Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 64 (9.8.1900)
- Date
- 1900-08-09
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Mittheilungen aus dem heiligen Lande. Jerusalem« Die seit Monaten frei gewordene Direktorstelle an der hiesigen Alliance- Sehule ist Herrn Benveniste, der in der gleichen Eigenschaft mit grossem Erfolge in Smyrna wirkte, übertragen worden. Mit der Berufung einer so ausgezeichneten Lehrkraft hat die Schule viel gewonnen; hoffentlich wird es auch seiner einnehmenden Persönlichkeit bald gelingen, sich die Liebe der Jerusalemer in dem Masse zu erwerben, wie er sie in Smyrna besass. Hier eröffnet sich Herrn Benveniste ein weiterer Wirkungskreis, als in irgend einer anderen Stadt. Das neue Schulgebäude, berechnet für tausend Schüler, geht seiner Vollendung entgegen. So ein Rieseninstitut erfordert auch eine tüchtige Kraft, und die ist in Herrn Benveniste gefunden. Auch die Werkstätten schreiten unter der bewährten Leitung des Herrn Ante bi rüstig vorwärts. Die Weberei, eine Schöpfung des Letzteren, hat eine grosse Zukunft. Sie beschäftigt schon heute, nach kaum einem Jahre ihres Bostehens, über achtzig Arbeiter. Die Ansprüche aber, die an sie gestellt werden, erheischen eine bedeutende Erweiterung derselben. Dass dies nur Segen der heiligen Stadt bringen möchte, braucht nicht erst betont zu werden. Auch andere Industriezweige sollen eröffnet werden, denn eben daran krankt die heilige Stadt, dass sie keine wie immer geartete Industrie, und infolge dessen auch keinen Erwerb hat. Beschäftigung wird das Elend bannen. Ich kann es nicht anerwähnt lassen, dass der monumentale Bau des neuen Schulgebäudes, dessen Plan Herr Antebi entworfen hat, auch nnr von ihm allein geleitet worden. Damit ist aber noch lange nicht die Thätigkeit dieses rastlos arbeitenden Mannes erschöpft. In der Gemeinde leistet er geradezu Staunenerregendes. Sein Eifer, sein Schaffensdrang lassen ihm keine Ruhe, und in der That hat er sich auch in den wenigen Jahren seines Wirkens unvergängliche Verdienste erworben. Herr Antöbi ist vor einigen Tagen auf Urlaub gegangen, hoffentlich kehrt er zu seiner segensreichen Thätigkeit bald wieder zurück. €L Handel und Gewerbe im heiligen Lande. (IX. Fortsetzung*.) Im Norden des Landes, in der Nähe des Libanon, glaubt man sich im Winter nach Nordrussland versetzt. Im Ostjordangebiete fand ich Gegenden, wo ein dorthin versetzter Chinese, dem der Name des Landes unbekannt bliebe, schwören würde, dass er sich im „Blumenreiche der Mitte“ befindet. Zweifellos finden sich hier Landstriche, in welchen ein Wein produzirt werden kann, welcher mit der edlen Frucht der Champagne in Wettbewerb treten kann.“ Darum sollten wir unsere Kraft möglichst der Pflanzung von Weingärten und der Hebung der Weinprodnktion zuwenden, denn dieser Zweig des Landbanes hat hier eine grosse Zukunft, und verspricht Jedem, welcher sich ihm mit Fleiss, Ausdauer und Verständnis» zuwendet, reichen Ertrag und Segen. Die Fruchtbarkeit des Weinstockes im heil. Lande ist sehr gross. Was der Boden dieses Landes leisten kann, beweisen alle anderen Frnchtbäome: Feigen, Manlbeerfeigen, Pfirsiche, Datteln, Aepfel, Birnen, Aprikosen, Citronen, Pomeranzen, Ethrogim, Granatäpfel und besonders 742. Olivenbäume. Der Weinstock übertrifft jedoch sogar den überaus fruchtbaren Oelbaum; denn während dieser frühestens vierzehn Jahre nach der Anpflanzung die ersten Früchte trägt, prangt der Weinstock schon drei bis vier Jahre nach der Anpflanzung im Schmucke seiner Früchte. Propheten und Profanschriftsteller haben in der Vorzeit stets den Wein Palästinas gerühmt, und in der Zeit Alexanders des Grossen übertraf derselbe an Vortrefflichkeit alle anderen Weine.1) Von Dan bis Beer-Scheba waren die Abhänge der Berge mit Weinstöcken bepflanzt; die vielen Keltern und Gruben, welche sich noch gegenwärtig zwischen den Felsen befinden, beweisen, welche Ausdehnung der Weinbau früher erreicht hatte. Die Weinlese hatte einen mächtigen Einfluss auf die Klöster, welche Hil arion2) in Philistäa errichtet hatte; damals hatte sich der Weinbau über den ganzen Landstrich Gaza bis Beer-Scheba im Süden und Rhinocolura im Südwesten, an der Grenze Egyptens, ausgebreitet. (Fortsetzung folgt.) >) Al. Trall 8, Z. 2) Hieron. v. Hilar. Opp. ed. Francof, Ip. 100. Druck der Jeh. W i r th’schen Hofbachdruckerei Actien-Gesellschaft, Mainz.