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Der Israelit · 1900-07-09 · Heft 55 (9.7.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 55 (9.7.1900)
Date
1900-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41. Jahrgang. Anlage zu Jfs 55 des „Israelit". Leitender Artikel. Amu Honiher Uorö. Von unserem Spezialkorrespondenten. Könitz, 6. Juli. In der Mordaffaire-Untersuchung scheinen einige neue Momente aufgetaucht zu sein, die jedoch den Anschein erwecken, als ob sie die Aufmerksamkeit von Hoffmann ablenken sollen. Jntereffant ist dabei nur, daß der nunmehr Verdächtigte ein ch r i st l i ch e r Lehrer ist, da die Antisemiten in der Provinz Westpreußen keinen jüdischen Schächter mehr finden, den sie beschuldigen können. Ich lasse die neuesten Anzeigen der famosen Staatsbürgerzeitung dem Wortlaute nach folgen, mag sie die Richtigkeit ihrer Angaben beweisen. Könitz, 3. Juli. In Nr. 130 des „Konitzer Tageblattes" befindet sich folgende Bekanntmachung: „In der Untersuchungssache wegen der Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter ist es bisher nicht gelungen, zwei sehr wichtige Zeugen zu ermitteln, nämlich zwei junge Leute, anscheinend Gymnasiasten, die am Sonntag, dem 11. März d. I., gegen 2 Uhr Nachmittags sich auf der Danzigerstraße in der Nähe der Mauerstratze bei Winter befunden haben. Einer von ihnen soll eben so groß wie Winter, der andere kleiner gewesen sein und einer einen grünen Hut getragen haben. Eine namhafte Belohnung wird diesen beiden jungen Leuten, wenn sie sich melden, oder demjenigen zugesichert, der ihre Namen angibt. 4. I. 177 00. Könitz, den 5. Juni 1900. Der Erste Staatsanwalt." Auch uns will es scheinen, daß die Ermittelung dieser beiden Personen von eminenter Wichtigkeit für den Fortgang der Untersuchung ist. Jetzt endlich hat es den Anschein, als ob Licht in diese Sache kommen wird. Lasten wir zunächst den Seminaristen Rudolf Plath aus Löbau, Westpr., gegenwärtig auf Ferien in Könitz, sprechen. Herr Plath war ein früherer Schulkollege des Ermordeten und damals zur Zeit des Mordes nach erfolgter Absolvierung seiner Aufnahmeprüfung zur Erholung und zum Besuch seines hier wohnhaften Bruders in Könitz anwesend. Der Seminarist Plath sagte unserem Spezialberichterstatter am heutigen Tage: Sonntag, den 11. März, kurz nach Schluß der Kirche, also gegen 11'/-.. Uhr, traf ich mit meinem Freunde Winter auf dem Marktplatze zusammen und wir schlenderten dann kurze Zeit auf dem Trottoir zwischen Kaufmann Jeleniewski und Schneidermeister Plath (am Bäckermeister Lange'schen Hause vorbei) plaudernd einher. Wir verabredeten einen kleinen Spaziergang nach dem Esten. Beim Verabschieden sagte mir Winter am Lange'schen Hause. „Na, wir sehen uns ja dann noch!" Diese Aeußerung des Ermordeten deckt sich genau mit der Wahrnehmung des Dienstmädchens, welches bei dem im Lange'schen Hause wohnhaften Fräulein Friedrich in Stellung ist. Auch der Zeitpunkt stimmt vollkommen überein. Herr Plath fährt fort: Nachmittags, kurz vor Ladenschluß, also gegen 1% Uhr, ging ich mit meiner Schwester, vm Markte kommend, die ziemlich belebte Danzigerstraße entlang. In der Nähe des Jaczinskischen Hauses holten wir den in Begleitung zweier anderen jungen Leute einhergehenden Ernst Winter ein, den ich aber im Straßengewühle vorher nicht bemerkt hatte. Während ich den Winter ansprach, gingen besten Begleiter (der eine war klein und untersetzt und trug einen grünen Hut, der andere war größer, aber nicht so groß wie Winter), ohne uns weitere Beachtung zu schenken, ihres Weges nach dem Denkmalsplatze zu. In dem flüchtigen Gespräch mit Winter, er wollte offenbar seine beiden Begleiter nicht aus dem Auge lasten, sagte derselbe: „Na, kommst Du jetzt mit herauf nach dem Bahnhof zu?" Daraus erwiederte ich: „Nein, ich habe noch das Geschenk für meine Mutter fertig zu machen." Winter entgegnete: „Na, gut, lange habe ich auch nicht Zeit" und eilte weiter, während ich nach meiner Wohnung zu ging. Genau habe ich die beiden Begleiter des Winter (ich meine ihre Gesichtszüge) nicht ansehen können, da ich nur ihre Rückenseite wahrgenommen hatte; es können sogar Bekannte von mir gewesen sein. Ausgeschlossen ist es auch nicht, daß der eine (der größere) der Lehrer R. und der andere (der kleinere) der frühere Tertianer P., die ich von der Schule her kenne, gewesen sind. Genau mein Augenmerk auf diese beiden jungen Leute zu richten, dazu lag damals für mich ja natürlich kein Interesse vor. Soweit Herr Seminarist Plath. Im engen Zusammenhänge hiermit scheint die nachstehende Angelegenheit zu sein: Der noch sehr jugendliche Lehrer Rzegula, ein Bekannter und Schulfreund Winter's, aus Malachin bei Czersk, hat zu einem älteren Collegen in Czersk einige Zeit nach dem Morde gesprächsweise die Aeußerung gethan: „Ich habe ja Winter am Mordtage noch kurz vor 2 Uhr in der Danzigerstraße gesehen; Winter sagte damals zu mir:

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