Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 66 (16.8.1900)
- Date
- 1900-08-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1356 riefe '.»(ntioprt >'o ungeheuerlich, das; >vir sie tviedergeben, um lcm Vfefion^tomifee (Gelegenheit;,u tiebcu, dieselbe ',u t'emciitiien." Dieser XMufforK'rumi würd in der „Welt" tstststst l>i'r. 27, S. 6) mit folgenden Worten entsprochen: „Wir brauchen unsern Gesinnungsgenossen nickt erst zu sagen, daß diese Bstttheilung oottkommen aus der Lust gegriffen ist, und sind dein „Jüdischen Volksblatt" dafür dankbar, daß es uns Gelegenheit giebt, diese Behaup tnng entsctüeden zu dementiren." Bei dein Interesse, ivelches diese Frage über die Stellung der Zionisten zu den Indenchristen beanspruchen darf, fcf)ien es mir doch geboten, mich zu vergewissern, ob ich die Mittheilnng ivirklich aus der Lust gegriffen oder geträumt bade. Ich habe nun von meiiiem Gewährsmann, Herrn P. von Harling in Galatz folgende Darstellung des Sachverhaltes bekvinmen: Ein Galatzer ^ionift hatte öffentlich den Satz aufgestellt, man müsse die Judenchristen behandeln, wie seiner Zeit die rückkehrenden Jilden die Samaritaner behandelten, also schlechterdings abiveifend. Hierdurch veranlasst, schickten P. v. H. und fein judenchristlicher Freund B. durch einige dem Christenthum freundliche stionisten folgende Anfrage an „Die Welt": „Da es der Grundsatz des Zionismus ist, alle Juden ohne Rücksicht auf ihre religiöse Stellung um den nationalen Gedanken Israels zu vereinigen und da diese Beivegung unter den Juden christlicher Consession*) lvarme Anhänger hat, so möchten wir gern eine offizielle Erklärung dafür haben, daß der Zionismus auch solche als Mitarbeiter mib Mitglieder voll anerkennt. Es ist das ja eine Forderung der Gerechtigkeit und würde der Sache des Zionismus nur nützen können, indem solche zionistische Judenchristen in der wirksamsten Weise dazu beitragen könnten, dem Zionismus in der Christenheit Sympathien zu erwecken, deren derselbe doch nicht entbehren kann." Aach Versicherung der um die Vermittlung gebetenen Zionisten ist die Anfrage von ihnen an „Die Welt" abgesendet worden und ebenfalls nach der eingehenden Mittheilung hat die Welt in ihrem Brieflasten geantwortet: Die zionistische Eentralleitung sei nicht in der Lage sich mit religiösen Fragen zu beschäftigen. Habe ich nun auch diese Antwort in meinem Reiseberichte nicht wortgetreu wiedergegeben, so ist doch der Sinn derselbe: die religiöse Frage berührt uns nicht. Die Frage ist nun die, ob man aus dieser Antwort ein Entgegenkommen, ein Bestreben, den judenchristliehen Zionisten die Thür offen zu lassen, herauslesen soll oder die abweisende Andeutung: bleibt uns fern und behelligt uns nicht. Daß letzteres die wahre Meinung ist, ist ja nun klar. Schon daß das „Jüdische Volksblatt" sich über diese „ungeheuerliche Antwort" so ausregt, zeigt, daß man statt derselben eine entschiedene Abweisung erwartet hätte und diese giebt die ') Die Juden christlicher Konfession verdienten auch etwas niedriger gehängt zu werden. Aumerk. d. Setzers. ästest, indem sie meine Mitiheilung als aus der Luft gegriffen bezeichnet und dementirt. Aber damit ist die Sache nicht erledigt. Wir sragen: lvo vleibt die Consequenz? Die verschiedensten Richtungen sind iiu Zionismus vereint, die streng orthodoxen Juden des Ostens reichen den ungläubigen Freigeistern oes Westens brüderlich die Hand. Geflissentlich hält man die Diskussion religiöser Fragen fern, rein national soll die Bewegung sein. Und doch will man von den Judenestristen, deren Herz wahrlich nicht minder tvarm für Zion sestlägt, niestts wissen. Wenn sich unsere Zionisten nicht schon längst als conseguenzen- und griindefest betvährt hätten, so dürfte man diesen letzteren Bedenken schon einigen praktischen Werth beilegen. Unsere Ueberläufer, die gern den Schein erwecken möchten, als marschierten sie auch unter der alten Fahne, haben bis jetzt bei Juden und Christen >venig Glauben gefunden. Für sie ist der Zionismus wie aus den Leib zugeschnitten. Eine Vereinigung von Juden, die nach dem Judenthum und seinen Satzungen niestts fragen, deren erster Wortführer seine Sympathien siir die Bekenner des Christenthums durch die Che mit einer Christin vor aller Welt documentirt, tvarum sollte da ein bischen Christenthum ein Hinderniß zur Entgegennahme von judenchristlichen Schekeln sein? Warum sollten die Kinder der Zionskirche keine guten Zionisten sein können? Für diesen Congreß wird diese Anregung wohl zu spät kommen, aber sie sollte doch aufgegriffen und einmal im Sinne vernünftiger Consequenz zum Austrag gebracht werden. Freilich sind nicht alle Wortführer der Mission von dem Zionismus so erbaut. Unter der Aufschrift: „Z i o n i s m u s" schreibt Herr W u tz d o r f, Amtsgerichtsrath a. D. in Liegnitz u. a.: „In Bezug aus den in Heft 4 der Zeitschrift „Saat auf Hoffnung" 1899 befindlichen Aussatz des Herrn P. W i e g a n d - Perlin: Zionismus und Christenthum, erlaube ich mir zu bemerken, daß ich den darin gemachten Ausführungen nicht zuzustimmen vermag. Ter Geist, tvelcher den Zionismus der Jetztzeit zu Wege gebracht hat, ist nicht der Geist Gottes, sondern dessen Widersacher, (Ephes. 2, 2), und läßt Gott der Herr solche aus dem Fleische kommenden Bestrebungen, wie ich meine annehmen zu dürfen, nur zu, da sie dazu dienen, die heutigen Assimilationsbestrebungen der Juden als irrig und erfolglos darzuthun und auch die Christen hierüber in's Klare zu setzen." Aber der Herr, dem diese Bedenken aussteigen, ist ohne Zweifel ein redlicher, bibelgläubiger Christ, der den Zionismus ungeschminkt wie er ist beurtheilt und verurtheilt. In seiner Redlichkeit hat er keine Ahnung davon, welche Feigenblatt-Dienste der Zionismus einem bundesbrüchigen, fahnenflüchtigen Meschumed zu leisten vermag. Hier fühlt er sich heimisch. Die Centralleitung fragt nicht naest der Religion, er auch nicht.