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Der Israelit · 1900-05-17 · Heft 40 (17.5.1900) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 40 (17.5.1900)
Date
1900-05-17
Page
– (sequence 25)
Language
German
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,-'A-',ri«-‘.>vV -re.-.' ■■■'-f-- 41. Jahrgang. Dritte Beilage;u M 40 des „Asraeltt". Leitender Artikel Von unserem Speziatkorrespondcnr en. Könitz, 1ö. Mai. In der Untersuchung über die Mordaffaire spielt auch die Politik keine geringe Rolle. Die Provinz Westpreußen ist vorwiegend katholisch und stellt zu jeder Wahl einen Candidaten zum Eentrum oder zur Polenpartei ans, wofür bekanntlich die Kapläne und Pfarrer eifrig thätig sind. Aber auch die Juden haben früher bei den Wahlen den Ausschlag gegeben, da sie mit den polnischen Parteien enger liirt waren. Mit richtigem Takte haben unsere Glaubensgenossen fast überall dieses Bündniß ausgegeben und gehen jetzt in allen po- , litiseben Fragen mit der Regierung. Dadurch haben sie sich die Feindschaft der Katholiken und Polen, besonders aber der katholischen Geistlichkeit zugezogen. Diese Strömung macht sich in der Untersuchung selbst, besonders aber bei den Unruhen geltend. Rach jedem katholischen Gottesdienste lvird das Volk sichtbar gereizter und der heilige Sonntag ist zu Skandalen und Straßenaufläufen der geeignetste Tag. Da komnit ein Pfarrer an einem Sonntag nach einer Filiale in einem Dorfe, wo nur e i n Jude wohnt, der bisher nicht belästigt wurde. Kaum ist der Gottesdienst zu Ende, da stürmt das ganze Volk das Haus des Inden und zerstört, was es habhaft werden kann. Dem Pfarrer in Prechlau gegenüber wohnt der Handelsmann Lewin. Er wurde heute hier vernommen und soll anssagen, welchen Inhalt die 4—5 Paketen hatten, die einige Tage vor Ostern (Peßach) vor seinem Hanse abaeladen wurden und die eine eigenthümliche runde Form hatten. Natürlich waren M a z z e s darin und hat der Mann auch andere Peßachwaaren aus der Stadt mitgebracht. Ein anderes Mitglied der kl. Dorfgemeinde wurde dennuncirt, daß in seiner Waschküche bis einige Tage vor Ostern eine Kiste sich befunden, deren Inhalt einen intensiven Geruch verbreitet habe. Die Kiste, die für einen christlichen Gastwirth bestimmt war, wurde wieder herbeigeschafft und — sie roch noch, nachdem sie entleert war: — es war Käse darin! Zwei jüdische Handlesleute aus Krojunke kehrten bei einer in Schlochau wohnenden Landsmännin ein. Ein Schusterjunge sieht es, er erzählt es dem Meister und dieser laust zur Polizei. Die arme Frau mußte mehrere Verhöre deßwegen bestehen und hat in Folge : der Aufregung eine Frühgeburt gehabt. So wird die; Untersuchung gehandhabt und zahllose Juden in der! Provinz weroen verhört, die in gar keiner Verbindung I mit Könitz gestanden und stehen. Die Criminalpolizei muß öfters gegen ihren Willen auf Grund von Denun- | Nationen Verhöre vornehmen, denen sie offenbar selbst! keinen Werth beilegt. Dagegen gehen die Verwaltungsbehörden, Landräthe, Bürgermeister, Ortsvorsteber, durchaus korrekt und, ivie es nöthig ist, auch sehr energisch vor. Davon hatte ich am vorigen Freitag wieder ein Beispiel. Der Reporter der „Staatsbürgerzeitung," Werner, Bruder des Reichstagsabgeordneten in Könitz, der hier nnt dem besten Willen nichts mehr zu — lügen findet, wollte seine unfreiwillige Muße dazu benutzen, um das schwach glimmende Feuer in Prechlau wieder anzufachen und etwas zu heitzen. Der Landrath von Könitz erfährt von diesem löblichen Beginnen, er telegraphirt dem Landrath von Schlochau und der letztgenannte Herr fährt dem Wanderredner sofort nach. Er mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Dieser Herr Werner ist auch der Erfinder aller kolportirten Frechheiten und Ausfälle, die sich die Juden in Hammerstein, Bernds - bürg, Baldenburg ete. zu Schulden kommen ließen. Ich war fast überall persönlich und habe außerdem genaue Erkundigungen über jeden einzelnen Ausspruch, den er den Erwachsenen und Kindern in den Mund gelegt, eingezogen. „Ich erkläre hier, daß kein Wort von allen diesen Anschuldigungen lvahr ist." Werner schreibt in der „Staatsbürgerzeitung" Nr. 164: Ten größten Antheil hat sich aber das jüdische Volk selbst durch seine Frechheit zuzuschreiben. Denn in solch' ernster Lage wagte eine jüdische Schülerin der Privatschule ihren Mitschülerinnen gegenüber Aeußerungen zu tbun, wie: „Ehr. . . . ist der größte Bluthund und Betrüger gewesen, deßhalb wurde er gekreuzigt." — „Wir haben neun Zehntel des ganzen Kapitals in unserem Besitz." — „Unsere Religion ist der Stamm, die katholische bildet die Zweige, die evangelische die Blätter, und diese werden zertreten." — Bon einem erwachsenen jüdischen Mädchen >vurde ferner im Kreise von Ehristinnen gesagt: „Unser Osterschnaps sieht diesmal recht schön roth aus und lvird auch schön schmecken, weil Blut von Winter drin ist." Und dieselbe Jüdin sagte: „Wenn die Juden raus sollen, müssen die Christen die Packesel sein." Auch fielen Aeußerungen, wie: „Unser Rothschild wird schon alles wieder gut machen." — „Um den einen Menschen machen sie so viel Aufsehen." Nach den ersten harmlosen Aufläufen wurde von einem Juden gedroht: „Ich schieße!" Dieser Jude zeigte dann öffentlich auf der Straße ein Stück Papier als einen Schießschein vom Landrathsamt vor, mit der Frage, ob Schrot Nr. 2 auch tödtlich sei. Endlich wurden aus einem jüdischen Hause Steine auf die Menge

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