Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 40 (17.5.1900)
- Date
- 1900-05-17
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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geworfen. Bon jüdischen Frauen und Mädchen wurde auf der Straße den Christen nachgespuckt und nachgerufen: „So a Pack, so a Christenpack" ete. Jeder e i n z e l n e A u s s pr u ch ist erlogen!! Man sieht hier mit großer Sorge der demnächst erfolgenden Bestattung der Leichentheile des Ermordeten entgegen. Die Behörde wird allerdings die schärfsten Maßregeln treffen, daß Unruhen im Keime unterdrückt werden. „Soeben höre iw, daß der in Untersuchung befindliche Israelski aus der Ha ft entlassen wird." Der Eriminalkoinmissar Wehn von der Berliner (Kriminalpolizei, der auf Anordnung des Ministers des Innern zur Ermittelung des Mörders des Schülers Winter init einem Eriminalfchutzmann nach Könitz entsandt >var, hat nach einer Eonferenz im Berliner Polizeipräsidium um Unterstützung durch einen erfahrenen Amtsgenosien gebeten. Das Präsidium wird darauf hin noch einen alleren Beamten, den Criminalinspektor Braun, nach Könitz entsenden. Die Untersuchung in der geheimnißvollen Mordsache ist dadurch erschwert worden, daß erst nach Verlauf von mehreren Wochen ein Criminalbeamter zur Ermittelung nach Könitz entsandt wurde, daß inehrere Untersuchungsrichter in der Sacke thätig rvaren und die Spur des Mörders nach Ankunst der Berliner Eriminall beanlten schon sehr verwischt war. Zur Ermittelung des FHüters sind ietzl nicht weniger als -.2,000 Mk. als Belohnung für die Aufdeckung der That ausgesetzt worden. Diese hohe Summe hat dazu beigetragen, daß auch unberufene Personen auf eigene Faust nach dem Thäter forschen, eine Unzahl von Anzeigen bei den Behörden einlausen und Dinge mit dem Mord in Zusammenhang gebracht werden, die fick bei den Nachforschungen als ganz harmlos Herausstellen. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich bis jetzt bei der Untersuchung dieses mit großer Berschlagenheit ausgeführten Kapitalverbrechens ergeben haben, scheint jetzt begründete Hoffnung vorhanden zu sein, daß der Mord aufgeklärt tvird, weil nach den bisherigen Ermittelungen mehrere Personen darum wissen müssen und das Wort..fherchez ln fonimeauch in diesem Fall wieder zutreffen dürfte. Im Intereste der Ermittelungen und mit Rücksicht auf den Gang der Untersuchung kann vorläufig über die Spur, die verfolgt wird, nichts mitgetheilt werden. Zeitungsnachrichten und Correspoirdenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 16. Mai. (H o s p i t a l b a u in Jerusalem.) In der jüngsten am 7. Mai c. stattgehabten gemeinschaftlichen Sitzung des gesammten Centralcomitees wurde Herr Districtsradbiner Nathan Bamberger - Würzburg als Mitglied des Comitees an Stelle seines leider so früh Heimgegangenen Bruders, des Herrn DistrictsrabbinerS M. xi. Bamberger Bad Kistingen, gewählt. England. London. „Iewish Ehronicle" veröffentlicht ein interessantes Interview mit Rev. Hertz, dem ehemaligen Rabbiner in Johannesburg, der zur Zeit in London weilt. Ter Referent wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die Angriffe, welche englische Friedensfreunde aus dem Grunde gegen die Juden erheben, daß sie die eigentlichen Besitzer der Minen, ferner die Leiter der llitländerbewegung und die Führer in der Presse sind. Namen für Namen weist er nach, daß die großen Kapitalisten fast sämmtlich nichtjiidischer Abstammung sind, mit Ausnahme gerade der wenigen, die wie Albu und Marks zu den Boeren halten. Auf der Börse zu Johannesburg bilden die Juden eine Minderheit und selbst von dieser ist noch der größte Bruchtheil das deutschjüdische Element, das nichts vom Judenthum wissen will und größtentheils zum Christenthum Übertritt. In der Presse ist der Einfluß der Juden gerade gering, die Uitländervrgane waren seit dem Jamesoneinsall im Gegentheil antisemitisch, nur das Organ der Regierung, die „Standard and Diggers News," sind in jüdischen! Besitz. Die russischen Juden, welchen die Uebertretung der Schankgesetze zur Last gelegt wird, sind nur ein ganz kleiner Bruchtheil der eingewanderten russischen Juden und die gleichen Contraventionen begehen auch die Griechen, Italiener etc., die das Schankgeinerbe betreiben. Die Gesetze von Transvaal bieten gerade in diesem Falle einen besonderen Anreiz zu Contraventronen. Die Zahl der Juden, welche aus der Boerenseite fechten, gibt Horiz auf 600 an, während er die Zahl der jüdischen Soldaten im englischen Heere aus 120<> schätzt. Im Ganzen leben nach seiner Angabe oder vielmehr lebten vor dem Kriege in Südafrika an Juden 10,000 in Johannesburg, 2000 in seiner nächsten Umgebung, 2000 in Prätoria und ebensoviel in den anderen kleineren Plätzen von Transvaal. Im Oranjefreistaat wohnen 600 Juden, in Natal 650, in der Eapkolonie 7600, in Rhodesia 1000 und in Portugiesisch Ostafrika 200. Gegenwärtig ist der größte Theil der jüdischen Bevölkerung von Johannesburg unter den Flüchtlingen in Natal und Kapstadt. Der Reverend Hertz beklagte die politischen Beschwerden, unter denen die Juden in Transvaal zu leiden haben, erkannte aber an, daß im socialen Leben die Boeren vollständige Toleranz üben.