute zu murmeln, die sich wie Einseitigkeit, Fanatismus und Bigotterie anhörten; aber ich werde jetzt Ruhe vor ihm haben. Gastronomisch-Jüdische Themata wird er mit mir nicht wieder erörtern, das bin ich sicher. Das soll jedoch mich nicht abhalten, meine Erfahrungen, die ich über den Stand der Schweizerischen Schächtcalamität hier im Lande gesammelt habe, zum Gegenstand meines nächsten Briefes zu machen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Danzig, 12. Aug. Ueber den freiwilligen Chinakämpfer Cohn iverden von mehreren Seiten einige Mittheilungen. Cohn, dessen jüdische Herkunft und mosaische Confession anzuerkennen die „Deutsche Tagesztg." in Berlin aus besonderer Neigung sich sträubte, hatte sich dem kaufmännischen Berufe gewidmet, war dann aber aus Neigung Soldat geworden und hatte sich bei dem Blücher-Husaren-Regiment in Stolp, bei welchem er diente, mehrfache Auszeichnungen und große Beliebtheit bei seinen Kameraden erworben. Die Mutter des jungen Mannes, Frau Wittwe Seba Cohn in Zobbot, schrieb der „Danziger Zeitung": „Der Cina-Freiwillige Cohn iss mein einziger Sohn, er ist wie ich, jüdischer Confession. Von Vaterlandsliebe begeistert, war es sein einziger Wunsch, Soldat zu werden, und obgleich ich als Wittwe und schwer leidend, eigentlich seiner Stütze bedürfte, habe ich aus angeborenem Patriotismus mit freudigem Segen seinen Wunsch erfüllt. Auch jetzt, als mein Sohn sich freiwillig meldete, um in China für sein Vaterland zu kämpfen, und ich habe mein einziges Kind dem Vaterlande freuhat mein schwer besorgtes Mutterherz sich bezwungen dig hingegeben." König i. C. Wenn man die Reden gewisser preußischer Grafen und Adeligen im Reichstage und Herrenhause zuweilen liest, welche in den Reihen der Conservativen und Junker, Arm in Arm mit den Antisemiten, die Reaktion zu fördern suchen, so ist es doppelt wohlthuend zu erfahren, daß der Patronat unseres Ortes, Graf von Erbach-Schönberg, ein in jeder Weise vorurtheilsloser, den Juden sehr wohlgesinnter Edelmann ist. Am ersten August fand der feierliche Einzug des Erbgrafen Alexander mit seiner jungen Gemahlin Elisabeth, Prinzessin von Waldeck-Pyrmont, hier statt, welche Feier nicht blos wegen der Juden rücksichtsvoll von dem ursprünglich angesetzten Sabbat auf einen Werktag verlegt wurde, sondern wobei auch die jüdische Gemeinde aufgefordert wurde, eine Vertretung zur Begrüßung dem Festzuge einzureihen. Die Gemeinde hatte Glück, denn zufällig weilte hier in seinem Geburtsorte der Großherzogliche Oberlandesrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg, der an der Ehrenpforte im Namen der Israeliten seines Heimathsörtes das hohe Paar begrüßte. Diese Begrüßungsrede hat ungeheures Aussehen erregt durch ihre gedankenvolle, inhaltreiche und poetische Sprache und die anwesenden Fürstlichkeiten sprachen unverhohlen ihre Begeisterung darüber aus. Der Erbgraf erwiederte huldvoll, daß er die Traditionen seines Elternhauses aufrecht erhalten werde und die Israeliten ihm ebenso nahe stünden, wie die übrigen Bürger des Ortes. Zu dem im Schlosse stattgehabten Feste wurde denn auch außer dem Herrn Dr. Mannheimer Herr Oberinspektor B. S. Oppenheimer, welcher Mitglied des Festkomitees war, eingeladen. O e ss e r r. - U n g a r. M o n a r chi e. G.-A.-Ujhely. Aus Anlaß der sechzigsten Jahreswende des Todestages des im hiesigen Friedhofe ruhenden berühmten Oberrabbiners Moses Teitelbaum hk'o "Htpo ncm 'd bvz tourbe dessen Grab von mehr als dreitausend frommen Pilgern aus dem Zempliner und den anderen nordöstlichen Komitaten besucht. Unter den zum größten Theile zur chassidaischen Sekte gehörenden Wallfahrern befanden sich nicht weniger als 21 galizische Rabbiner.

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