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Der Israelit · 1900-07-09 · Heft 55 (9.7.1900) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 55 (9.7.1900)
Date
1900-07-09
Page
– (sequence 24)
Language
German
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48 geld 8 Th., von jeder Hochzeit und jedem Todesfall einen Goldgulden (Gi'iitz). Nach dem Ableben des grossen Kurfürsten wuchs diese Judensteuer in gleichem Maase. Im Jahre 1696/97 bezog die Kammer allein aus dem kleinen Minden 200 Th. Judenschutzgelder ' Ausser dem Judentribut nahm der grosse Kurfürst von einzelnen Juden noch sogenannte „extraordinaire Gefälle“ ein. welche relativ in noch höherem Grade als die Judensteuer die fürstlichen Kassen füllten. Der „ohngefährliche Domainenetat“ der Grafschaft Ravensberg 1680/81 weist unter anderem ein solches „extraordinaires Gefälle“ von der Herrschmannschen Wittwen auf. Es beträgt lOOo Th. Die Kammerrechnungen gewähren uns auch einen Einblick in die damaligen jüdischen Geschäftsbeziehungen zum Hofe. Eine Kechnungsiibersicht der llofkammer des Jahres 1684/85 führt als Kammerausgabe für den Juden Berndt Wollt' 80 Th. und für „Herrn Liebmann, Hofjuw« lieren", 1692 Th. auf. WolfF war der Nachfolger des 1672 verstorbenen Hofjuden Gumpertz, während Liebmann, „Hoffaktor Jobst Liebmann“, der Nachfolger Wolffs war. Liebmaim muss in hohem Ansehen gestanden haben, da der Kammerschreiber das sonst im Verkehr mit den damaligen Juden nicht sehr gebräuchliche „Herr“, auf ihn anwandte. Dass der im General-Etat der Kammerverwaltung 1680 mit einem Gehalt von 1350 Th. erwähnte „gewesene kurf. Agent zu Stettin, Daniel Brunschwiegen“ auch zu der Kaste der Hofjuden gehörte, ist wohl anzunehmen. Die Würde eines solchen Hoffaktors hatte auch ihre Schattenseiten. Bei vielen Hotleuten war 68 Gepflogenheit, sich die wohlwollende Behandlung jüdischer Lieferungsofferten honoriren zu lassen. Wenn auch durch dieses Protectionswesen der Staat keinen Schaden erlitt, so war der Jude doch keinen Augenblick vor der Anklage der Bestechung sicher und mehr als einmal hat man durch solche Anklagen manchen Hofjuden zu beseitigen gewusst. In einer Resolutionsurkunde des gr. Kurfürsten datirt: Kölln den 22. 1. 1670 wird einer solchen Bestechungsaffaire Erwähnung gethan. Der Kammerrat Battier hatte den Kammerpräsidenten von Canstein beschuldigt, von dem Juden Israel 200 Th. für ..Lievre\ en" acceptirt zu haben. Der beleidigte Canstein klagte beim Kurfürsten, welcher in dem Oberhofmarsehall Canitz den Schuldigen fand. Noch kurz vor seinem Tode liess sich der Kurfürst von dem Hofkammerpräsident Knyphausen über eine ähnliche Jiulenanklage berichten, die diesmal in Form eines Verstosses gegen das Münzedikt gegen Kaufmann Salomon sich richtet. So weit wir ersehen, hat sie aber ebensowenig zur Bestrafung der Beteiligten geführt, wie bei dem Fall Canitz. Der diesbezügliche Bericht lautet wörtlich : ad 3/ Als auch E. K. D. bei dero jüngsten Aufbruch von hinnen in Gnaden befohlen, dass die Ciitersuchung wider den Kaufmann Salomon und andere Uebertreter E. K. D. Münzedikten eitrigst fovtgesetzet E. K. D. davon imterthänigst Bericht abgestattet werden sollte, so haben wir ebenmassig hiebei schliessen wollen, wie weit wir in dieser Sache progmlitiret und was darunter unseres ohnmassgeblichen Ermessens fernerhin vorgenommen werden kann. Bücherschau. W<» Ii 1 g e;» u t h, J., Die UnsterldichkeitsleJire in der Bibel (Beilage zum .Jahresbericht, des Kal>binerseiiiinavs in Berlin), Berlin 1000. X ar li trag zum 14. .Jahrgang des statistischen Jahrbuchs des deutsch-isr. Gemeindehundes. Berlin 19oo. l’eritz, A , Statistische Uebersicht der für Versorgung der jiid. Lehrer und Kultusbeamten in Deutschland bestehenden ITilfsnnd Unterstützungs-Kassen. Königsberg 1900. Friedberg, B., Geschichte der hehr. Typographie in Krakau von 15,‘jo bis auf die Gegenwart. Krakau 1900. Inhalt. Giinzhurg und die schwäbischen Gemeinden. — K. Aldgedor Cohen Zedek. — Die Juden in Worms — Zwei Documente aus der älteren Geschichte der Synngogen-Geineinde zu Hannover. — Judengelder nml Hofjudeu zur Zeit des grossen Kurfürsten. Verantwortliche Redaction: Rabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach (Baden). — Druck und Verlag der Joh. Wirth’schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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