Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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empfehlet es den Lehrern Eurer Sprengel! sie werden in ihren ländlichen Kreisen für sich und Andere stete Anregung und Berufsfreudigkeit daraus schöpfen. Ihr Mäcene, verbreitet das Buch in den unbemittelten Schichten, stellet es zur Verfügung Schülern und Bibliotheken, Heranwachsenden Jünglingen und denkenden Familienvätern! Ihr werdet dadurch unserer heiligen Emunoh einen wesentlichen Dienst leisten und werdet vielleicht den Herrn Verfasser dadurch veranlassen, diesem ersten Band recht bald einen weiteren folgen zu lassen, für welchen — ich bin Mitglied des Vereins für Sprachreinigung und meine, solchem wird der Herr Verfasser diese kleine Ausstellung nicht verübeln — ich noch größere Sparsamkeit im Gebrauche von Fremdwörtern empfehlen möchte. Damit sind nicht hebräische Ausdrücke und Sätze gemeint, obschon diese für gar viele Junge und Erwachsene die unverständlichsten Fremdwörter sind, sondern solche, wie das selbst auf dem Titel prangende „Essays," das ich erst recht lieber durch ein entsprechendes deutsches Wort ersetzt gesehen hätte. Die vielen Fremdwörter sind auch dem allge-- meinen Verständniß von Hirsch's Werken nicht wenig hinderlich. Jener Meister des Wortes in: hätte sicherlich unschwer durchweg gute deutsche Ausdrücke gefunden und dadurch denen, die seine Schriften ständig zu erklären suchen, manche langathmige Auseinandersetzung erspart. Die großen Geister haben eben gar keinen Begriff, wie beschränkt die kleineren sind. Sie dürfen diesen das Verständniß durch Fremdwörter nicht unn'öthig erschweren. Dr. C. Justice to the Jew. The Story of What he has done for the World. By Madison Peters, Pastor Bloomingdale Church. New York, Xeely. 1899, Der Verfasser ergeht sich nicht in Lobpreisungen des israelitischen Volkes, sondern ist überall bestrebt, eine rein sachliche Darstellung der Leistungen und eine ruhig besonnene Würdigung der Verdienste desselben zu geben. Dabei richtet er sein Augenmerk ganz besonders auf die Beziehungen der Juden zur neuen Welt und ihren Antheil an der dortigen Kulturentwickelung. Die Tradition, welche die Königin Jsabella von Castilien ihre Juwelen verpfänden läßt, um Columbus bei der Ausrüstung seiner Schiffe zu unterstützen, verweist Herr'Peters in den Bereich der Fabel, wie es auch Dr. Kayserling und andere Geschichtsforscher bereits gethan haben. Er behauptet, daß zwei Juden, Louis de Santangel und Gabriel Sanchez, das Geld für die Caravellen vorgeschossen haben. Juden waren der Superrargo, ebenfalls mit Namen Sanchez, der Schiffsarzt, die Zeichner seiner See- und Himmelskarten, sowie die Matrosen Rodrigo de Triana, der das Land zuerst erblickte, und Louis de Torfes, der es zuerst betrat. Wenn diese Angaben alle richtig sind, so beweisen sie, daß die Juden sich für die große Entdeckungsfahrt lebhaft interessirten und an den Erfolg derselben fest glaubten. Nach den von der „Ameritan Jewish Historial Society" angestellten Forschungen, auf welche Herr Peters sich beruft, begannen die Juden frühzeitig sich in Südamerika und den Antillen anzusiedeln, aber durch spanische und portugiesische Verfolgungen wurden sie veranlaßt, um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts nach den nordamerikanischen Kolonien auszuwandern. Sie ließen sich zumeist in Neu-Amsterdam (wie Newyork damals hieß) nieder. Den Vorsteher und Verwalter der Kolonie, Stuyvefant, nahm sie zwar nicht sehr freundlich auf, aber bald wurden die gegen sie bestehenden Vorurtheile überwunden; sie gewannen die Achtung ihrer Mitbürger und trugen wesentlich zum Gedeihen der Niederlassung und zur Förderung der Handelsinteressen bei. In der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts eröffnete dort ein Jude, Heyman Levy, ein Pelzgeschäft und hatte in seinem Dienste einen jungen Deutschen aus Baden, Namens Joachim Jacob Astor, der das Pelzwerk lüftete und ausklopfte und für diese Arbeiten einen Tageslohn von einem Dollar erhielt. Später trat dieser Arbeiter selbstständig auf, gründete eine Pelzhandelsgesellschaft in dem nach ihm Astoria genannten Ort an der Mündung des Columbiaflusses in Oregon und hinterließ bei seinem 1848 erfolgten Tode ein Vermögen von zwanzig Millionen Dollars. Mehr als ein Vierteljahrhundert vor der Ankunft von William Penn, nämlich im Jahre 1656, langten jüdische Ansiedler, größtentheils aus Südamerika, auch in Pennsylvanien an, wo sie eine ziemlich bedeutende Rolle spielten. Es war auch ein Jude in Phlidelphia, Haym Salomon, der zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges dem sich in argen Geldverlegenheiten befindenden Staatenbunde durch ein Darlehen von 700 000 Dollars aus der Noth Hali; leider ist diese beträchtliche Summe bis auf den heutigen Tag nicht zurückbezahlt worden. Im Staat Rhode- Jsland, wo Roger Williams die unbedingte Religionsfreiheit zur Grundlage der Staatsverfassung gemacht hatte, siedelten sich die gegen jede Art Verfolgung und Zurücksetzung sichergestellten Juden verhältnißmäßig zahlreich an, und ihrem Unternehmungsgeist verdankte der Seehafen Newport die ziemlich große kommerzielle Bedeutung, die er damals erlangte. In seiner Schrift hat Dr. Peters ein bisher wenig erforschtes Gebiet der Kulturgeschichte zum Gegenstand seiner Untersuchungen gemacht und viele interessante Thatsachen ans Licht gebracht, welche zur Widerlegung der geflissentlichen Verleumdungen der antisemitischen Eiferer und Volksaufwiegler und damit zur Steuer der Wahrheit und Gerechtigkeit dienen werden. Es ist auch erfreulich, daß ein Christ und Geistlicher diese Aufgabe übernoinmen und in einer so vorzüglichen und ganz vorurtheilsfreien Weise gelöst hat. (Nation.)