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Der Israelit · 1900-07-16 · Heft 57 (16.7.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 57 (16.7.1900)
Date
1900-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1167 7; Feuilleton HlcrcH eirrev wcrHven ZZegeben heit. 401 Von Friedrich Rott. Es war in den späten Abendstunden. In dem matt erhellten Krankenzimmer saßen die Eltern am Bette ihres Kindes und wechselten unablässig die tühlenden Eistücher, die sie schon nach wenigen Minuten dampfend von der Stirne des im heftigsten Fieber Phantasirenden nahmen. Bange schlvere Seufzer entrangen sich Elsa's Brust, »nährend Viktor, den Arm um sie geschlungen, ihr Trostesworte zuflüsterte. Bon Zeit zu Zeit murmelte der .Kranke unzusammenhängende Worte von Raub und Mord, von Mördern und Gendarmen. Plötzlich fuhr er auf, griff mit der Hand an die Stirne und wild um sich blickend, schleuderte er die Eoinpresse weit von sich. „Nein, nein!" flüsterte er, „ich will lein Zeichen an der Stirn — sie sollen mich nur umbringen, »venu sie mich finden - ich will nicht leben!" - „Sprich nicht so, inein Kind! — mein liebes Kind!" -- und ihrer selbst nicht mehr mächtig, brach Elsa in lau!cs Schluchzen aus. Der Kraule blickte sie befremdet au und allmählich midi der wilde Ausdruck aus seinen Zügen. „Mama!" stammelte er endlich und streichelte ihre Hand mit seiner sicberglühenden, „liebe Mama Sie bezwang ihre Thränen und blickte ihn zärtlich lächelnd an. „Warum hast Du geweint, Mama?" „Weil Du so sehr zu leiden schienst, mein Liebling. AVer jetzt sichst Du bester aus -- Gottlob! — Du fühlst Dich doch auch leichter —■ nicht wahr?" Er antwortete nicht, der Ausdruck seines Antlitzes hatte sich wieder geändert. „Mama! Mama! was habe ich da an der Stirn? Ein feuriges Zeichen - wie Kain —" „Nichts ha st Du an der Stirn, liebes Kind —■ gar nichts. Laste mich nur den Umschlag wieder darauf legen." Sie neigte sich zu ihm, die kühlende Eoinpresse ihm Ivieder auf die Stirne zu legen, doch bevor sie es that, berührte sie mit ihren bebenden Lippen seine pochende Schläfe. Ein Lächeln huschte über das zuckende Antlitz des Kraulen. „Du hast mich uoch lieb - Du — und ich bin doch ein Mörder!" schrie er plötzlich auf. „Henry! Henry! uin Gotteswillen, sprich nicht so!" „Aber es ist doch wahr!" flüsterte er, „es ist doch wahr! — o Gott!" Wimmernd sank er zurück, seine Augen schloffen sich wieder. Viktor hatte die Lippen fest aufeinander gepreßt. Er winkte seiner Frau und beide begaben sich an das entgegengesetzte Ende des Zimmers. „Die Diagnose des Doktors scheint nicht richtig," sagte er, „das Fieber scheint nicht die Folge von Uebermüdung zu sein, so wenig, als die eines Diätfehlers - das scheint die Folge einer furchtbaren Aufregung zu sein. — Was mag da vorgegangen sein? — Hast Du eine Ahnung?" Sie schüttelte den Kopf. „Er war seit vorgestern nicht zu Hause —" „Ich mag den Onkel nicht fragen, ob etwas vorgefallen ist — es sähe wie Mißtrauen aus —" „Wie hat denn das Unwohlsein begonnen?" fragte Elsa. „Der Onkel sagte, während des Fahrens — aber ich meine, in ivelcher Weise hat es sich geäußert?" Er hat plötzlich aufgeschrien und sich wie Schutz suchend, an meine Brust geworfen." „Ohne jede Veranlassung? — Erinnerst Du Dich nicht, von was vorher die Rede war?" „Doch ja, ich glaube, der Onkel hat den Kutscher aufgefordert, durch die Stadt zu fahren, da hat der allerhand erzählt, weßhalb er das nicht könne. Genau habe ich nicht zugehört, aber ich glaube, man hatte Jemanden für einen Dieb gehalten und verhaftet und dadurch »värc seine Mutter vor Schrecken gestorben — Herr Gott! Elsa, tvas ist Dir?" Bleich und zitternd war sie zusammengebrochen, hätte er sie nicht gehalten, sie tväre zur Erde gestürzt. „Um des Himmels ivillen, Elsa, sage mir, was Dir ist!" Er hatte sich über sie geneigt, sie schlang ihre Arme um seinen Hals und brach in ein tvildes konvulsivisches Schluchzen aus. „O Gott! mein Gott! jetzt verstehe ich alles! — Unser unglückliches Kind! — Das wird er nie verwinden!" — Aus Viktors sonst so frischem Angesicht tvar jeder Blutstropfen gewichen. „Nimm Dich zusammen, Elsa — er scheint zu schlafen — störe ihn nicht. — Und was es auch sein-mag — es ist wenigstens gut, daß wir es wissen — denn Du mußt es mir mittheilen — sofort —" Sie bezwang sich in der That, mit nahezu übermenschlicher Anstrengung drängte sie ihre Thränen zurück, und daS Haupt an die Brust des Gatten gelehnt, theiltc sie ihm in leisen, geflüsterten Worten, in abgebrochenen Sätzen mit, was sich am Abend vor Henry's Abreise zugetragen hatte. ES >var gut, daß sie nicht in sein Antlitz schauen tonnte, in dem sich jetzt der herbste Seelenschmerz malte. Trotzdem klang seine Stimme so ruhig wie immer, als er, ihre Hand drückend, sie aus seinen Armen ließ.

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