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Der Israelit · 1900-07-09 · Heft 55 (9.7.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 55 (9.7.1900)
Date
1900-07-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1131 Schädigungen auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiete vermieden werden und wie allmählich wieder bessere Zeiten herbeigeführt werden könnten. Tie Hauptursache, welche die an sich so berechtigten Empfindungen der Einwohnerschaft in so unglücklicher Weise zum Ueberschäumen gebracht hat, glauben wir darin sehen zu müffen, daß das Vertrauen in die Gerechtigkeit der Behörden schwer erschüttert ist. Das entspricht aber nicht unfern alten preußischen Traditionen. Die Gerechtigkeit und Unparteilichkeit der Behörden sind die Grundlagen eines jeden Staates, welche, Gott sei Dank, noch unerschüttert in Preußen dastehen. An unsere Mitbürger und an alle unsere Aachbarn, die es wohl meinen mit uns, unfern Kreis ii. seiner weiteren Umgebung richten wir die dringende Bitte, den ersten Schritt zur Besserung der Verhältniffe dadurch zu thun, daß sie wieder Vertrauen zu den Behörden gewinnen. Fehler mögen gemacht worden sein, wir sind aber überzeugt, daß setz in energischer und unparteiischer Weise auf Aufklärung der grausen Mordthat hingearbeitet wird. Wir wollen in der alten, gut preußischen und königstreuen Art unserer Bevölkerung unsere Aufgabe darin sehen, die Arbeit der Diener unsers Königs durch Achtung vor dem Gesetz und durch Gehorsam gegen seine Vertreter zu unterstützen, und so unseren alten guten Ruf der Loyalität, der freudigen und vertrauensvollen Hingabe an den Staat, dem wir so unendlich Vieles verdanken, und an unser heißgeliebtes Herrscherhaus lvieder bewähren!" Bekanntlich haben im Monat Mai in Schlochau, Hammerstein und Prechlau wiederholte Unruhen stattgefunden, die nunmehr, zunächst vor dem Schöffengerichte zu Schlochau, ihre Sühne gesunden. Die Prozesse wegen Landessriedensbruch wurden s. Zt. vor dem Landgericht in Könitz verhandelt. Wir stellen hiermit die ersten hier gefällten Urtheile zusammen. Ein Kommentar dürfte ganz unnöthig sein. Sie sprechen eine Sprache, die jedem Unbefangenen deutlich ist. 1) Ängeklagt waren zunächst vier Handwerksgesellen u. Lehrlinge, die nach der Anzeige des Polizeiwachtmeisters Abends wiederholt ruhestörenden Lärm durch Hep-Hep- und Pech-Ruse gemacht hatten. Der Wachtmeister sollte schwören, ob die Bewohner im Schlafe gestört wurden. Das konnte der Beamte nicht. Urtheil: „kostenlose Freisprechung!" 2) Der Knecht eines Gutsbesitzers war angeklagt, einige Scheiben an der Synagoge zertrümmert zu haben. Die Zeugin, Frau des Synagogendieners, soll beschwören, daß die Scheiben nicht schon vorher zerbrochen waren. Sie beruft sich darauf, daß ihr Mann, der Glaser ist, eine Stunde vorher zerbrochene Scheiben erneuert: schwören will sie nicht. Urtheil: „kostenlose Freisprechung!" 3) Der jüdische Kaufmann Selo-Grechlau hatte einen der zahlreichen Jungen, die seit drei Monaten die i Juden durch Hep-Hep-Rufe belästigen, angehalten, um seinen Namen feststellen zu lassen. Er wurde von dem Amtsvorsteher beschuldigt, daß nach den Angaben des Gendarmen, er den Knaben geschlagen habe. Selo bezeichnete dieses als eine Lüge und weist auch durch Zeugen nach, daß der Gendarm sich geirrt habe. Urtheil: „500 Mk. Strafe;" 4) Der Synagogendiener Schnell wurde mit Steinen geworfen; er wehrt sich mit einer Latte und schlug dem Attentäter auf den Arm. Der Geschlagene sagt aus, daß er zufällig einen Stein mit dem Fuße weggestoßen, „Der Synagogendiener wird zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt!" Sapienti sat! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen* Deutschland. Mainz, 9. Juli. Soeben sind 170 rumänische Auswanderer hier angekommen. Sie werden durch ein jüdisches Damen-Comitee verköstigt u. dann weiter befördert. Wiesbaden, 8. Juli. Heute fand hier eine Versammlung von Gemeindemitgliedern statt, um zu berathen, was in Anbetracht der rumänischen Noth zu geschehen habe. Man beschloß, die Gelder nicht durch einmalige Spenden, sondern durch regelmäßige Beiträge innerhalb eines Vereines aufzubringen. AnS Württemberg. Der 69. Bericht der „Jsr. Waisenanstalt Wilhelmspflege" in Eßlingen bringt uns den schweren Verlust, den die Anstalt durch den Tod des sel. Oberlehrer Stern erlitten, in Erinnerung, bietet aber sonst das Bild gedeihlichen Aufschwunges und fortschreitender Entwickelung. Sowohl unter dem Stellverweser Herrn Aufseher Rothschild, wie auch unter der Leitung des jetzigen Hausvaters Eichberg wurde dem Unterrichte und der Erziehung größte Sorgfalt gewidmet, so daß in jeder Hinsicht für das Wohl der Waisenkinder gesorgt ist. In richtiger Erkenntniß der hohen Bedeutung und segensreichen Wirksamkeit dieser Anstalt erfreute sie'sich auch lm abgelaufenen Jahre — trotz berechtigter Concurrenz ähnlicher wohlthätiger Anstalten und Vereine — ganz bedeutender Legate und Spenden. Zöglinge sind es gegenwärtig 25. Das Vermögen der Wilhelmspflege beträgt Mk. 405,004.11. O e st er r. -Ungar. Monarchie. Wien, 7. Juli. Heute Abend sind wieder 300 rumänische Auswanderer zu Schiff auf der Donau hier angekommen. Sie wurden in neun Omnibussen in ein Nachtquartier befördert, das ein Menschenfreund zur Verfügung gestellt hat. Auch im Turnsaale der Tal-

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