Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1900)
- Date
- 1900-07-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Lemberg, 16. Juli. (Ablehnung einer Spende.) Dem Krakauer „Naprzod" zufolge hat der Lemberger Cultus-Präsident, Reichsraths-Abgeordneter Dr. Byk, das Anerbieten des Lemberger Advocaten Dr. Schaff, für die Vergrößerung des Waisenhauses in Lemberg 100,000 Kronen zu spenden, mit der Begründung abgelehnt, daß es die finanziellen Verhältnisse der Cultusgemeinde nicht gestatten, sich der an die Vergrößerung der Anstalt sich knüpfenden Erhöhung der Verwaltungskosten zu unterziehen. England. London, 16. Juli. (Aus dem Testamente d'e s Baron Adolph von Rothschild.) Zu den bereits bekannten 20 Millionen Francs, wird jetzt eine Reihe von Legaten bekannt. Auch für speziell jüdische Zwecke sind ansehnliche Beträge vermacht worden. So erhielt die jüdische Gemeinde von Genf den einmaligen Betrag von 50,000 Frcs. zum Bau und die lausende Unterstützung von 2500 Frcs. jährlich zur Unterhaltung einer jüdischen Gemeindeschule, deren Inspektor mit 800 Frcs. Jahresgehalt der jeweilige Rabbiner sein soll. Zu gleichem Zwecke erhält die jüdische Gemeinde von Neapel die Zinsen eines Capitals von 100,000 Frcs. Der Leiter der Schule, der ebenfalls der jeweilige Rabbiner ist, erhält als Honorar 1000 Lire jährlich. Dieselbe Gemeinde erhält zur Disposition des Gemeindevorstehers 50,000 Lire zur Gründung und die Zinsen von 100,000 Lire zur Unterhaltung eines jüdischen Krankenhauses. Endlich hat der Verstorbene zum Andenken an seinen Vater eine Adolph Charles de Rothschild-Stiftung gegründet. Der sechste Theil der Zinsen aus dem von seinem Bruder Charles (unterlassenen Vermögen soll alljährlich an zwei arme jüdische Mädchen ausgezahli werden, wenn sie zwei jüdische, ebenfalls arme junge Leute heirathen. Rußland. Wilna. (Spende der Baronin Hirsch.) Auf der Sirotskastraße Hierselbst wird von hundert emsigen Händen an dem Bau eines mächtigen Hauses gearbeitet, dessen Wände fast zusehends in die Höhe schießen. Es soll im Herbst noch vollendet und mit dem Beginn des Winters schon bezogen werden. Die Bewohner sollen Juden sein und das Haus wird aus dem Gelde gebaut, welches die edle Baronin Hirsch s. A. zu diesem Zwecke in Höhe von 200,000 Rubel gespendet hatte. „Das Heim für billige Wohnungen" wird 200 Familien in Wohnungen von je 1—2 Zimmer nebst Küche bequem Unterkunft gewähren. Das Heim wird mit allem Comfort der Neuzeit eingerichtet und selbst Dampfheitzung besitzen. Nebst den Wohnräumen wird es eine Schule für die Kinder der Miether, sowie eine Kleinkinderbewahranstalt enthalten, wo im Hause wohnende Mütter, die den ganzen Tag draußen im Tagelohn arbeiten, ihre schutzlosen Kleinen unterbringen können. Schließlich soll das Haus einen Laden besitzen, in dem alle Maaren an die Hausbewohner zum Selbstkostenpreis abgegeben werden sollen. Das Heim hilft in Wilna einem dringenden Bedürfnisse ab. Die Miethen werden da von Jahr zu Jahr theurer und für die armen Juden unerschwinglicher. Sie müssen sich daher mit schmutzigen, engen und feuchten Wohnungen begnügen, wo sie die Hölle auf Erden verspüren. Da e i n solches Heim bei weitem nicht ausreicht, so wird, noch bevor das erste Haus bezogen, bereits der Bau eines zweiten ernstlich geplant. Mögen die Wilnaer Glaubensgenossen sich in der That als gelehrige Schüler erweisen! T. P a l ä st i n a. Tiberias (Palästina). Von 52 Gemeindemitgliedern, deren Unterschriften von dem Oberrabbiner beglaubigt sind, wird berichtet, daß der Verein „Linas Hazedek" eine große und segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Bor zwei Jahren war im „Israelit" über diesen Verein Nachtheiliges berichtet worden, was diese Herren in ihrem Schreiben widerlegen. Marokko. Marokko. (Blutvergießen in Fe z.) Infolge des Vorgehens Frankreichs in dem zum Sultanate Marokko gehörigen Tuat herrscht in Fez, der einen Residenzstadt des Sultanates, große Erregung unter den fanatischen Mohammedanern, die sich sogar bis zu einer Blutthat gesteigert hat. Darüber wird Folgendes gemeldet: Der Daily Mail wird aus Tanger telegraphirt: Hier traf ein Expreßbote ein mit der Nachricht, daß in Fez große Aufregung herrscht. Der Pöbel griff das Ghetto an u. verbrannte einen amerikanischen Staatsbürger Marcos Essagin, welcher eine französische Firma vertritt. Der britische Consul bat die Behörden um Schutz für seine Wohnung. Die britische Gesandtschaft in Tanger machte dem Minister des Aeußern, Masanide al Tores, ernste Vorstellungen. Der Vorfall der Ermordung des amerikanischen Staatsbürgers Marcus Essagin ist folgender: Essagin stieß bei dem Ritt durch eine enge Straße mit einem Imam zusammen und streifte dessen Maulthier. Es entspann sich ein Wortwechsel, wobei eine Schaar chon Fanatikern gegen Marcos Partei nahm. Da dieser sein Leben bedroht sah, feuerte er einen Revolverschuß ab, durch welchen ein Eingeborener getödtet wurde. Sofort stürze sich die Menge auf ihn, hieb ihn in Stücke und verbrannte diese. Der französische Gesandte machte sogleich, nachdem ihm die Thatsache gemeldet war, dem amerikanischen Generalkonsul Mittheilung davon und beide thaten Schritte beim Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten, um gegen solche Vorkommnisse Verwahrung einzulegen.