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Der Israelit · 1900-06-07 · Heft 46 (7.6.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 46 (7.6.1900)
Date
1900-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 46 41. Jahrgang. Der Israelit. Ein KenLral-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Dr. ITtfmtmm in Mtninz Donnerstag, den 7. Juni 5660 (1060). Der Feiertage halber konnten wir, nicht wie beabsichtigt, unsere Nummer Ws« bereits Mittwoch, 6. Juni, sondern mutzten sie erst heute erscheinen laste«. Leitender Artikel. Herz Bodenheimer >"22w D ci r m st a d t, 4. Juni. Die Ueberschrift dieser Zeilen kündet zur Genüge den schweren Verlust, welchen die Israel. Religionsgesellschast und das gesetzestreue Judenthum zu beklagen haben. Verflossenen Freitag, als man die sterbliche Hülle des Verewigten zur Ruhe geleitete, da vernahm ich von den Lippen theilnehmender Richtjuden die wehmutsvollen Worte: „Sie haben einen braven Mann begraben," und unlvillkürlich mußte ich die Rede sortsetzen: „U n S lvar er m ehr!" Inzwischen hat das riv>2v>-Fest seinen Einzug gehalten, und das heilige Gedenken an den weltgeschichtlich erhabenen Moment vonn-i'ri fnc erzeugte inmitten der Festesstimmung die schmerzliche Erinnerung an den Mann, der mit männlichem Muthe, mit starker Hand und feuriger Tbatkraft das Panier der Thora hier hoch gehalten hat, der für dieselbe gekämpft und ihr im Verein mit gleichgesinnten Männern eine Stätte begründet hat. Ein Mitgründer der Israel. Religionsgesellschaft, stand Herz B o d e n h e i in er s. A. mehr als drei Jahrzehnte an der Spitze derselben, welche ihm zum großen Theile ihre Blüthe und Festigkeit verdankt. Mit hingebender Liebe und nie erlahmender Thatkraft nahm er sich aller Institutionen aus's wärmste an, ein Gegner von Kleinlichkeiten, und dennoch mit umfassendem, stets auf daS Ganze gerichteten Blick das Kleinste zum Gedeihen der Gemeinde heranziehend u. fördernd. Den Beamten ein warmer Berather und väterlicher Freund, jedem Kinde ein fürsorgender Gönner, gab er jederzeit das schönste Beispiel treuester Pflichterfüllung, und darum strömten ihm aus vollem Herzen allseits Liebe, Vertrauen und Ehrfurcht entgegen. In seiner Familie der liebende Gatte und treue Vater, war sein höchstes Streben, seine Kinder zu wackeren Juden und tüchtigen Menschen heranzubilden und der Thora eine Heimstätte in ihren Herzen und Häusern zu errichten. Wie sehr ihm dies gelungen ist, beweisen die Stellungen seiner Söhne in Gemeinde und Gesellschaft, sowie die verwandtschaftlichen Verbindungen mit hochangesehenen, gesetzestreuen Familien, welche sogar theilweise dem Judenthum hervorragende Männer gegeben haben. In seinem Hause wohnten der Friede, tiefe Gottesfurcht und stete Pflege der Thora. Mit einer gleichgestimmten Gattin die edelsten Ziele in der Erziehung verfolgend und wahrhaft Muster gebend, wurden dem vrdienstvollen Manne vom Allgütigen zahlreiche rii'2 7 beschieden, welche sein Leben verschönten. Welch' hochgesinnten Menschen und biederen Charakter wir jedoch in dem Verblichenen beklagen, davon künden sein Name, seine hochherzigen Eigenschaften und seine Wirksamkeit in der Öffentlichkeit. Gleich dem großen Hittel war seines Lebens Wahlspruch: p*!pci rrron nx amx rpm o brr» arrx .•vwH. Frieden war die Harmonie seines Wesens und Wirkens. Wie er im geschäftlichen Verkehr, in den Sitzungen der Corporationen, im Widerstreit der Meinungen innerhalb der Gemeinde, sowie in seinen Beziehungen zu jedem Einzelnen diesen Frieden zu verfolgen, herzustellen und zu erhalten verstand, das mußte mit höchster Bewunderung erfüllen. Gleichwohl wurde aus dem Menschenfreund ein feuriger Kämpfer, wenn es galt, die heiligsten Güter zu vertheidigen und zu schützen. Ja, noch in den letzten Jahren, als bereits die Keime tückischer Krankheit daS herrliche Leben bedrohten, war eS erstaunlich, wie die Fürsorge für tbeure Familienmitglieder oder die Vertretung der Interessen

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