Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 57 (16.7.1900)
- Date
- 1900-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zsraelit. Ein Kenlrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. in Httainf. Montag, den 1«. Juli 5660 (1900). Leitender Artikel. Kitte »I« ctiöflö iiirlir Wahrheit imii Aarheit. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink, Wien. III. Im vollsten Einklänge mit den erwähnten historischen Berichten steht die Ueberlieferung unserer Weisen, welche berichtet n'2">2 or6 upn rna ’tr;x n!nsii niprp mSwn „die Männer der großen Synagoge haben die Segenssprüche, die Gebete, die Heiligungs- und Abschiedssegen (d. h. der Feste) versaßt (Berachoth 33a). Was unser Achtzehnergebet selbst betrifft, welches hier im Vordergründe der Erläuterung steht, wird von demselben ausdrücklich erwähnt, daß es von den 120 Aeltesten (sc. der großen Synagoge), unter Mitwirkung mehrerer Propheten, verfaßt worden ist. (Megilla 17b.) Daß aber eben dieses gedachte, aus achtzehn Segenssprüchen bestehende Gebet, welches in unseren Quellenschriften nbvnn schlechtweg genannt wird, thatsächlich schon vor Rabbon Gamaliel dem Zweiten benutzt worden ist, dafür gibt es eine Anzahl unumstößlicher Beweise. Der Ausdruck pbvn, welcher in nachbiblischer Zeit für das ursprüngliche nvviv oder ixv gebraucht wurde, leitet seinen Ursprung jedenfalls von dem Umstande ab, daß die betreffenden religiösen Abzeichen während der nberi angelegt wurden. Die Prägung dieses Ausdruckes hat bereits die stehende Einrichtung des Gebetes zur Voraussetzung. Die Bezeichnung p ’ ß n ist jedenfalls sehr alt und reicht weit in die Zeit, da der Tempel noch bestand, hinauf. Das wird kaum einer zu bestreiten wagen. In Tanioth, Cap. 2, Mischnah 1 u. ff., wird die Gottesdienstordnung an den öffentlichen Fasten beschrieben. Unter den Gebeten, welche bei diesem Anlaffe zu verrichten sind, geschieht des täglichen Achtzehnergebet ar bzzv mtw rwstr ausdrücklich Erwähnung. Wenn aber Eingangs jener Mischnah unter anderem auch '2^ bv iex b’.twi t'2x twnsi x'trn tpxnsi rrrnn angeordnet wird, „daß man Brandasche auf den Vorbeterpult und auf das Haupt des Naßi, wie auch auf das des obersten Gerichtspräsidenten zu streuen habe, so verweist diese Mischnah von selbst ihre Abfassung in die Periode der sogenannten nn, welche mit dem Auftreten der makkabäischen Könige zur Zeit des p'Starx und "s>ck* (Chagag Cap. 2, Mischnah 2) zu Ende ging. Dies ergibt demnach auf's unzweideutigste, daß schon in jener Zeit das tägliche Achtzehnergebet allgemein ver richtet wurde. In Berachoth 3a erzählt uns ferner Rabbi Jose, wie er einst auf einer Reise begriffen, eine von den Ruinen Jerusalems betrat, um dort sein Gebet zu verrichten. Elijahu erwartete ihn am Eingänge, um ihn darüber zur Rede zu stellen, daß er nicht unterwegs gebetet habe. Dieser suchte sich damit zu entschuldigen, daß er darauf hinwies, wie leicht man auf der Land straße Störungen ausgesetzt sei. Elijahu entgegnete darauf: Du hättest alsdann die mxp n^cn, das verkürzte Gebet verrichten sollen. — Wie der Schluß der Stelle TiE-iPi Yi'2 nx ’rarn an'rruiV2B> n'an1? x mo\xn ,-'2°? H-n nx „Wehe den Kindern, um deren Sünden willen ich mein Haus zerstört, meinen Tempel verbrannt und meine Kinder unter die Heiden verstoßen," erweist, ereignete sich dieser Vorfall kurze Zeit nach der Zerstörung, jedenfalls vor dem Patriarchat R. Gamaliels l l. Andrerseits scheint es höchst fraglich, ob zu dessen Zeit es den Juden überhaupt nur noch gestattet war, die Trümmerstätten Jerusalems zu betreten. Es geht auch aus diesem Zwiegespräch mit aller Deutlichkeit hervor, daß schon damals sowohl die r^en wie unter Umständen auch die .map nSwi alltäglich gebetet worden ist. Aus dasselbe läuft auch der Bericht Rabbi Josua b. Chananias (Succah 63a) aus der Zeit des Tempels