Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 48 (13.6.1900)
- Date
- 1900-06-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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976 l! 3 *' l h l! I :i - i-. Schwankung des sozialen und politischen Lebens nach der einen oder andern Seite kommt an diesem Barometer zum Ausdruck. Die Geschichte der Judenfrage dient als die beste Illustration unseres eigenen Lebens.... Die Juden tragen die allgemeinen Pflichten, doch genießen sie nicht die allgemeinen Rechte. Aber anch in dem, was ihnen das Gesetz gelassen hat, sind sie thatsächlich beschränkt. Die mikroskopische Erweiterung ihrer Rechte geschieht nicht im Namen der Gerechtigkeit, sondern im Raren irgend einer „Forderung des vaterländischen Gewerbslebens" .... Alle Unterdrückungen der Juden lasten mit ihrer Hauptschwere auf dem jüdischen Proletariat." Hamburg, Ende Mai. Der langjährige Präses des Krankenhauses der Deutsch-Israelit. Gemeinde, Herr Louis Leon, ist im 71. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene trat im Jahre 1872 in die Verwaltung des Krankenhauses ein und hat bis zu seinem Tode ununterbrochen dem Vorstande angehört. . Das Bestreben des Herrn Levy lvar stets darauf gerichtet, das Heinessche Krankenhaus, welches durch Organisation und hygienische Einrichtungen einen hervorragenden Platz unter den Krankenhäusern unserer Stadt einnimmt, zu vervollkommenen und zu verbessern. Das Krankenhaus ist nach den Bestimmungen des Stifters, des sel. Herrn Salomon Heine, auch bestimmt, nichtjüdischen Kranken Ausnahme zu gewähren. Herr L. war nun stets beinüht, daß die Küche und sonstigen Einrichtungen streng jüdischen Anforde ruiigen genügten. Ein hohes Verdienst, welches von der gesammten Bevölkerung anerkannt wird, hat der Dahingegangene sich dadurch erworben, daß er im Krantenhause eine Poliklinik einrichtete, an welcher die bedeutendsten ärztlichen Autoritäten unserer Stadt mitwirten. Der Heimgang dieses Mannes hinterläßt in der Verwaltung des Krankenhauses eine schwer ausfüllbare Lücke. Zur Beerdigung, welche vom Trauerhause, Mittelweg, aus stattfand, hatte sich eine große Anzahl Leidtragender eingefunden; außer dem Oberrabbiner und den Gemeindevorstehern, waren die Vorsteher des Krankenhauses, die Aerzte, Beamte und dienstfreien Wärter vollzählig erschienen. Auf letztwilligen Wunsch des Verstorbenen durfte keine Trauerrede gehalten werden. Das Andenken des hochverdienten Mannes wird von Allen, die ihn gekannt, stets in Ehren gehalten werden. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Lipto-Lzt.-Miklos. Die hiesige fortschrittliche Gemeinde hat nun ganz ernstlich beschlossen, die Zinsen des Hülöv Herz 'schen Millionen-Rachlasses zur Erhaltung eines Obergymnasiums zu verwenden. Im Sinne des Testamentes gehören zwei Drittel der Zinsen der Chewrah-Kadischah und ein Drittel der Kultusgemeinde. Indem aber im Talmud die Behauptung aufgestellt wird, daß „Talmud-Thora über alles geht," ist es nur selbstverständlich, daß die eigentlichen, statutenmäßigen Ziele der Chewrah-Kadischah mit 4000 Kronen Subvention auch vorlieb nehmen können. Der zur Ordnung dieser Verlassenschaft delegirte Ministerialrath hat dieser Tage mit den leitenden Männern der Gemeinde diesbezüglich konferirt und die projectirte Einrichtung eines Obergymnasiums als realisirbar erklärt. Möge die oben citirte Talmudstelle in der zu errichtenden Anstalt in dem Maße zur Geltung kommen, daß in derselben thatsächlich Talmud-Torah und nicht eine Art „Talmi"-Torah gepflegt werde. Vermischtes Jnowrazlaw. (Eine Oase.) Die hiesige jüdische Gemeinde steht finanziell außerordentlich günstig. Es wurde in der letzten Sitzung des Revräsentantenkollegiums die Gemeindesteuer von 48 auf 40 Proz. ermäßigt, das Gehalt des Rabbiners auf 5000 Mk. erhöht. Letzte Nachrichten. Berlin, 12. Juni. In seiner Rede gegen die Flottenvorlage sagte der Abg. Liebknecht in der heutigen Sitzung des deutschen Reichstages Folgendes: Für Kulturaufgaben hat man im deutschen Reiche, das die Milliarden in's Wasser wirft, kein Geld. Wie weit sind wir noch zurück, wenn der Mord in Könitz zu Anschauungen im Volksleben Anlaß gibt, die man seit 1000 Jahren überwunden glauben müßte! Wenn solche Konitzerei noch am Beginn des 20. Jahrhunderts möglich ist, dann fange man hier an, aufklärend zu wirken, da wird das angelvendete Geld gut angebracht sein. Soolbad Harzburg Pension par/fhaus. Mit Genehmigung Sr. Ehrwürden Herrn Landrabb. Dr. Rülf, Braunschweig unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt. Neu erbautes, streng rituelles, vornehmes, ruhiges Hauö I. Ranges. - Bolle Pension iijcl. Wohnung von 6,50 Mk. a». — 46 elegante Salons mit Balkons. — Eitra gute Bervssegung. — Jeden Samstag Gottesdienst. — Eigene neu erbaute Svnagoge im Parke des Hotels. [3540 Geöffnet vom 15. Mai biö 1. Oktober. Besitzer: 91 ax Ifecht. Frankfurt a. M. Schillerst!*. 4 I. 11 uebcu Caf£ Bauer Sensal: Für Immobifien-Hypotheken und Finanzirungen. [6857 k