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Der Israelit · 1900-08-09 · Heft 64 (9.8.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 64 (9.8.1900)
Date
1900-08-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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mann, der von der Anglo-Jewish-Asiociation nach China gesandt wurde, um die Juden in Kai-föng-fu anfzusuchen, bestätigt. Er fand die Synagoge nicht mehr vor, sie war zwischen 1849 und 1860 zerstört und aus Mangel an Mitteln nicht wieder aufgebaut worden. Aber er fand noch eine Anzahl von Juden in dieser Stadt, welche ihm erklärten: „Wir sind die Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs, wir sind vom Stamme Ascher, bekennen uns zur Religion Moses und beten nur einen einzigen Gott Israels an." Neuerdings hat auch Sir Moses M o n k e f i o r e in Verbindung mit einem Mitgliede des Londoner Hauses R o t h s ch i l d , eine Expedition ausgerüstet, welche die Auffindung jüdischer Gemeinden in China zum Gegenstände hatte. Eine Anzahl anderer jüdischer Forschungsreisender haben China zu diesem Zwecke besucht, deren Erfahrungen in dem vorliegenden Buche mitgetheilt werden. Dieselben haben aber nur Unzulängliches und zum Theil so Widersprechendes zu Tage gefördert, das; die Angelegenheit der chinesischen Juden noch l)eute zu den dunkelsten Räthseln zählt, an welchen das unermeßliche chinesische Reich für uns so reich ist. Nicht einmal die Zahl der dortigen Juden läßt sich nach allen bisherigen Angaben genau feststellen. Während einer der gründlichsten Chinakenner, der frühere deutsche Gesandte in Peking, Herr M. von Brandt, eine sehr geringe Zahl von Juden v e r m u t h e t gibt sie ein Attache der Berliner chinesischen Gesandtschaft auf eine halbe Million an. Eine englisch-jüdische Quelle spricht von einer großen, mit Mauern eingeschlossenen Stadt iin Norden Chinas, in der ausschließlich Juden und zlvar ca. eine Million Lohnen. Ilm über Vergangenheit und gegenwärtige Lage unserer Glaubensgenossen in China Authentisches festzustellen, bedarf es einer wiederhalten Berührung der verschiedenen Provinzen, eines genaueren Studiums von Land und Leuteil und große Vertrautheit mit Sitten und Gelvohnheiten. Die gegenwärtigen chinesischen Wirren dürften dazn die lang und heißersehnte Möglichkeit anbahnen, nachdem erst wieder normale Verhältnisse hergestellt sein werden. Aber auch das, was bis jetzt über die Juden in China bekannt ist, rechtfertigt den Ausspruch des General Tschang-Ki-Tong aus seinein Werke „China und die Chinesen", die wir zum Schluß hier folgen lassen: „Die Juden in China sind ein authentisches, "(>oo Jahre altes Erinnerungszeichen. Nur in der jüdischen Nation findet man eine solche Anhänglichkeit an die Nationalität. Man nehme ein Volk, welches man wolle, nach Verlauf von 4—5 Generationen wird es vollständig naturalisirt sein. Die Juden nie! Sie bleiben was sie sind, wohin sie auch gehen mögen: treu ihrer Religion, ihrem Charakter, ihren Gebräuchen. Die beständige Aufrechterhaltung einer Rasse inmitten einer Bevölkerung von vierhundert Millionen ist in Bezug auf die Weltgeschichte eine Thatsache von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, 7. Aug. Während in anderen Gemeinden eine ganze Reihe jüdischer Bäcker ihr Geschäft mit gutem Erfolg betreiben, muß es als ein Curiosum bezeichnet werden, daß wir hier nicht einen einzigen dieser nützlichen Handwerker haben und noch immer auf, in nichtjüdischen Bäckereien unter Aufsicht eines Schomer hergestellte Vrödchen, mit dem klassischen Koscher-Zettel, angewiesen sind. Feinere Vackwaaren sind überhaupt nicht erhältlich, wodurch es in vielen sonst frommen Haushaltungen längst Sitte geworden, sie beim Nichtjuden ohne Rücksicht auf Margarine rr. zu kaufen. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, einen jungen, leistungsfähigen und zuverlässigen Jehudi aus der Bäckereibranche, der über das nöthige Betriebskapital verfügt, zu veranlassen, sich in Hamburg zu etabliren, wo er jedes Entgegenkommen rasch eine gute, sichere Existenz finden würde. Könitz, 6. August. Zum Konitzer Mord wird gemeldet: Ein auf dem Synagogen-Grundstück stehender Brunnen wurde dieser Tage auf Anordnung der Staatsanwaltschaft ausgepumpt. Gefunden wurde außer einigen Steinen nichts. Anlaß zu der Maßnahme hat eine Denunziation gegeben, nach welcher der Brunnen Leichentheile enthalten sollte. — Von der Ferienstrafkammer abgeurtheilt wurde ein 16jähriger Arbeiter aus Könitz, der sich nach eigenem Geständniß am 10. Juni unter den Steinwerfern befunden hat. Ihm wurden drei Monate Gefängniß zudiktirt. Mehr Glück hatten acht Einwohner aus Schlochau, im Alter von 19—35 Jahren, die angeklagt waren, am 31. Mai an einer gelegentlich des dortigen Jahrmarktes siattgefundenen Zusammenrottung theilgenommen und sich verschiedener Strafthaten schuldig gemacht zu haben. Die Beweisaufnahme zeitigte ein negatives Resultat und es wurden sämmtliche Angeklagte freigesprochen. Frankenberg, 7. Aug. In Ergänzung der von Ihnen in Nr. 62 Ihres geschätzten Blattes gebrachten Mittheilung betreffend Theilnahme jüdischer Soldaten an der Expedition nach China möchte ich Ihnen mittheilen, daß ein jüdischer Soldat Namens Isaak Buchheim auch aus unserer Stadt sich dem Zuge angeschlossen hat. Derselbe diente im ersten Jahre bei der reitenden Abtheilung des Feld - Artillerie - Regiments Nr. 16 in Saarburg und ist auf dem Dampfer „Adria" von Bremerhaven aus verladen. And Baden. Der Großh. Oberrath der Israeliten hat für sämmtliche Synagogen des Großherzog-

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