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Der Israelit · 1900-06-11 · Heft 47 (11.6.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 47 (11.6.1900)
Date
1900-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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41. Jahrgang. M 47 Der Israelit. Ein Kentral-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. f^mann in Maittf. Montag, den 11. Juni 5660(1900). mrZäät Da Donnerstag hier gesetzlicher Feiertag, erscheint die nächste Nummer unseres Blattes, Mittwoch, 13. Juni. Leitender Artikel ~€r Aonitzimia. -Z- „Die Juden lassen die Welt nicht zur Ruhe kommen. Haben sie in dem einen Lande ihre Rolle ausgespielt, flugs sorgen sie dafür, daß eine Unthat an einem anderen Punkte der Welt aller Augen sich auf sie richtet, alle Federn in Bewegung setzt, eine ständige Rubrik in allen Zeitungen bildet und alle Gemüther am Familientisch, an der Bierbank, bis herunter auf die Korridore der Volksschulen in Spannung und Aufruhr versetzt. Wie ruhig und friedlich ginge es auf Erden zu, wenn nicht die Juden immer wieder einen anderen Skandal heraufbeschwörten! Kaum, daß es einen Stoff zur Unterhaltung und zur Erregung der Nerven gäbe. Denn auch die Kriege, wie jetzt der in Südafrika, sind ja im Grunde auch nur das Werk dieser Juden." Wann wird endlich die Bosheit verstummen, die immer wieder neue Anklagen wider die Juden ersinnt, tausendmal widerlegte Märchen aufwärmt und zu einem Giftbrei für die Maßen auftischt? Wann wird endlich der gesunde Menschenverstand dahin gelangen, daß solche Ausgeburten widerlicher Verhetzung und Erfindungen von der Verleumdung lebender Spießgesellen mit der verdienten Verachtung und mitleidigem Lächeln zurückgewiesen werden? Die jüdischen „Geheimbücher" sollen vorschreiben, daß zu den Osterkuchen das Blut christlicher Jünglinge und Jungfrauen verwendet werde! Gesetzt den Fall, es hätten nicht die erleuchtetsten Fürsten und die hervorragendsten Würdenträger der Kirche, selbst des Mittelalters, diese Behauptung für eine Lüge erklärt und verdammt; gesetzt, es hätten nicht die bedeutendsten und unleugbar redlichsten christlichen Forscher und Kenner talmudischer Schriften ihre Stimme für die verlästerten jüdischen Religionsquellen erhoben; gesetzt, es hätten nicht sämmtliche deutsche Rabbiner mit ihrem Namen und ihrer Unterschrift eine feierliche Erklärung erlaßen und Protest gegen alle derartigen Anwllrfe erhoben; gesetzt, es hätten nicht hervorragende Rabbiner und angesehene Convertiten mit einem öffentlichen, heiligen Eid bei dem Allwissenden die Grundlosigkeit der Anschuldigung beschworen; gesetzt, das Alles wäre noch nicht geschehen, obschon doch das urbi et orbi bekannt sein dürfte. Wie denken sich denn die Ritualmordlügner die Möglichkeit des Vorhandenseins einer derartigen Vorschrift, und sei es auch in dem verborgensten Geheimbuch? Soll sie mit klaren Worten stehen oder nur angedeutet sein? Welcher Lehrer, und sei er auch ganz befangen von Irr- und Aberglauben, sollte eine derartige, mit allen Begriffen des Rechts und der Moral und allen sonstigen Geboten des Judenthums im Widerspruch stehende Anordnung, seinen Schülern vortragen können, ohne vor sich selbst zu erröthen, ohne den heftigsten Widerspruch seiner Jünger finden zu müssen? Welcher, der sie auch nur dem gläubigsten und vertrautesten Schüler zu deuten wagte, ohne fürchten zu müssen, daß bei dem Wechsel menschlicher Gesinnung und irdischer Verhältnisse dieser Schüler das furchtbare Geheimniß und diese gefährliche Waffe mißbrauchen, verrathen könnte? Kann nicht durch Umstände der beste Freund ein bitterer Feind, der zuverlässigste Schüler ein Apostat werden? Hat es denn dem Iudenthum zu irgend einer Zeit an solchen aus ihm selbst hervorgegangenen Feinden, an Ueberläufern zu den Gegnern gefehlt? Und man hätte doch nicht ängstlich sein sollen? Und welche Wirkung müßte ein solches „Gebot" auf die große Masse der Bekenner haben? Daß die Gesammtheit der Juden seit Jahrhunderten aus ver-

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