Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 46 (7.6.1900)
- Date
- 1900-06-07
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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848 an dem auf der Veranda aufgestellten Büffel eingenommen war, unter sachkundiger Leitung ein Rundgang durch die Gesammträume des Heims. Das Heini ist im Landhausstil in nordwestlicher Richtung erbaut und von meilenweitem fiskalischen Wald umschlossen. Die hinter einem Ziergarten belegene Vorderfront gewährt einen weiten Blick über den malerisch schön gelegenen Lehnitzsee. Im Souterrain befinden sich Küche und Wirthschaftsräume, Zimmer für das Küchen- und Hauspersonal; Hierselbst sind auch die Centralbeizung, Wein- und Vorrathskeller untergebracht, ferner ein Badesaal für Wannen- und Touchebäder. Für die Verabreichung medizinischer Bäder ist ebenfalls Vorsorge getroffen worden. Im Parterregeschoß liegen die Wohnung der Vorsteherin, das Bureau, das Ordinationszimmer für den Arzt, der, in Oranienburg ansässig, zu wöchentlich dreimaligem Besuch verpflichtet ist, ein großer Speisesaal und ein geräumiges Unterhaltungszimmer. Letzteres rührt in eine weite Glashalle, von der man in den Garten und den Wald gelangt. Während sich parterre nur wenige Räume für die Insassen befinden, ist der erste und zweite Stock fast ausschließlich zur Aufnahme derselben bestimmt. Die Zimmer sind meist für eine oder zwei, nur wenige für drei Personen eingerichtet, zeichnen sich durch Geräumigkeit und Helligkeit aus und find fass durchgehends mit Balkons versehen. Im ersten Stock befindet sich noch das Zimmer für die Schwester, im zweiten ist eine große Waschküche, Rollkammer und Wäschemagazin untergebracht. Auf allen Seiten des Hauses befindliche offene Hallen gestatten den Erholungsbedürftigen auch bei ungünstiger Witterung den Aufenthalt in freier Lust. Zu körperlicher Arbeit soll ihnen in einem Gemüsegarten Gelegenheit geboten werden. Das Heim entspricht allen hygienischen Forderungen der Neuzeit, ist mit Wasserleitung, elektrischem Licht und Telephon versehen und bietet bequem Raum fiir 60 Insassen. Seine besondere Aufgabe sieht das Heim darin, die Wohlthaten seiner Einrichtung den körperlich noch unentwickelten jungen Mädchen angedeihen zu lassen, welche, kaum der Schule entwachsen, an die schweren Mühen eines anstrengenden Berufes herantreten müssen. Mit dem neuerrichteten Wohlfahrtsinstitut ist etwas Großartiges und Prächtiges geschaffen worden, dem man nur wünschen kann, daß die an dasselbe geknüpften Hoffnungen und Ziele voll und ganz in Erfüllung gehen mögen zur Befriedigung für alle diejenigen, die in opferwilliger Liebe dieses Werk echter Humanität haben fördern helfen und zum Heile der leidenden Menschheit. Wie wir noch vernehmen, hat sich die Eisenbahnbehörde der Verwaltung des Heims gegenüber außerordentlich entgegenkommend gezeigt. In dankenswerther Weise hat sie zu einer Stunde, in der die Fleischzufuhr zum Heim von Berlin aus erfolgt, eine Haltezeit des sonst durchgehenden Zuges in Lehnitz vorgesehen. .Halle, 80. Mai. (Ein antisemitischer Erfolg.) Es sind neuerdings wiederholt darüber Vorstellungen erhoben worden, daß Anträgen auf A«enderung jüdischer Familiennamen ohne ausreichende Veranlassung oder doch ohne gebührende Rücksichtsnahme auf die Bedenken, welche aus der Wahl des anzunehmenden Namens herzuleiten waren, von Seiten enizelner Behörden stattgegeben worden sei. Hierzu schreibt die ministerielle „Berl. Korr.": Um die wünschenswerte Einheitlichkeit in der Behandlung von Anträgen in der gedachten Art sicherzustellen, hat sich der Minister des Innern veranlaßt gesehen, in Ergänzung der Vorschriften des Cirkularerlasses vom 9. August 7867 durch Cirkularerlaß an die zuständigen Behörden zu bestimmen, daß künftig Gesuchen, welche auf die Genehmigung der Namensänderung von Personen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft, bezw. auf die Bestätigung des von einem zum Christenthum übergelreienen Juden bei der Taufe angenommenen Familiennamens gerichtet sind, nicht ohne die vorher einzuholende Ermächtigung des Ministers Folge gegeben werde. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Presrburg. (Anstalt zur Heranbildung jüdischer Krankenpfleger in P r e ß b u r g.) Wie wir schon berichtet haben, wurde in Preßburg zum Andenken an unsere unvergeßliche Königin eine Anstalt ins Leben gerufen, welche den Zweck hat, israelitische Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen auszubilden, welche — ähnlich dem Orden von Barmherzigen Schwestern und Tiaconisfinnen — dem edlen Berufe obliegen sollen, ihre tranken Mitmenschen zu pflegen. Unter reger Theilnahme unserer israelitischen Mitbürger wurde die constituirnde Sitzung der Anstalt abgehalren und der Direktionsausschuß gewählt. Zum Präses wurde Primararzt Doctor Jacob Fischer, zum Vicepräses Advocat Dr. Wilh. L ö w i n g e r , zum Schriftführer (prov.) Friedrich D u s ch i n s k y , zum Cassier Leop. Neumann, zum Controleur Sigmund Herzog gewählt. Direktionsmitglieder sind die Herren Siegfried B u n z l, Sigm. Fischer, Dr. Samuel Fischer, Lazar G ft e t t n e r , Sigm. I a l o v e tz, David Naß, Joses Schimmer, und als Vertreter der Chevrah Kadischah der israelitischen Cultusgemeinde David Kann. Ter Direktionsausschuß hat schon seine erste Sitzung abgehalten und bereits seine Thätigkeit ausgenommen. Es wäre zu wünschen, daß dieser humanen, in unserer Monarchie einzig derartigen Institution diejenige Unterstützung zu Theil werde, welche es ermöglicht, daß diese Anstalt schon baldigst ihre segensreiche Wirksamkeit entfalten könne. Es ergeht an einen jeden Menschenfreund die Bitte, durch eine wohlthätige Spende oder durch einen Jahresbeitrag die Ziele dieser Anstalt fördern zu wollen. Obbenannte Herren nehmen eine jede Spende bereitwilligst entgegen.