Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 54 (5.7.1900)
- Date
- 1900-07-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1104 berg in den Englischen Hof gegangen ist. Das hat die Jungen alle ungeheuer interessirt, ganz genau wollten sie wissen, wie er ausgesehen. Ich habe gesagt: groß, schlank und blond. „Hat er auch einen Bart?" hat Viktor Jansen gefragt. „Einen kleinen Backenbart," habe ich gesagt. „Cottelets nennt man's, glaube ich." „Was für Hosen hat er?" fragte Franz Schmidt. „Hellgraue," habe ich gesagt." „Und war für einen Rock?" „Einen braunen," sagte ich. „Hat er einen Cylinder oder einen anderen Hut?" hat wieder Peter Maffing gefragt. „Einen weißen Strohhut. Aber jetzt laßt mich schon in Ruhe, mehr weiß ich ganz gewiß nicht." Und da haben wir die ganze Zeit von nichts anderm gesprochen und wir haben uns alle sehr gut dabei unteA)alten. Und dann haben wir gespielt, und wie es a^ efangen hat, dunkel zu werden, da haben wir na ' ause gehen wollen, sind aber alle zusammen noch ein ar Minuten vor Massings Haus gestanden. Auf einmal läuft ein Mann an uns vorüber. „Herr Gott!" sch 't Franz Schmidt, „das ist gewiß der Brillantendieb, der will zum Bahnhof laufen." „Ja, ja," schreien die andern, „das ist sicherlich der Dieb, er ist ja groß und blond und hat einen Cottelettesbart und weißen Hut und graue Hosen, einen braunen Rock hat er auch. „Haltet den Dieb!" schreien sie dann alle miteinander, „den Brillantendieb!" und rennen dem Manne nach und ganz viele Leute sind noch dazu gekommen, und alle sind ihm nachgelaufen, nur ich bin zurückgeblieben und habe nicht gewußt, wo ich mich vor Lachen lassen soll, wie ich die Jungen da angeführt habe. Aber auf einmal ist mir Angst geworden — so schrecklich Angst — wenn der Papa das erfahren würde —" „Großer Gott! — Kind, was hast Du gethan! — Aber Du hast es ihnen doch gleich gesagt, daß Du sie nur geneckt hast?" „Rein, das habe ich nicht," sagte Henry kleinlaut, „und ich möchte es ihnen auch gar nicht sagen." „Du mußt Kind, Du mußt! — Wenn sie nun den Mann festhalten —" „O nein," versicherte Henry, „das haben sie nicht können, „er war ja schon weit voraus." Elsa athmete erleichtert auf. „Weißt Du das ganz gewiß?" „Ganz gewiß, Mama." „Wenn Du das ganz gewiß weist, dann können wir die Sache auf sich beruhen lassen. Aber Henry, Henry, Du hast sehr, sehr unrecht gethan! — Bedenke nur, wenn durch Deine Schuld ein Unschuldiger arretirt worden wäre! Und wenn der Papa das erfährt — daran mag ich gar nicht denken —" „Ich auch nicht," sagte Henry, indem er sich fester an sie sckmiegte, „aber glaube es mir, liebe Mama, ich werde nie, nie wieder ein unwahres Wort aussprechen." „Das gebe der Himmel. Aber nun komme hinein, Du mußt bald in's Bett, damit Du morgen rechtzeitig aufstehen kannst." „Ja, ja," rief Henry freudig, „ich habe schon gar nicht mehr daran gedacht, da werde ich morgen den ganzen Tag nicht hier sein." „Freilich nicht, um Sieben mußt Du drüben sein, da mußt Du spätestens um halb Sechs aufstehen. Darum lege Dich nieder, Kind." „Ja, ja, Mama, ich werde mich sofort niederlegen und werde mich bemühen, rasch einzuschlafen." Er fuhr sich mit der Hand über die Stirne und athmete schwer auf. „Gute Nacht, mein Kind! Schlafe recht wohl und nimm Dir's nur recht fest vor, nie wieder, auch nicht im Scherz, eine Unwahrheit zu sagen." „Ich werde es gewiß nie wieder thun. — Gute Nacht, liebe Mama." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Ufontags und Donneratags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Der Buchhandel verkehrt dnrrh D. ff. Steinaist er, Leipzig. Notzplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für s Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 6863. Telephon 315. «ine Rücksendung der an die Sledacrion eingesandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von alle« Einsendungen eine Copie rnrückznbeh alten Siellenfuchende erhalten auf Wunsch die Jnferaten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco zngefandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des AnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt). Leitender Artikel: Das Verbrennen von Leichen vom Standpunkte des Judeuthums gewürdigt. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Aus Rorddeutschland. Aus der Provinz Hannover. Schlochau. Schlawe. Cassel. München. Oesterr.-Ung. Monarchie. Wien. Italien: Rom. Frankreich: Paris. Rumänien: Bukarest. — Personalien. — Vermischtes. — Feuilleton: Elsa. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Wreschen. MySlowitz. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Rußland: Petersburg. — Personalien. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Köln. Osterr.-Ung. Monarchie: Wien. Prag. Palästina: Safed. Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.