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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41. Jahrgang. ErAe MUage M M 50 Des „Israelit“. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 18. Juni. Die unter dein Protektorate der Kaiserin Friedrich stehenden Barnch Auerbach'schen rilliisen-Ecziehungs Anstalten bieten nach ihrem eben erschienenen 67. Jahresbericht in ihrem neuen Heim an der Schönhauser Allee einer um die Hälfte des bisherigen Bestandes erhöhten Zahl von Zöglingen Raum, dach reichen die jährlichen Einnahmen, abgesehen von einer noch zu tilgenden Banschuld von etwa 160,000 Marl, zu einer wesentlichen Erweiterung der ganz ans eigenen Bütteln unterhaltenen Anstalten noch nicht ans, so daß im Ganzen nur erst vier neue Zöglingsstellen geschaffen iverden tonnten. Am Schluß des Berichtsjahres zählte das KnabenwaisenhanS 60, das Mädchemvaisenhaus 28 Zöglinge, die den Unterricht grösttentheils in höheren Schulen genossen. Besonders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangsprüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigicit im Hause. Der iveit reichenden Fürsorge für die entlassenen Zöglinge, welche besonders lvirksam bei ihrer Selbstständiginachung oder Berheirathung eint litt, dient eine größere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszivecte unantastbar bleiben. Für die Bestreitung ihrer Bedürfnisse, die einschließlich Gottesdienst, Bureau, bienten, Stipendien und andere Zuschüsse 74,700 Ml. betragen haben, davon zur Verpflegung 17,960 Ml., d. h. für den Kopf und Tag fast 61 Pfennige, find die Anstalten auf die Zinsen ihres Vermögens im Betrage von rund 47,300 Mt., auf 9049 Mt. Jahresbeiträge und auf sonstige Zuwendungen ihrer Freunde und Gönner angetviesen. Berlin. (Verbot einer antisemitischen V e r s a m m l u n g.) „Der Blutmord in Könitz" — mit dieser Ankündigung war vor einigen Tagen eine Versammlung des Wahlvereins der antiseniitischen „deutsch-socialen Neformpartei" in der Tonhalle in Berlin angekündigt. Der Redakteur der „Staatsbürgerzeitung", Dr. Bachler, sollte den Vortrag halten. Wie die „Staatsbürgerzeitung" mittheilte, ist die Abhaltung dieser Versammlung, nachdem die Polizeiliche Genehmigung bereits ertheilt war, in letzter Stunde noch aus Verfügung des Polizeipräsidenten „ans ordnungs- und sicherheitspolizeilichen Gründen gemäß § 10 II. 17 des Allgemeinen Landrechts" untersagt worden. Dieser Paragraph des Allgemeinen Landrechts lautet: „Die nöthigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwehr der dem Publico oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren zu treffen, ist das Amt der Polizei." Frankfurt a. M. Mit diesem Frühjahre beendete die „Israelitische Volksschule dahier das 19. Jahr ihres Bestehens, und wir beehren uns, den Gönnern und Freunden der Anstalt nachfolgenden Bericht zu erstatten. Es ist uns eine angenehme Pflicht, allen Freunden unserer Bestrebungen für das uns im vergangenen Jahre durch Zuwendung von Jahresbeiträgen und Geschenken bethätigte Wohlwollen unseren herzlichsten Dank zu sagen, vor allein auch den Stiftungen, die uns durch Zahlungen von Schulgeldern für unbemittelte Kinder in so wirkungsvoller Weise unterstützten: der „Kasse zur Ermöglichung des Schulbesuches unbemittelter Kinder", der „M. T. Kirchheim'schen Stiftung", der „Louis Maier Maaß'schen Stiftung" und der M. H. Baß'schen Stiftung." Seitens eines edeldenkenden Freundes, des am 20. Juni v. I. Heimgegangenen Herrn Susman Una s. A., wurde uns in letzwilliger Verfügung ein Legat von 1000 Ml bestimmt. Dasselbe wird dem unangreifbaren Kapitalfonds angegliedert und sein Zinserträgniß wird bestimmungsgemäß dazu dienen, das Schulgeld für unbemittelte Kinder zu bestreiten. Ans die Leistungen der Schule können wir auch in diesem Jahre mit Freuden zuriickblicken, und es gereicht uns zur besonderen Genugihuung, dieselben wiederum von den städtischen Schulbehörden anerkannt zu sehen. Allerdings sind auch die pekuniären Anforderungen stets gewachsen, — zu unserer großen Sorge, da wir ohne jede staatliche und städtische Unterstützung, ja ohne irgend einen Zuschuß von seiten der hiesigen israelitischen Geineinden lediglich auf uns selbst angewiesen sind. Unsere diesjährige Jahresrechnung schließt mit einem Defizit von ca. 4000 Mk. und wir müffen daher wiederum an den vielbewährten Wohlthätigkeitssinn und das warme Herz unserer Glaubensgenossen appellieren. Roch eine weitere schwere Arbeit harrt unser. Es bat sich als eine unabweisbare Rothwendigkeit heraus - gestellt, einen Pensionsfonds für unsere Lehrer zu errichten. Ein hochverehrter Gönner unserer Anstalt hat nun in hochherziger Munificenz den Grundstein hierzu gelegt indem er 10,000 Mk. zur Gründung des Pensionsfonds spendete. Seit ihrem Bestehen verfolgt die Israelitische Volksschule — getreu der Bestimmung, zu der ihre iveitschauenden Begründer s. A. sie schufen, unablässig das Ziel, auf der Basis gründlicher Kenntnisse tüchtige Menschen im Sinne des überlieferten Judenthums zu erziehen. Und wie aus nachstehendem Berichte unseres Herrn Rektors zu ersehen, war es uns im vergangenen

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