Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 54 (5.7.1900)
- Date
- 1900-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1107 lichen Schulen am Sabbat erscheinen und schreiben muffen, und er hat damit allerdings erreicht, daß ein großer Theil der jüdischen Eltern ihre Kinder aus diesen Schulen herausgenommen hat. Personalien. Ellze i. H., 2. Juli. In der ersten Nacht des Schobuoth-Festes verstarb hier plötzlich Herr Samuel W o l s e s im 80. Lebensjahre, nach einem glücklichen Leben voller Arbeit und guten Thaten. Der Verstorbene zeichnete sich durch hervorragende edle Charakter- Eigenschaften aus. und war nicht allein in den weitesten Kreisen seiner Glaubensgenossen hochgeachtet, geliebt und geschätzt, sondern bei allen Mitmenschen, die ihn kannten und mit ihm in Berührung kamen, eine ganz besonders beliebte und und hochgeachtete Persönlichkeit. Wer ihn kannte, dessen Freund war er, und ihm waren alle Menschen Freund. In den weitesten Kreisen, sowohl in der Provinz Hannover, als weit über die Grenzen hinaus, war der Verblichene als Mohel bekannt. Volle 62 Jahre übte er mit einem unbeschreiblichen Eifer und mit einer Qpferwilligkeit ohne Gleichen die Mitzwas Miloh aus. Vor zwei Jahren hatte der Verstorbene die Freude, sein 6Ojähriges Jubiläum als Mohel zu feiern, bei welcher Gelegenheit es natürlich an zahlreichen Ovationen von Nah und Fern nicht fehlte, doch eine ganz besondere Freude wurde ihm dadurch zu Theil, daß viele seiner Freunde und Verehrer eine Sammlung veranstalteten, um mit dem Ertragniß derselben seinen Namen dadurch zu verewigen, daß man eine „Samuel Wolfes-Stistung" in's Leben rief, welche den edlen Zweck verfolgt, armen Wöchnerinnen Unterstützung zu gewähren. Auch das Amt eines Vorstehers der hiesigen jüdischen Gemeinde verwaltete der Verblichene 60 volle Jahre mit aufopfernder Thätigkeit, er sorgte stets dafür, daß in der kleinen Gemeinde wenigstens jeden Sabbat und Feiertags Gottesdienst stattfand, und hat stets in all den Jahren selbst als Kore und Bal Tefilloh fungirt, noch am letzten Abend vor seinem Tode, am ersten Abend Schobuoth, war es ihm noch vergönnt, das Gebet vorzutragen. Und wie der Verstorbene sich bei seinen Glaubensgenossen einen großen, unsterblichen Namen erworben, so hak er es auch im Verkehr mit der Welt verstanden, sich einen ausgezeichneten Ruf überall zu erringen, und durch sein rastloses Streben und seine strenge Reellität und Biederkeit ist es ihm mit göttlicher Hülfe gelungen, das von ihm vor 60 Jahren begründete Getreide- und Bankgeschäft zu einem der bedeutendsten der Branche in der Provinz zu gestalten. Von Nah und Fern war denn auch ein sehr großer Kreis von Verwandten, Freunden und Anhängern des Verstorbenen erschienen, um demselben die letzte Ehre zu erlveisen, und ein außerordentlich großes Trauergefolge wurde dem Heimgegangenen auf seinem letzten Wege zu Theil. Auch die Herren Rabbiner Dr. Lewinsky und Dr. Gronemann aus Hildesheim und Hannover waren gekommen, um ihrem theuren verstorbenen Freunde in tiefergreisenden Worten ihren Nachruf zu widmen und ihm am Grabe noch Worte des Abschiedes zuzurufen. rrssHn. Snlzlmrg i. B., 4. Juli. Heute starb dahier in hohem Alter Herr Leopold Kahn, Vater des Herrn Rabbiner Dr. Kahn- Wiesbaden. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag 2 Uhr statt. Ausführlicher Nachruf folgt. Letzte Nachrichten. Mainz, 4. Juli. Heute früh kamen in Kastel wieder 114 jüdische Auswanderer aus Rumänien hier an. Dieselben wurden von Mitgliedern des hiesigen Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels in Empfang genommen, verköstigt, mit Wegzehrung versehen und auf die Schiffe nach Rotterdam verbracht. Heute Abend 6 Uhr trafen dieselben, wie uns ein Telegramm meldet, bereits in Köln ein, wo sie nach abermaliger Bewirthung um 9 Uhr nach Rotterdam weiter fuhren. DZien^ 3. Juli. (Der Herr von Wien.) Der Gemeinderath hat mit 149 gegen 19 Stimmen dem Bürgermeister Dr. Lueger das Ehrenbürgerrecht verlieben. Die oppositionellen Gemeinderathsmitglieder haben diese rleriral-antisemitische Selbstverhimmelung in längeren Reden scharf gegeißelt. Arag«last«n. Mer von den geehrten Lesern des ..Israelit" kann mir mittbeilen ob Jute, den die Schneider zu Watiirnng verwenden. Leinen ist. Es handelt sich mn den MM itwn. Herz, Lehrer. Woffertrüdingen. Nach dein Lerikon ist Jute die Bastfaser von Oorchoriis capsnlaris L. u. oiitorius L. Red. Briefkasten der Redaction. Wir haben in voriger Nummer unseres Blattes auf eine Anfrage die Mittheilungen eines Fachmannes über die Herstellungsart von Eakes wiedergegeben. Von einer Seite, die große Erfahrung in Bezug auf diese Backwaare hat. wird uns nunmehr versichert, daß wobl neunundneunzig Prozent aller seither hergestellten Eakes entschieden trefah seien Nicht nur die Formen würden geschmiert sondern die Masse selbst enthalte fast ausnahmslos animalische Stoffe. in sehr vielen Fällen Hammel- oder Schweinefett. Nach diesen neueren nnd zuverlässigeren Informationen, sind nunmehr alle nicht unter jüdischer Aufsicht hergestellten Eakes zu verbieten. Briefkasten der Expedition. Aus Holland ging uns per Postanweisung Mk. 4. zu. Der Absender, Herr A. Niwlin, Tulustraat 9, hat vergessen, die Stadt anzugeben und wirb derselbe hierdurch gebeten, uns seinen Wohnort gell, mitzutheilen. A. T. in 31.: Mk. S.— dankend erhalten.