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Der Israelit · 1900-07-05 · Heft 54 (5.7.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 54 (5.7.1900)
Date
1900-07-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1106 Kantor das El mole rachamim in der Synagoge gesprochen. Im Anschluß an das Wort des laufenden Abschnittes „und es sah die Gemeinde, daß Ahron verschieden u. s. w.", suchte Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Lev in unter treffender Auslegung von Midraschim und Talmudstellen nochmals den unersetzlichen Verlust des unvergeßlichen Dr. Hildesheimer zu schildern. „Nicht aber soll", so fuhr dann der Redner ungefähr fort, „der Tod dieses Gerechten festgehalten werden, vielmehr sein Leben." Auch von seinem Lehrstabe gilt, daß er blühte und knospete und Mandeln reiste. Der Mandelbanm, als ein Bild ewiger Thäiigkeit, kann jedem Gesetzeslehrer Symbol sein, dafür Sorge za. tragen, daß zu keiner Zeit die Früchte seines Wirkens zu Grunde gehen. Hat auch R. Esriel seinen Lehrstab aus den Händen gelegt — er trägt doch Früchte, wenn ihn »nieder aufnehmen alle Diejenigen, denen er im Leben Pfadweiser gewesen." Alsdann »vurde die Gründung eines Esriel-Vereins angeregt, dem vor allein die Pflege des Thorastudiuins in der Gemeinde zur Aufgabe sein soll. Der Name des erhabenen Meisters der Thora »vird allen voranleuchten, zum Eifer anspornen und begeistern, der Verein selbst der schönste Baustein zu einem seiner Größe und Heiligkeit »vürdigen Denkmale. Diese lvarinen Worte zündeten in den Herzen der Zuhörer und »vurde sogleich auch zum ewigen Gedächtnisse des R. Dr. Hildesheimer der Talmud Tauro-Berein Esriel begründet. H. Wolfs, Lehrer. Mnslowist. (Der „R i t u a l m o r d" von Oswiencim.) Anfangs April d. I. verschtvand die bei dem Heuhändler Jacob Groß in Oswiencim in Diensten stehende zwanzigjährige Dienstmagd Anna Bronislawa Grzesniak. Dieselbe hatte ihren Lohn für zwei Monate nicht erhoben. Das Berschlvinden des Mädchens erregte seiner Zeit in Oswiencim großes Aussehen, und da es kurz vor Ostern war, entstand alsbald das Gerücht von einem Ritualmord, den man der jüdischen Bevölkerung von Oswiencim in die Schuhe schob. Es fanden sich alsbald Leute, welche gesehen haben »vollten, daß das Mädchen nach dem jüdischen Friedhofe gebracht, dort geschlachtet und dann beerdigt worden sei. Die von der österreichischen Behörde eingeleiteten Ernnttelungen verliefen resultatlos. Im Mai hat auf Ersuchen der Oswiencimer Polizei die hiesige Polizei den Polizeisergeanten Halemba, der sich bei schwierigen Ermittelungen schon »oiederholt betvährt hat, beauftragt, nach der verschwundenen Grzesniak zu forschen. Kürzlich gelang es ihm, in Gemeinschaft mit dem Gendarmen Stachetzki, die Vermißte auf dem Boden der Witttve Cziga in Jast zu ermitteln. Sie unterhielt angeblich dort »nit einem übel beleumdeten Manne ein unerlaubtes Berhältniß. Der Jubel der Bevölkerung von Oswiencim über die gelungene Erinittelung ist groß, man wußte nicht, wie man dem Criminalbeamten, der die Grzesniak nach Ostviencim zurückbrachte, danken sollte. , O e st e r r.- U u g a r. M o n a r ch i e.! Wien, 28. Juni. (Di e P o l n a e r A f f a i r e.)! Vor einem Senate unter dem Vorsitze des Vicepräsiden- 1 ten Hofrathes Dr. Ritter von Holzinger hatte sich dieser - Tage der veranttvortliche Redacteur der „Ostdeutschen! 'Rundschau," Ed. Gerstgrasser, »vegen Vergehens nach! Artikel 8 der St.-G.-R. zu verantworten. Die An-! klage »vurde erhoben, »veil am 12. Septeinber v. I., das j iit an dein Tage, an »velchem der Prozeß gegen Leopold j Hilsner begann, in dem genannten Blatte ein Artikel! erscheinen, in »velchem die Kraft der im Prozesse vorzu-! führenden Beweise getvürdigt, der Mord als Ritualj mord bezeichnet und bereits Verinuthungen über den > Ausgang des Prozesses angestellt »vurden, lvovurch die! öffentliche Meinung beeinflußt »vurde. i Der Vertreter der Anklage, Oberlandesgerichtsj rath Dr. Bobies, verivies darauf, daß der ganze Artikel fo angelegt »var, daß das Lesepublikuin geradezu dahin gebracht »vurde, anzunehmen, es könne nichts anderes vorliegen, als ein ritueller Mord. Es sei ihm bekannt, daß ähnliche Artikel nicht confiscirt wurven; das habe jede Staatsanwaltschaft mit sich auszumachen, die Wiener Staatsanwaltschaft halte es jedoch für ihre Pflicht, alle diese Fälle der Judicatur der Gerichte in Wien zu unterbreiten. Der Gerichtshof fand den Angeklagten in» vollen Sinne schuldig unv verurtheilte ihn zu 200 Kronen Geldstrafe, eventuell zu 20 Tagen Arrest. Rußland. Petersburg. Fräulein Kohen in Odessa hat zur Feier ihrer Großjährigkeit 20,000 Rubel zum Bau von Arbeiterhäufern gegeben. Sie setzt damit das Werk ihres verstorbenen Vaters fort, der eine größere 'Anzahl dieser Häuser hat errichten lassen, und testa- »nentarisch 100,000 Rubel für diesen Ztveck hinterlassen hat. Die Ein»vohner in diesen Häusern genießen außer der freien Wohnung auch noch freie ärztliche Behandlung, gratis Medicin, soivie die Vortheile eines Darlehnsfonds. — Ein christlicher Edelmann Lipinski hat der jüdischen Ge»neinde in Taganrog 60,000 Rubel gesandt, deren Zinsen zu»n Besten armer Leute verwendet Iverden sollen. — Die Chassidim, die sich dem Rebbe von Tscherkoff angeschlossen haben, planen einen großen Pilgerzug in das heilige Land. Bereits ist einer von ihnen, ein Herr A. Goldenbach, nach der Stadt ihrer Sehnsucht, nach Jerusalem gereist, um alles zum Empfang des Rebbe vorzubereiten. Wie es heißt, handelt es sich um eine Massenpilgerfahrt. — Das Rigaer Komitee zur Bekämpfung des Wanderbettels hatte eine Einnahme von 46,620 Rubel und eine Ausgabe von 46,562 Rubel. Mit dieser Summe »vurden ca. 6800 Personen unterstützt. — Im Gouvernement Kiew wendet der dortige Schulinspektor eine neue Maßregel an, um die Kinder aus den öffentlichen Schulen fernzuhalten. Er hat angeordnet, daß auch die jüd. Kinder in den öffent-

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