Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 53 (2.7.1900)
- Date
- 1900-07-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1091 Jehudim, die für die kleine Anzahl Söhne die Bürgerschule krampfhaft über Waffer halten, ihre Töchter überhaupt in eine solche Schule schicken, denn ein solch jüdischer Herr Direktor kann zarten Mädchen ein sehr schlechtes religiöses Beispiel geben, ihr Gemüth unheilvoll beeinflussen. Noch inehr wird man jedoch staunen, wenn man erfährt, daß der Herr Direktor in höchst eigener Person den Religionsunterricht ertheilt. Von welcher Qualität dieser sein!vird, das mag sich Jeder selbst ansmalen. (5s diirste wohl iveit und breit nicht mehr der Fall existiren, daß ein Mann, der die Religionsgesetze fortgesetzt öffentlich und wissentlich verletzt, Kindern orthodoxer Eltern Religionsunterricht gibt, und zwar während der ganzen Jugendzeit; denn schon im frühen Alter iverden sie dieser Belehrung anvertraut, und fast teines dieser Kinder genießt noch eine andere religiöse Bildung. In dieser Werfe wächst »rauche Tochter unserer Fiirther frommen Jehudim aus. Uebrigens glaube ich, daß dem Herrn Direktor von der Behörde untersagt iverden kann, religiösen Unterricht zu ertheilen, und es dürfte Sache des hochwürdigen Rabbinats fein, hier Remednr zu schaffen. Unsere Bürgerschule zu erhalten, ist uns bis jetzt gut gelungen und auch jetzt lvieder hat sich eine Anzahl von Schülern der Anstrittspriisnng unterzogen. Wie in allen früheren Jahren, werden auch diesmal die Absolventen die Prüfung mit gutem Resultate bestehen. Möge die Schule auch fernerhin erfolgreich wirken. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. '■hMen, tut Sivan. Ern Jahr ist verstricheil, seit in diesen Blättern über die beabsichtigte Gründung einer „Vereinigung zur Förderung der Interessen des orthodoxen Judenthums" in unserer Stadt berichtet wurde und erstaunt fragt man sich hier, weßhalb die mit Erlat begonnene Bewegung resultatlos verlausen ist. — lieber die Nothwendigkeit einer solchen Schöpfung sind die jüdischen Kreise nicht im Zweifel. Die Männer, die die Angelegenheit in die Hand nahmen, sind erprobt und dennoch? Man vermuthet rvohl, daß das Projekt bei dem Rabbinate und Vorstände der Eultusgemeinde aus entschiedenen Widerstand gestoßen sei, aber „nichts Bestimmtes weiß man nicht," wie der Wiener sagt. Sollte dieser Widerstand wirklich vorhanden sein, so muß er zu überwinden, nöthigensalls zu brechen sein. Am meisten wird der Anreger der Gründung und Obmann des Comitees, Herr Bernhard Hofbauer, verurtheilt, der sich, trotz seiner tadellosen Religiosität, stets mit Rabbinat und Vorstand aus guten Fuß gestellt hat und dem man vortvirst, daß er die Orthodoxie verhindert, ihr ztveiselloseS Recht, wenn nöthig im Wege des Kampfes, zu suchen. In der Wiener jüdischen Journalistik ist die religiöse Richtung nicht vertreten, die Blätter anderer Richtung interessiren sich aber für derlei Fragen nicht. Die Bereinigung der in zahllosen Bethäusern und Vereinen zersplitterten Kräfte in einen Centralpunkt ist dringend, I soll das jüdische Leben erstarken, ja auch nur nicht zurückgehen. Wir hoffen, daß unser Mahnruf die interessirten Kreise anspannen wird, die Lösung der gestellten Aufgabe zu erwirken, resp. zu erzwingen. Prag. (Auch ein Opfer der Polnaer Af faire.) Wie noch erinnerlich sein dürfte, wurde der Handlungsgehiilfe Ignatz Beran von antisemitischer Seite mit in die Polnaer Mordaffaire hereingezerrt. Die eingeleitete llntersuchung ergab die völlige Grundlosigkeit dieser Anschuldigung. Hierdurch konnte es aber nicht mehr ungeschehen gemacht werben, daß Ignatz Beran hier in Folge jener Verdächtigungen seinen Posten verlor und brodlos blieb. Wo immer er anklopfte, verzichtete man auf die Dienste des berüchtigten Beran. Zu all dem gesellte sich bei dem unglücklichen jungen Manne noch ein schweres Magenleiden, an dem er über vier Monate im hiesigen allgemeinen Krankenhause laborirte, ohne als geheilt entlassen worden zu sein. Ignatz Beran befindet sich in der bittersten Rothlage. Gegenwärtig ivohnt er in Prag, Jofephstädtergasse Nr. Kch bei Frau Anna Zeleny. Erwähnt sei noch, daß während des Prozesses gegen Leop. Hilsner in Kuttenberg die Unschuld Berans in jeder Beziehung eelatant zu Tage trat. WNheilNzen aus den W. ArmumeiM und für dieselben. (Sümmtttche jüb. Wanderbettelvereine und «affen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die ffe auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zukommen zu taffen.) Insterburg, 1. Juli. (Warnung.) Seit einigen Monaten reist ein polnischer Mann, der sich als Rabbiner Salomon Schpiro aus Radszilowo in Polen ausgibt, in Deutschland umher und bittet behufs Verheirathung seiner Tochter um Unterstützung. Schpiro besitzt Atteste namhafter Rabbiner, die seine Angaben bestätigen. Nach eingezogener zuverlässiger Erkundigung ist sestgestellt worden, daß besagter Schpiro zwar ein rrn, jedoch ein gefährlicher Schwindler und Betrüger ist, und daß seine Atteste gefälscht bezw. erschlvindelt sind. Schpiro ist ungefähr 40 Jahre alt, von kleiner Statur, schwarzem Haupt- und Barthaar, hat eine sehr schnelle, schwer verständliche Sprache und trägt ein angeblich von ihm verfaßtes Werk in Manuskript bei sich. Es wird dringend gebeten, die Atteste dem Schpiro abzunehmen und sie an das hiesige Rabbinat oder an den Unterzeichneten gesl. einzusenden. B. P e s f e n , Cantor.