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Der Israelit · 1900-07-09 · Heft 55 (9.7.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 55 (9.7.1900)
Date
1900-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4U Jahrgang. M 55. Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. in Utain}. 'Montag, den 9, Juli 5660 (1900). Leitender Artikel. $15 SilfMrk fiir imfcrf o!tniri)|iäifdif!i IHriiüfr. Versammlung der Telegirten der jüdischen (Gemeinden dee< (aroftlierzogthnmü Hessen. Mainz, 8. Juli. Dem von dem Vorsitzenden des provisorischen Komitees zur Unterstützung der nothleidenden osteuropäischen Juden, Herrn Commerzienrath Martin M aper, an sämmtliche Gemeinden des Großherzogthums Hessen gerichtete Ersuchen, daß sie sich durch Delegirte an einer stattzuhabenden Versammlung betheiligen möchten, wurde in reichstem Maße entsprochen. Auf der auf heute Vormittag 11 Uhr im Saale des israelitischen Krankenvereins anberaumten Versammlung waren ungefähr dreißig Delegirte der genannten Gemeinden erschienen. Mit den Mitgliedern des Mainzer Comitees, das sich durch Cooptation noch bedeutend vergrößert hat, mochten ungefähr 60 bis 70 Personen anwesend sein. Herr Mayer eröffnete die Sitzung mit den üblichen Begrüßungsworten. Er stellte der Versammlung Herrn L. Schiff, Mitglied des gleiche Ziele verfolgenden Frankfurter Comitees vor, indem er den Genannten bat, Einiges über die Erfahrungen und Pläne der Eollegen in der Nachbarschaft zu berichten. Herr Schiff begann seine Rede zunächst damit, daß er der vielfach irrig verbreiteten Meinung entgegenzutreten suchte, als beabsichtige das Frankfurter Comitee die hessischen Gemeinden zu bevormunden. Das sei durchaus nicht der Fall. Die Hauptsache sei, daß gegeben würde, durch welche Kanäle die Gaben flössen, sei an sich ganz gleichgiltig. Er wolle sich sehr freuen, wenn die hessischen Gemeinden das gute Beispiel von Offenbach nachahmten, das einige Stunden nach der Aufforderung von Frankfurt den für die kleine Gemeinde verhältnißmäßig großen Betrag von Mk. 6000 übersandte. Redner schilderte nun in ausführlicher Weise die Unterredung, die er und noch einige süddeutsche Glaubensgenossen mit einigen hochangesehenen rumänisch-jüdischen Großkaufleuten und Rabbinern hatte und entwarf ein so tiefergreifendes Bild von dem Elend unserer Brüder, daß auch dem Judenthum ganz Fernstehende von der Macht der Thatsachen ergriffen werden mußten. In Frankfurt habe man nun seither einen ganz hübschen Erfolg erzielt. Es seien bis jetzt ungefähr Mk. 160,000 zusammen gekommen. Das erscheine vielleicht den Anwesenden als etwas Großes, es sei aber leider nur eine kleine Summe, wenn man bedenke, daß hiervon bereits in wenigen Tagen Mk. 70,000 ausgegeben worden seien und daß wir darauf gefaßt sein müßten, auf Jahre hinaus helfend einzuspringen. Es genüge hier nicht, den Mund aufzuthun, man müsse auch den Beutel und zwar recht weit aufthun. Wenn der Amerikaner über irgend ein Unglück, das seine Mitmenschen betroffen, sein Bedauern äußere, so frage man ihn gewöhnlich: „Hovv mudi are vou sorry?“ „Mit wie viel sind Sie traurig?", so müßten auch die Mitglieder der Einzelkomitees überall, wo sie das Mitleid rege fänden, die Gelegenheit benutzen, zu Gaben anzuspornen. Das Weiterbefördern der Unglücklichen durch die deutschen Städte sei die kleinste Arbeit, denn die Mittel hierfür seien nicht bedeutend. In Frankfurt habe man von da bis zum Hafen für einige hundert Personen Mk. 12 bis 16 bezahlt. Aber damit habe man sich in Frankfurt nicht begnügt, man habe vielmehr für diese Leute der Alliance in Paris Frs. 26,000 für die Ueberfahrt zur Verfügung gestellt und weitere Frs. 20,000 der genannten Gesellschaft gegeben, um die Leute auch im Lande zu halten, damit dort für das Nöthigste gesorgt

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