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Der Israelit · 1900-08-16 · Heft 66 (16.8.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 66 (16.8.1900)
Date
1900-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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41. Jahrgang M «« Der Israelit Henirat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. CrTjmcum in Iftlain}. Donnerstag, den 16. August 5660(1900). Leitender Artikel. Die Kochschulhäupter in Wabylon. hi« ««lKWIich-MilhilichtS Wi. Von Rabbiner Dr. Mar Beermann, Insterburg. II. Abaji und Raba. Als durch Odenats Einfälle in Persien die Hochschule zu Nehardea vernichtet war, entwickelte sich neben der alten Lehranstalt zu Sura eine einflußreiche Hochschule zu Pumbedita. Hier pflegten die Schüler Samuels die von ihrem großen Lehrer überkommene scharsinnige Behandlung der Rechts- und Gesetzesfragen und prägten immer vollendeter eine äußerst fruchtbare dialektische Methode in der Durcharbeitung des Traditionsstoffes aus. Kritik und Analyse auf der einen Seite, Vergleiche und Combinationen auf der anderen waren die Mittel ihrer Forschung. Die zur Diskussion stehende Mischna wurde zunächst auf ihren Inhalt geprüft, scheinbare Widersprüche wurden aufgelöst und zum Vergleich das vorhandene Traditionsmaterial anderer nicht mischnaischer Sammlungen herangezogen. Durch geistvolle Herbeiziehung von Ueberlieferungsaussprüchen, die scheinbar die zur Besprechung gestellte Mischna gar nicht berühren, wußte man Dunkelheiten aufzuhellen, Geheimnisse zu ergründen, Gegensätze und Widersprüche durch Auffindung feinster Unterschiede zu beseitigen. Diese Behandlungsweise führte naturgemäß zur schöpferischen Denkarbeit, schälte die Grundgedanken und leitenden Principien der Traditionslehren heraus und ließ für die sich neugestaltenden Lebensverhältnisse aus den ewigen Normen des Gesetzes auch neue Bestimmungen auffinden. Man verglich daher Pumbedita mit einem „immer sprudelnden Quell" tm Gegensatz zu Sura, der verkalkten Eysterne, die keinen Tropfen verliert. Pumbedita erweiterte und entwickelte, Sura sichtete und ordnete die überlieferten Lehren. Der vollendete Ausbau der pumbeditanischen Forschungsart knüpft an Abaji und Raba an. Die scharfsinnigen Untersuchungen nach geschilderter Methode heißen geradezu Hawajot di Abaji we Raba, Bemerkungen Abajis und Rabas. Abaji war früh verwaist; sein gelehrter Oheim, Rabbah Sohn Nachmani's, nahm sich seiner in hochherzigster Weise an. Als Schüler und Zögling dieses Mannes wurde er später — das ist die Meinung des Talmuderklärers Raschi — selbst „Nachmani" genannt. Hai Gaon, von den mittelalterlichen Talmudgloffatoren, den Tosaphisten, citirt, hält „Nachmani" für den eigentlichen Namen, den Rabbah aus Ehrfurcht für seinen ebenfalls „Nachmani" genannten Vater in Abaja, „der du wie mein Vater heißt," umwandelte. Später hätte man diese Bezeichnung als Ehrenbeinamen im Sinne von „Vater, Meister" für ihn beibehalten. Neben Rabbah bar Nachmani, der früh die hohe Begabung seines Schülers merkte und, im talmudischen Bilde gesprochen — schon an der Knospe die Melone erkannte, war Rab Joseph, Schulhaupt zu Pumbedita, sein Lehrer. Dieser Rab Joseph wurde wegen seiner großen Vertrautheit mit den Traditionslehren „Sinai" genannt, und war berechtigt, den Ausspruch Rabbi Jochanan's: „Der ist Sieger im Geisteskampfe, wer alle Ueberlieferunqen beherrscht" auf sich zu beziehen. Bekannt war die hohe Verehrung Abajis für diesen Meister, wenn er dessen Esel nur von der Ferne sah, erhob er sich in verehrender Liebe und verneigte sich. Als Rab Joseph durch langjährige Krankheit viel vergessen hatte, konnte Abaji seinem Lehrer alle Aussprüche, die er gethan hatte, wieder in's Gedächtniß zurückrufen. Auch sonst erfreute er seinen Lehrer durch seinen Scharfsinn. Die Mutter des Königs Schabur schickte einen Beutel von Danaren zu Rab Joseph mit der Weisung, es zu einer großen Liebesthat zu verwenden. Rab Joseph zweifelte, welche Liebesthat sie

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