Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1900)
- Date
- 1900-07-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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41* Jahrgang. Zweite Aeikage zu M 58 des „Israelit^. Zeitungsnach richten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 15. Juli. Am 10, Jlili c. feierte der Rentner S. M. ü f e n o Iv - Berlin, Michaelkirchplatz 1. seinen 80. Geburtstag. Die Gemeindebehörden seiner Heimathstadt, Straßburg in Westpr., ehrten den Jubilar, welcher schon zuvor zunr Stadtältesten ernannt tvar, durch Ertheilung des Ehrenbürgerrechtes. ROt der Ueberreichung des lunstvoll ausgeführten Ghrenbiirgerbrieses an den geistig und körperlich besondere frischen alten Herrn hatte der Magistrat zu Strafiburg den Stadtberordneten Rosenow zu Berlin betraut, welcher ein Neffe des Jubilars ist. Der Jubilar hat der Gellleinde Straßburg 40 Jahre lang als Stadtverordneter und Magistratsmitglied im Ehrenamte gedient. Nebenbei tvar er viele Jahrzehnte Vorstand der jüdischen Gemeinde, welche ihrerseits Herrn Nosenotv zu ihrem Ehreninitgliede ernannt hat. Jnsterlnnq, im Juli. In Nummer 51 und 52 dü'ses geschätzten Blattes tvird der von Sr. Ehrtvürden Herrn Rabb. Dr. Beerinann mit Zunz u. a. vertretenen Ansicht, das; Nab das Aleuugebet verfasst habe, die Anivrschaft Josua's entgegen gehalteit. Das; agadische Bemertungen über die 0 iltstehiing eines Oiebetes tvie: Mose, Josua u. a. haben diese oder jene Oiebete ange ordnet, nur in dem Sinne aufznfassen sind, das; die Grulldgebanlen betr. Oiebete von diesen Männern zum ersten Male ansgesprochen wurden, 'während die eigentlichen Hersteller des Oiebettextes spätere Sosrim oder Taiiaim tvaren, erhellt aus Brachoth 20o. Hier tvird ''Jilcmanb tvirklich den Patriarchen die Redaetion der Schmoneeßre vindieirett. Btan vergleill>e das. 55a, wo den Blännern der großen Synode die Abfassung der Dephillot zugesehriebeu tvird. Aus Jer. Ab. Sa. I n*vpv ims Jer. Brach., Eap. 4. Daanit Eap. 4, Babii Taanit l.2a und Sota 4oa, Jaina 57, Jer. Nvschaschana Eap. I, Erribiu 04 ist der große Antheil Nabs an der Siddurfirirung evident. Man tvird also die Autorschaft Josuas nur in dem Sinne zu verstehen habeil, daß Josua die Grundidee des Alenugebetes ztlm erstell Btate ausgesprochen hat, so daß sin iss is •rSs s*r, sin iss "s* Ich Ivill noch bemerken, daß Ehaje Adam .'!2,'!5 die Möglichkeit offen läßt, daß tvenigstens in der ulls jetzt vorliegenden Form und der Hinzu siigung des 7Ji: p bv nicht Josua, sondern erst Rab das Gebet verfaßt hat, was Ravv. Dr. Beermann. Braun n. a. auch entnehmen. Cantor B. P e f s e n. O e st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, im Juli. (Vorsteher Jacob B r a n d e i s.) Die hiesige israelitische Cultus-Gemeinde betrauert den Heimgang eines seiner ehrwürdigsten Mitglieder, des vieljährigen Präsidenten und Ehrenmitgliedes der Chewra Kadischa und des Bethausvorstandes Jacob Branders. Seit seiner frühesten Jugend stand dieser Mann im Dienste des Judenthums, er tvar Vorstandsmitglied und Vicepräsident der Eultusgemeiude, Borstand der israelit. Allianz und des Handwerkervereins und hing an allen jüdischen Instituten mit einer geradezu zärtlichen Treue. Ein Sohn der alten Zeit, streng conserbativ, verstand er es doch, die berechtigten Forderungen der Neuzeit zu würdigen und ihnen Rechnung zu tragen. Mit den alten, ehrivürdigen Einrichtungen unserer Gemeinde, die er hat schaffen Helsen, innig verwachsen, hat er sich neben der Pflege wahrer Humanität die Erhaltung der religiösen Institute zur Aufgabe gemacht, der er seine .Rraft tvidmete. Ein ausgezeichneter Präsident, ein Vorbild von Hingebung und Pflichttreue, ein liebens tvürdiger College, von anspruchsloser Bescheidenheit, hatte er ein goldenes Herz und liebte es im Stillen, mit Bermeidung jeden Aufsehens, Gutes zu stiften, und trotz seiner vielen Aemter und Würden hat er nie ge fehlt, tveukl fein Amt ihn gerufen. Aus Anlaß seines 50. Geburtstages im Frühjahr 1892 haben alle jii bischen Eorporationen Wiens, au der Spitze Rabbinat und Borstand, es sich angelegen sein lasten, dem Nestor der Oiemeiube in beu mannigfachsten Formen die Huldigung barzubringen. Seitdem lebte Jacob Brandeis infolge der Altersschwäche mehr zurückgezogen. Er verschied am 8. Juli zu Marienbad. Wien, 10. Juli. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" vielt vor einigen Tagen im Saale des Wissenschaftlichen Elub seine diesjährige Generalver saitimlung ab, zu tvelcher auch Hofrath Professor Noth naget tlnb Stlperintendent Professor Dr. Sebereuyi erschienen ivaren. Den Jahresbericht erstattete der Borsitzeude, Vicepräsident Baron Dr. Seiller. Es ist beabsichtigt, itl nächster Zeit eine populär geschriebene Broschüre in deutscher und czechischer Sprache herauszugeben und zu verbreiten, welche die Uusinuigleit der Blutlegende dar stellen soll. Der Vorsitzende beantragte, dein Professor Masaryk für sein sreimüthiges Auftreten in der Pol naer Afsaire den Dank des Vereins auszusprechen. Dieser Antrag wurde, nachdem ihn Hofrath Professor Nothnagel befürwortet, einstimmig angenommen. Be zirksrath Walbstein wünschte eine Reorganisatiolt des Vereins und beantragte, daß ein eigenes (Komitee die diesbezüglichen Vorarbeiten treffe und im nächsten