Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 46 (7.6.1900)
- Date
- 1900-06-07
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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- Basra 1× ep/1044138
- İzmir 1× ep/1047963
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grosse Moscheen liegen im Nordwesten am Tigris, d. h. im Geschäftsviertel, dort liegen auch die türkischen Kasernen. Die Karawanen von Persien nach der syrischen Küste und umgekehrt machen hier Halt; einige Dampfschiffe, meist englische und türkische, kommen von B as s o r a herauf. Nicht bloss Durchgangspunkt ist die Stadt, sie hat auch eigenen Handel mit Wolle, Korn, Galläpfeln, Datteln, Gurken, Südfrüchten und europäischen Fabrikaten. Auch ihr Handel mit arabischen Pferden und den berühmten silbergrauen Eseln blüht noch; sie exportirt noch Brokatstoffe, Lederwaaren, Sattelzeug, Baumwollenstoffe, Waffen, Goldwaaren, Saffian. Eine Merkwürdigkeit für orientalische Verhältnisse ist ein durch eine Dampfmaschine bewässerter öffentlicher Garten. Noch immer blühen einige religiöse und industrielle Schulen. Einen harten Schicksalsschlag erlitt Bagdad durch die Pest im Jahre 1831: drei Viertel der Einwohnerschaft verschwanden durch Tod oder Flucht. Seitdem sind die sanitären Verhältnisse besser geworden, aber sie sind immer noch fürchterlich nach unseren Begriffen. Die Strassen sind schmutzig, und manche Tümpel und Sümpfe verbreiten unerträgliche Gerüche. Hier werden Pest und Cholera sobald noch nicht vergeblich anklopfen. Die alten Stadtmauern sind verfallen und haben keine militärische Bedeutung mehr. An Grösse steht die Stadt mit ihren 145,000 Einwohnern fast auf derselben Stufe mit Damaskus und Saloniki, die beide 150,000 haben; nur Smyrna und Konstantinopel gehen erheblich darüber hinaus. Die Wohnbevölkerung ist bunt genug zusammengesetzt: aus Arabern, Türken (die hier die Rolle fremder Herren spielen), Kurden, Armeniern, Syrern, Jsraeliten, Persern, Hindus und wenigen Europäern, letztere mit christlichen Missionaren. Einen Anlauf zu neuer Blüthe nahm Bagdad mit der Statthalterschaft Midhat-Pascha’s, doch hat dieser Reformtürke auch hier zu kurze Zeit gewaltet, um viel Segen stiften zu können. Oberhalb Bagdads ist die Schifffahrt auf dem Tigris jetzt reduzirt auf seltsame Fahrzeuge aus aufgeblasenen Hammelfellen, wie M o 11 k e sie einst zu einer Thalfahrt bis M o s u 1 benutzte. „Vierzig bis sechzig solcher Hammelfelle werden in vier oder fünf Reihen so zusammengebunden, dass das Floss vorn etwa acht, hinten achtzehn Schläuche breit ist; darüber wird etwas Laub, dann eine Matte und Teppiche gebreitet, und so fährt man ganz gemächlich den Fluss hinab. Bei der Schnelligkeit der Strömung, durchschnittlich eine Meile in der Stunde, sind die Ruder nicht nöthig, um vorwärts zu kommen, sondern nur um das Fahrzeug zu lenken, es mitten in der Bahn zu erhalten und gefährliche Wirbel zu vermeiden.“ Einem solchen Wirbel an einem Brückenpfeiler verdankte Moltke aber doch ein gefährliches Bad. Die anderen oberen Tigrisstädte, das finstere Diarbekir zwischen hohen Bergen, das ehedem hochberühmte M o s u 1, von dem das Baumwollgewerbe Mousseline seinen Namen hat, ebenso das weit stromab am Schatt-el-Arab gelegene Bassora oder Basra, wo die Seeschifffahrt beginnt, sind in ähnlicher Weise zurückgekommen, wie Bagdad, ohne doch gleiche natürliche Hilfsquellen zu haben. Nun leuchtet ihnen allen der Hoffnungsstrahl des durch die Eisenbahn wieder zu belebenden Verkehrs. Und in der That mag das Dampf ross Wunder bewirken, wenn es die tausend Kilometer Luftlinie von der nordsyrischen Küste bis Bagdad bei gemächlicher Fahrt in zwei Tagen zurücklegt. Die Karawanen brauchen jetzt mehrere Wochen dazu. Es wird ein Verkehr und ein Güteraustausch entstehen, der jetzt ganz und gar gehemmt ist. Europäische Reisende werden kommen, Bagdad und die alten Stadtruinen zu besuchen, sie werden auf der Durchfahrt nach und von Indien Station machen. Es wird dadurch ein heilsamer Anstoss zur Betriebsamkeit und Ordnung gegeben werden. Mesopotamien wird dem Auge der türkischen Regierung wieder nahe gerückt werden. Sie wird im Stande sein, besser für Gerechtigkeit und Landeswohlfahrt zu sorgen. Sie wird ihre Unterthanen besser gegen ihre eigenen räuberischen Beamten schützen können Wird ihr Arm so stark, dass sie die Wiederherstellung des Bewässerungssystems und die Entsumpfung Untermesopotamiens unternehmen kann, so dürften beispiellose Erfolge ihrer harren. Egypten zeigt, was eine europäische Aufsicht zu vollbringen vermag. Und die rasch aufblühende Kultur in den eisenbahnberührten Strecken Kleinasiens beweist, dass selbst der Türke heute nicht vergebens arbeitet, so verhängnisvoll auch seine Herrschaft in den langen Jahrhunderten gewesen ist. Für Deutschland gewinnt Alles ein erhöhtes Interesse, wenn Bau- und Betrieb der Bagdad-Bahn in deutsche Hände kommt. (Fif. Zeit.) Briefkasten. N. N. in Eberbach. Die am 2. März <1. J. von Ihnen erhaltenen 10 Mk. werden Sie unter den Spenden für das israelitische Waisenhaus in Jerusalem (Rubrik III) veöffentlicht linden. Druck 4er Jeh, Wirth’sehea Heftaehfeackerei Actien-Gesellschaft, Mainz.