Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 59 (23.7.1900)
- Date
- 1900-07-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ffWWWMWHWWWWWWWWWMW 1207 aüe Ausnahmegesetze in Rumänien eingetreten und stets auch die Errichtung von Schulen befürtvortet hat, zeigt, daß er im Sinne Max Müller's ein Herz hat für die Nächsten und die Nächstlommenden. Feuilleton. WcrcH einer wahren Wegevenheil. 42J Von Krievrich Rott (Schluß.) Er blickte liebevoll auf den Knaben, doch dieser war Plötzlich glühendroth geworden, ein nervöses Zucken umspielte seine Mundwinkel. „Wenn Du wüßtest, Onkel — wenn Du wüßtest —" Elsa erblaßte. „Du darfst Dich nicht aufregen, Kind „Aber ich tann'ü nicht ertragen — daß Onkel und Tante freundlich mit mir sind — ehe sie alles wissen," murmelte Henry. „Laß ihn reden," sagte Viktor, der eben in das Zimmer getreten war, indem er ein feuchtes Tuch auf dem Eise kühlte und dem Knaben um die Stirn wand. Die blauen Adern waren unterlaufen, man sah die Pulse pochen. „Weßhalb sollten wir denn nicht freundlich zu Dir sein, liebes Kind?" fragte Werner, indem er sich zu ihm neigte. „Weil — weil —" „Kindt Kindt Du regst Dich zu sehr auft" Der Knabe achtete nicht auf sie, sein Aussehen rechtfertigte ihre Befürchtungen all zu sehr. Er ergriff Werners Hand und drückte sie mit wilder Heftigkeit. „Onkel," sprach er laut und hastig. „Du und die Tante, Ihr habt mich lieb — weil Ihr glaubt, ich wäre brav — aber ich bin nicht brav gewesen — ich habe gefrevelt — ich habe gelogen — nur im Scherz — aber ein Unschuldiger ist dadurch verhaftet worden — und seine sterbende Mutter hat sich die ganze Nacht vergebens nach ihm gesehnt — und — und —" „Jetzt verstehe ich alles. — Armes, armes Kind — Du hast Deinen Fehler furchtbar gebüßt. — Aber ich bin überzeugt, nie im Leben wirst Du wieder ein unwahres Wort über die Lippen bringen — nicht einmal im Scherz." „Niet" - stammelte Henry, „me!" Frau Werner fuhr sich mit dem Tuche über die feuchten Augen. „Nun, da wir alles wissen," sagte sie, „nun kannst Du eS doch ertragen, daß wir freundlich mit Dir sind — mein lieber, lieber Henry —" Da trat die Wärterin in's Zimmer und berichtete, daß ein fremder Herr zu Master Henry verlange und sich durchaus nicht abweisen lassen wolle. „Lassen Sie ihn hereinkommen," entgegnete Biktor, „sein Besuch wird Henry wohlthun," fügte er zu seiner Frau gewandt hinzu, der es nicht recht zu sein schien, daß ein Fremder zu dem Rekonvaleszenten geführt werden sollte. Gleich darauf trat ein hochgewachsener Herr herein, den man aus den ersten Blick als Engländer erkannte. „You will excuse me madame —“ wandte er sich an Frau Werner, die er für die Dame des Hauses zu halten schien. „Master Henry has sreiben mir und bitten Pardon — that ich will bring. — Master Henry —" er trat zum Ruhebette und reichte dem erglühenden Knaben die Hand, die dieser an seine bebenden Lippen drückte, zu sprechen war er nicht sofort im Stande. „No, no, Master Henry!" sagte der Engländer, indem er die Hand zurückziehen wollte. „Sie haben gethan mir große Weh — aber ich verseihe Sie —" „Dank," flüsterte Henry, „Dank!" und abermals drückte er seine Lippen auf die Hand des Fremden. Elsa stand am Kopfende des Ruhebettes, ihr Gesicht war mehr im Schatten, denn sie hatte den Rücken dem Fenster zugewandt. Schon bei den ersten Worten, die der Fremde gesprochen hatte, war sie zusammengefahren und hatte sich mit weit geöffneten Augen vorgeneigt, als wolle sie dem Sprechenden in das von der Mittagsonne hell beschienene Antlitz schauen, und so stand sie da, wie lauschend und doch wie abwesend, denn sie hatte die Frage, die Viktor eben an sie gerichtet hatte, nicht beachtet, vermuthlich nicht einmal gehört. Werner war ihre Erregung gleichfalls nicht entgangen, doch glaubte er sie zu verstehen. „Eine merkwürdige, geradezu frappante Aehnlichkeit," sagte er halblaut, indem er zu ihr trat, „ganz der selige Baron Hugo — findest Du es nicht?" Mit einer gewissen Heftigkeit schüttelte sie den Kopf, indem sie beide Hände gegen die Brust stemmte, als wollte der Athem ihr versagen. Viktor hatte indessen den Fremden veranlaßt, sich in ein Fauteuil niederzulassen und hatte ihm in einigen Worten seinen Dank ausgesprochen für seinen Besuch, durch den er seinem Kinde des Gewissens Ruhe wiederbringe. Jetzt blickte er unwillkürlich auf seine Frau, damit auch sie ihren Dank hinzufllge, doch entsetzt fuhr er zurück. „Elsa! um Gotteswillen, was ist Dir?" Auch der Engländer hatte den Blick zu ihr gewandt, die geisterbleich und nach Athem ringend gegen Werner lehnte. „Emmi!" schrie er aufspringend, „my last sister!“ und mit ausgebreiteten Armen stürzte er aus sie zu. „Nicht Emmi —" stammelte sie, „Emmi war der