Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 49 (18.6.1900)
- Date
- 1900-06-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1001 nung (Geschäftsbericht) beizuwohnen, war Berichterstatter verhindert. Am zweiten Konferenztage reserirte Herr Lehrer Ster n— Halberstadt über den ersten Lehrunterricht und die B i b e l f r a g e. Der Referent, ein scharfer Beobachter der Jnzipientenklasse, behandelte sein Thema in klarer, interessanter und erschöpfender Weise. Mit Recht wünscht er, daß mit dem hebräischen Leseunterricht mindestens nicht eher begonnen werde, als bis das Kind im deutschen Leseunterricht soweit fortgeschritten ist, daß es deutsche Worte richtig lautieren kann. Die zum Merken der Laute für das Gedächtniß dem Kinde dargebotenen Hilfen, welche eine gedankliche Verbindung zwischen Lautzeichen und Laut herzustellen bezwecken, zeigten den psychologisch gebildeten und praktisch erfahrenen Schulmann. Als Ergebniß seiner auf Grund der verschiedenen Lese-Lehrmethoden vorgenommenen Prüfung der vorhandenen Fibeln stellt Referent fest, daß die letzt erschienene Fibel von I. Bruchsaler i Rödelheim, Verlag S. Lehrberger u. Co.) am ehesten zum Gebrauche zu empfehlen sei. Im Laufe der Debatte kommt auch das Bedürfniß nach brauchbaren hebr. Lesetafeln zur Sprache und wird Referent ersucht, solche nach methodischen Grundsätzen bearbeiten und herausgeben zu wollen. Rach diesem Gegenstand berichtete Herr Lehrer H o f m a n n — Meiningen über d i e Verhältnisse der jüdischen Lehrerim Herzogthum Meiningen. Aus dem Berichte war die betrübende Erscheinung zu entnehmen, daß die Anzahl der israel. Volksschulen im Herzogthum Meiningen ebenso wie in den übrigen Staaten im Abnehmen begriffen ist und daß definitive Anstellungen seitens des Staates überhaupt nicht mehr erfolgen werden. Ob unter solchen Verhältnissen die geplante Simultanisirung der Schule in Walldors a. W. sich verwirklichen wird, erscheint mehr als fraglich. Den letzten Punkt der Tagesordnung: „Die Pensions-, Wittwen- und Waisentasse des Verbandes der jüd. Lehrerve r e i n e" beleuchtete der Konferenzvorsitzende (Herr Lehrer Steinhardt — Magdeburg) mit meisterhafter Klarheit, und wurde sein Antrag, die Konferenz möchte den Verbandsvorstand ersuchen, die Kasse alsbald in der geplanten Weise in's Leben zu rufen, damit möglichst bald, wenn auch nur wenigen Beamten eine gesicherte Zukunft verschafft werde, zum einstimmigen Beschluß erhoben. Dem Vorsitzenden wurde für seine umsichtige und geschickte Leitung der Konferenz von derselben der ihm voll gebührende Dank zum Schluffe ausgesprochen! —grt. München, 12. Juni. (Abgeordnetenkammer.) Der Finanzausschuß hat die Petition des „Israelit. Lehrervereins" um einen Zuschuß zu seiner Unterstützungskaffe der Regierung zur Kenntnis; hinübergegeben und ist über die Petition um Gehaltszulagen aus Staatsmitteln an die israelitischen Religionslehrer auf dem Lande und in den kleineren Städten zur Tagesordnung übergegangen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest, 12. Juni. Der Unterrichtsminister Wlaffics gab in der Angelegenheit der vom Führer der katholischen Volkspartei in gemäßigt antisemitischem Geiste gestellten Interpellation wegen Verstümmelung der Kreuzzierden im Universitätsgebäude die vom ganzen Hause förmlich bejubelte Erklärung ab, die Regierung dulde keine Intoleranz und werde gegen jeden Versuch einer konfessionellen Vergiftung des Landes energisch auftreten. Prag. (Hilsner gehenkt.) Unter diesem Titel berichtet „Pravo Lidu:" Unser biederes, von den jungczechischen und radical-clericalen Organen der Ritualmord-Parteien erzogenes Volk hat alle seine alten Gewohnheiten und Unterhaltungen, die in alten Chroniken enthalten sind, verlassen und schöpft sich, in die neue Zeit hineinlebend, den Stoff zu seinen Vergnügungen aus den Begebenheiten der letzten Tage. Alle früheren Faschingsunterhaltungen, bei denen insbesondere in der Taborer Gegend Zizka's Lager und ähnliches dargestellt wurden, sind beseitigt und an ihre Stelle ist — Hilsner, der Held vom Ende des Jahrhunderts, getreten. In Czernowitz (Bezirk Kamenitz a. d. Linde) konnten beispielsweise ehrenwerthe Insassen das Ergebniß des Prozesses Hilsner nicht erwarten und sie beschlossen daher, daß sie demselben vorgreifen und schon von vornherein das veranschaulichen werden, wonach jeder Patriot in Böhmen sich sehnt. Im Fasching wurde daher eine Person, welche Hilsner repräsentirte, gehenkt. Der ganze hierzu erforderliche Apparat war vorbereitet. Der Scharfrichter verstand aber sein Handwerk zu gut, er zog daher den um den Hals des Hilsner-Darstellers gelegten Strick herzhaft zusammen, so daß „Hilsner" in Ohnmacht fiel, aus der er sich erst nach einigen Stunden zu erholen vermochte. Und auch jetzt noch, also nach einigen Monaten, kann er noch kein Wort sprechen, weil ihm beim „Aufhängen" die Kehle verletzt wurde. Zu einem solchen Ende führt die Ritualmord-Erziehung, die sich keineswegs an den Erziehern, sondern an den bedauernswerthen Zöglingen rächt. Der arme „Scharfrichter" büßte diese „Erziehung" mit vier Monaten schweren Kerker wegen schwerer körperlichen Verletzung." Tzegedin, Ende Mai. Der römisch-katholische Bischof von Czanad ist am 23. d. auf seiner Firmungsreise hier angelangt. Religionsgemeinden. Behörden und Körperschaften erschienen zur Huldigung des illustren Kirchenfürsten und wurde der Empfang der Deputationen in origineller Weise eingeleitet. Die Geistlichen der evangelischen und reformirten Gemeinden, sowie Rabbiner L ö w wurden zu allererst gemeinsam empfangen. Der hochherzige Kirchenfllrst versicherte die Vertreter der Konfessionen, daß er sowohl aus Pflicht, als aus Ueberzeugung stets bestrebt