Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 60 (26.7.1900)
- Date
- 1900-07-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1235 Prött war Gegenkaffirer des Kreditvereins, sowie Rechnungsführer des Konsumvereins und der Ortstrankenkasse Aerzen. Sämmtliche Kassen dieser Vereinigungen wiesen Unregelmäßigkeiten auf. Wie verlautet, sollen sich ' die Unterschlagungen, bezw. die Schuldenlast des Prött auf 16- bis 20,000 Mk. belaufen. (5in früberes Gerücht wollte wissen, daß das Defizit nur 7000 Mt. betrüge und von Verwandten gedeckt werden solle. Diese Vermuthung bestätigt sich jedoch nicht. (Bürgermeister Prött zählte seit Jahren zu den eifrigsten Führern der Antisemiten im Kreise Hameln.) 2his Württemberg. Die Conserenz „Jsr. Lehrer und Vorsänger Württembergs" findet Mittwoch, den >8. August d. I., morgens 0>., Uhr, in der Restauration W e st h c i m e r zu Stuttgart statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Verhaudlungsgegenstäudc: 1. Vereinslind Kassenbericht nebst Rechnungsprüfung. 2. Unsere Denkschrift. (Die Duplik aus die Beantwortung unserer Denkschrift durch die K. Obertirchenbehörde. Res.: Preßburger Ereglingen). 2. Belohnung der Kirchendienste israelitischer Voltssckmllehrer. «Res.: Spaß Afsaltrach.) 4. Die Reuordnung der kirchlichen Verfassung der Israeliten Wültteinbergs. tRes.: Spaß Afsaltrach.) Am Dienstag, den 7. ülngnit, von RUttags 2 -7 lli)i:, findet eine Süßung des 'Ausschusses statt. Bon Al'cnds 7 Uhr ab ist gesellige Vereinigung der VereinsmOglieder. Eutingen, 22,. Juli. Die israelit. Waisenanstalt „üstilhelinspflege" hier veröffentlicht den 00. Bericht pro t. A.pril luOO A!>00. Die Zahl der Zöglinge ist von .'!l aus 26 zurückgegangen. Die durch das Ableben des Oberlehrers Stern erledigte Stelle eines Hausvaters, die für die Folge von der eines Religionslehrers für die israelitischen Schulaintszöglinge hier getrennt ».mrdc, tvrirde dein Lehrer Eichberg in Soul heim übertragen und die einer Aufseherin einein früheren Zöglinge der Anstalt, Frl. Bodenheimer von Rcckarsulm. Die Anstalt vereinnahmte an Legaten Mk. 4610, au Spenden Mk. Ul 12 (darunter 40 Mk. von Ihrer Riaj. der Königin), an Zinsen Mk. 12>/.)2,6. Das Bereinsvcrmögen, erel. dem Anstaltsgebäude, beträgt Mark 406,0l»i». Vorstand des Vereins für die Anstalt ist Herr Obcrtirchcnvorsteher M. H. Goldschmidt in Stuttgart. Bei der Wichtigteit und Reichhaltigkeit der Tagesordnung wird auf vollzähliges Erscheinen der Mitglieder und -Freunde des Vereins gerechnet. Der Ernst der Lage erfordert einmüthiges Zusammenhalten und eingehende Berathuug. Bleibe deßhalb Niemand zurück. Vereint sind '.vir eine Macht, auf die man hören wird. In Beziehung auf Verbesserung unserer Anstellungsverhältnisse scheint die Behörde jetzt doch etwas strammer vorzugehen. Es ist aber auch an der Zeit, daß Hilfe kommt. Hoffentlich gelingt es uns auch, die anderen Punkte unserer Denkschrift mit der Zeit durchzusetzen! Deßhalb sage ich nochmals: Auf nach Stuttgart! Rumänien. Bukarest, im Juli. Wie unangenehm es den rumänischen Machthabern ist, daß ihre ungerechte Behandlung der rumänischen Juden in das helle Licht der Defsentlichkeit gestellt worden ist, ersieht man unter Anderem auch daraus, daß sie jetzt versuchen, aus den Kreisen der rumänischen Judenschaft selbst Kundgebungen des Vertrauens herauszulocken. Das Ministerium hatte nämlich beschlosten, sämmtlichen Präfekten den Auftrag zu ertheilen, bei den hervorragendsten Juden ihres Bezirkes Unterschriften für eine Kundgebung zu sammeln, durch welche die von der ausländischen Presse veröffentlichten angeblichen Verleumdungen ividerlegt werden sollten. So wurden, wie mitgetheilt wird, Mitglieder des Auswanderungs-Comitees in einer größeren Stadt Rumäniens vor den Präfekten geladen und von diesem gefragt, ob es nicht möglich wäre, der Auswanderung, die jetzt so große Dimensionen annehme, Einhalt zu thun. Eines der Comitee- Mitglieder lutes darauf hin, daß lediglich der Hunger seine Glaubensgenossen gezwungen habe, den letzten Rest ihrer Kraft zusammenzunehmen lind auszutvanderu. Diese Unglücklichen in Rumänien zurllckzuhalten, tväre unmöglich, und es tväre auch nicht recht, das zu thun. Gegenüber anderen Mitgliedern des Comitees bemerkte der Präsekt, sic sollten sich doch für das viele Geld, das für die zionistische Bewegung aufgebracht werde, einige Staatsgüter kaufen, um auf diesen die Auswanderer anzusiedeln. Dieser schlaue Rath fand natürlich keinen Beifall und selbstverständlich wurde auch die Zumuthung in Betreff der Unterschriften für eine Vertrauenskundgebung rundweg abgelehnt. vermischtes Stolp in Pommern, 11. Juli. Das Schwurgericht verurtheilte von den 23 wegen Ruhestörungen im Mai Angeklagten 22 zu 4 Monaten Gefängnis; bis zu 3 Jahren Zuchthaus. Einer wurde freigesprochen. — Die Strafkammer verurtheilte von den 20 wegen Betheiliguug an den Ruhestörungen am 21. Mai betbeiligten Personen zwölf zu vier Wochen bis neun Wochen Gefängniß. Acht wurden freigesprochen. Budapest. (Böswillige Störung eines Leichenbegängnisses.) Der Straßenbahn-Eontroleur Hermann Fried ließ mit der Bemerkung: „Wegen eines Judenbegräbnisses dürfen wir nicht verspäten", einen Waggon rn die nach Hunderten zählende Trauermenge beim Be gräbnisse des Bauuunternehiuers Salga hineinfahren. Derselbe wurde für diese Brutalität fast gelyncht. Er wird wegen böswilliger Störung eines Leichenbegängnisses vor Gericht gestellt werden.