Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 40 (17.5.1900)
- Date
- 1900-05-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449087--50735-2501174- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWWMWWWWMff 41."Jahrgang. Zweite Beilage M M 40 -es Israelit". Literarische Ilmschau. Awnudno Jisroeil. Der israelitische Vorbeterdienst. Traditionelle Synagogengesänge des süddeutschen Vitus, l. Theil. Wochentagsgottesdienst. Gesammelt und bearbeitet von I. Lachmann, Cantor in Hürden. Selbstverlag. Preis Mt. 6. Durch die Einflüsse der Reform, der Orgel, des Chorgesangs, ist der jüdische Gottesdienst in seinem musikalischen Theil in den meisten jüdischen Gemeinden seiner Ursprünglichkeit mehr oder weniger entkleidet worden, und die Gefahr lag nahe, daß wir bald nicht mehr uüssen, was „traditionell" ist, welche die von unfern Vorvätern überlieferte Melodie ist. Mit einer seltenen Sach- und Fachkenntniß, mit einem Fleiße, der Bewunderung und Staunen erregt, hat der Autor sich der Mühe unterzogen, das ungeheure Material zu sammeln und zu sichten und mit verblüffendem Kennerblick, mit einer Sicherheit, die man nur durch ständige, jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Gegenstände erwirbt, unterschied er aus den zahllosen Variationen das Echte von dem später hinzugefllgten Beiwert. Die uns vorliegende erste Abtheilung, „Wochentags-Gottesdienst," ist umfassend. Da fehlt nichts. Jedem Lernenden, Lehrenden und Ausübenden im Cantorate wird Lachmann's „Awaudas Jisroeil" ein unentbehrlicher Führer, eine Schatzkammer der Gesänge, in der er nach keinem p;u vergeblich suchen wird, sein. Wir haben an dem so sehr verdienstvollen Werke nichts auszusetzen, als daß die Textkorrektur etwas sorgfältiger hätte vorgenommen werden dürfen. Mit Spannung erwarten wir das Erscheinen der übrigen Theile, die, wie wir dem Vorworte entnehmen, im Manuskripte beendet sind. Möge Lachmann's „Awaudas Jisroeil" die ihm gebührende, weiteste Verbreitung finden und den traditionellen Synagogengesang, der nur Zibbur und Sch'liach-Zibbur kennt und frei ist von Orgel und Chorballast, da, wo er im Niedergang ist. neu beleben und, wo er lebendig ist, ihn in seiner ursprünglichen, durchs viele Jahrhunderte geheiligten Schönheit, erhalten. I. Mischrmiot. Die sechs Ordnungen der M i s ch n a. Hebräischer Text mit Punktation, deutscher Uebersetzung und Erklärung. Theil IV. Seder Nesikin von Dr. D. Hoff m a n n. 13 Lieferungen.. Berlin 1899. Druck und Verlag von H. I t z k o w s k y. . . . amrr Bnuitr lehre deine Kinder und rede davon. In dieser Form ist das Gebot des rmn Lernens niedergelegt. Während alle anderen Kenntnisse und Wissenschaften nicht unbedingt des persönlichen Verkehrs des Lehrers und Lernenden bedürfen und gute Bücher füglich den Lehrer ersetzen können, ist dieses in Bezug auf die m:n in nur eingeschränktem Maße der Fall. Hier gilt das lebendige Wort, die mündliche Uebertragung. Hat ja auch Gott Moscheh die Tauroh cue bx d*jbö übertragen. mT, die cwnj. die LUX 712^2 empfingen sie durch persönliche Ueberlieferung und das Prinzip unserer btbeui, ihre geschichtliche Entwickelung auf der Tradition und mündlichen Ueberlieferung. Von diesem Gesichtspunkte aus könnte man einer routrc^ oder me; Uebersetzung kaum ein empfehlendes Wort geben: die beste wäre nicht gut genug. Wir müßten „lernen," aus dem Original lernen. Das Kind vom Vater, die Schüler vom Lehrer. -p::^ cruitr. Allein die Zeit hat diese gerechtfertigten Forderungen um ein Bedeutendes herabgestimmt; sie hat uns anspruchsloser gemacht. Es wird heutzutage weniger „gelernt." Taurohstätten, wie sie noch vor hundert Jahren unter dem Namen nme” in zahllosen jüdischen Gemeinden glänzten, kennt man heute kaum dem Namen nach, und dem, den ein innerer Drang zur Tanroh führt, und dieselbe nicht nur vom Hörensagen, sondern ihrem Kern und geistvollen Inhalte nach kennen lernen möchte, stellen sich nicht selten insofern Hindernisse in den Weg, als er nicht immer und überall den Lehrer findet, der seinen Wünschen entspräche. Ganz besonders gilt dieses von Erwachsenen. Sie können sich nicht jeder Methode und jeder Art anbequemen. Auch die Zeit spielt bei ihnen eine nicht geringe Rolle. Die Berufstätigkeit nimmt den größten Theil derselben für sich in Anspruch und hat man einmal eine freie Stunde, ist der Lehrer nicht bei der Hand. Solchen Unbequemlichkeiten wird durch eine Uebersetzung abgeholfen, und, wenn eine Uebersetzung überhaupt den Lehrer entbehrlich machen kann, thut die Hofmann'sche Mischnajos-Uebersetzung dieses in vollem Maße. — Ganz wie die voraufgegangenen Tractate, übersetzt von Samter, Beneth, Petuchovsky, ist auch Tractat pTin:D neben der Uebersetzung mit einem Commentar versehen. Es ist dieser nicht allein eine Sach-, sondern auch eine vortreffliche Wortertlärung, der über manches Fremdwort befragenden Aufschluß gibt. Nicht allein rruaiie mns? um, sondern auch me: und andere Erklärer dienen dem Uebersetzer als Grundlage für seinen Commentar. Man kann bei einiger Begabung und gutem Willen durch die Hofmann'sche muvv- Uebersetzung gründliche Kenntnisse der erwerben. Kommen auch hie und da manche Härten der deutschen Sprache vor, so ist dies in Anbetracht der schweren Aufgabe, eine Sprache in die andere zu übertragen, entschuldbar.