Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 60 (26.7.1900)
- Date
- 1900-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41, Jahrgang. M «O Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Audenlhum. Begründet von Dr. in BHain}. Donnerstag, den 26, Juli 5660 (I960), Wr Büret ftfctrh abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat August Sa September auf den t,Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeilig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bet dem betreffenden Landbriefträger ausgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Dir Erpkdilioii des „Israelis. Leitender Artikel. crbtmTa tin-o .ansao tinm Zu den drei Mocften. L>0N 'Rabbiner Dr. Seckel Bamberger—S ch r^i nl m. < Schlli ß.) II. Das offene und ehrlich gesprochene Mort findet stets Wohlgefallen und tpehor. Anfangs sich dagegen erhebender Widerstand toeicht alsbald der Wahrheit und erlennl an die Richtigkeit und Redlichleit des der Ilebec zeugung und Wahrheitsliebe enlstautinenden Ge dantens. Stets erlangt die Wahrheit ihr Recht, rsir ryb prn rrs*. Nicht also die tlnlvahrheit! Sie tvird schließlich erkannt »nd am Lichte der Wahrheit geprüft ». beurtheilt. Bereinigt sich aber mit dem Mangel an Wahrheitsliebe auch das Bestreben der Verleumdung, so sind deren folgen unberechenbar. Durch Verleumdung wird der Friede gestört, entsteht Fehde und Zwist in der menschlichen Gesellschaft, und diese Uneinigleit > führt alsdann zu immer weiteren Verirrungen. Der gesellschaftliche Verkehr wird gehemmt; jeder strebt schließlich nur nach seinem eigenen Interesse. In fot^ cher Weise entwickelten sich jene unheilvollen Zustände zur Zeit der Zerstörung des zweiten heiligen Tempels. c*b>itö . Hieraus deutend ruft Prophet Jirmjahu, Cap. 9, aus: Jeglicher hüte sich vor seinem Freunde, trauet keinem Curer Brüder, denn jeglicher Bruder sucht den anderen zu hintergehen, jeglicher Freund ist ein Verleumder. Es war die Uneinigkeit der Brüder, welche dem damaligen Israel schadete und seine Festungen dem Feinde preisgab. Jerusalem wäre nie erobert worden, wenn Einigkeit in Jerusalem geherrscht hätte. In der S^)t selbst waren Parteien, die, heftiger wie der Feind von außen, sich innen bekämpften. Jeder Schritt der Parteien bedeutete Mord und Brand. Ja, im Tempel selbst wurde von den eigenen Brüdern der Prophet Secharia schändlich ermordet. Die schauderhaftesten Scenen trugen sich an dem Orte zu, an welchem ehemals Gottes Herrlichkeit so offenkundig aller Welt sich gezeigt hate. Die Trauer um den heiligen Tempel erinnert uns darum, nachzudenken ’cy n- “cir bv, wie Jirmia sich ausdrückte, über die Zerrüttung der Tochter meines Volkes, über den ausgearteten Geist, der damals in Israel obwaltete, vrn r>x:v der obwaltende grundlose Haß unter den Einlvohnern Jerusa lems hatte schließlich den weiteren Bestand des Reiches unmöglich gemacht und es dem Feinde erleichtert, seine siegreiche Hand gegen dasselbe zu erheben. JSrael mußte daher erkennen, daß Uneinigkeit die Ouelle alles Uebels ist und daß dort, wo Uneinigkeit herrscht, das Gute nimmer gedeihen kann, auch die blühendste Saaf. zu Grunde gehen muß. Rur wenn der Friede allent halben herrscht, der Kamps der Parteien und Meinungen, der schon so lange am Marke Israels gezehrt, geschlichtet ist; loenn aus dem heiligen Berge nichts ver nachläffigt und nicht übel gehandelt wird, weil die Erde voll Weisheit deS Herrn ist, wie Wasser Meere bedecken,