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Der Israelit · 1900-05-17 · Heft 40 (17.5.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 40 (17.5.1900)
Date
1900-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 _41. Jahrgang. _ Jfä 40 Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von »r. in Utainj Donnerstag, den Leiter» der 2l r t i k e l. -W Lestvorklänge. ^Ktzi»k ¥f(rort|fun(| von Nabb. Dr. Atkermann—Brandenburg a. H. Vom Feste der Befreiung führen uns die Tage der Sefira auf dem Strome der Zahl mit gemächlichem Ruderschlnge zum Feste der Offenbarung. Jedem einzelnen dieser Tage geben wir ein heiliges Gewicht, jeder einzelne begeistert uns zu besonders innigem Danke gegen den Weltherrn: Denn jeder einzelne ist ein bedeutsamer Schritt näher zu jenem einzigartigen Tage hin, an dem die gewaltige Gottesthat der Körperbefreiung ihre herrliche Krönung fand durch die gewaltigere der Geistesbefreiung. Schon fühlen wir den erquickenden Hauch, der von diesem Tage ausströmt und bald werden wir uns rüsten, unsere Gebetstätten mit den holden Kindern des Lenzes zu schmücken, die uns gleich dem Geschenk des sechsten Siwan mit jedem Jahre in neuer, nievergänglicher Jugendfrische entgegen leuchten, 'xii ns 'yctr „Höre, o Tochter, und sieh'!" ruft uns die Thora zu. „Tochter" nennt sie uns, denn sie ist unsere Mutter: aus ihrem gesegneten Schoße ist Israel hervorgegangen, an den Brüsten ihrer Weisheit erstarkte es, und in Noth und Drangsal schmiegte es sich schutzheischend an ihre Seite. O, und sie ist alt, Israels Mutter, Jahrtausende alt; alt — nicht altersschwach; auf ihrer gefurchten Stirne thront in ewiger Jugend die Weisheit, und den grauen Scheitel umstrahlt der Glorienschein der Liebe! Darum tönt uns das Wort des Weisen mit verdoppelter Innigkeit in das Herz: n:pT *3 rsn ha „Verachte nicht deine , Mutter, weil sie alt geworden!" Nein, wir umgeben ' sie mit heiliger Ehrfurcht, sie, der nur nufer Dasein 17. Mai 5660 (1900). verdanken, und jauchzen dem wundersamen Tage entgegen, an dem sie einst unter Donner und Blitzen auf des Berges Sinai Höhen geboren ward.! E i n Gefühl ist es vor allen anderen, daß bei diesem Gedächtniß an unsere Thora in uns aufsteigt: das Gefühl einer ungeheuren Dankbarkeit! Denn sie ist uns Alles gewesen auf unserem Zug durch die Weltgeschichte, Leiterin und Führerin, Lehrerin und Erzieherin, Retterin und Trösterin. Was wir sind, sind wir durch sie. Ja, daß wir überhaupt noch sind, danken wir nur ihr. Ohne sie wären wir längst von den Wasierfluthen hinweggeschwemmt, die über uns hereinwogten, längst von den Feuersgluthen aufgezehrt,WWWW Haß, Wahnwitz und Bosheit wider uns entfacht haA^WW ohne sie wären wir nicht mitten in tiefster äußerer niedrigung auf den Höhen unserer Feinde einhe^W^Ir schritten; ohne sie stünden wir nicht da, als das * des Geistes, von dem aus alle Weisheit und alle kenntniß in die Welt gezogen! Was wäre uns aber . das Gefühl der Dankbarkeit, wenn es uns nicht mehr wäre als ein Gefühl, wenn es uns nicht zu positivem Thun begeisterte, uns nicht dazu entflammte, uns dankbar zu erweisen? Nein, die Thora ist uns Alles gewesen, darum soll die Blüthe unserer Dankbarkeit in nichts Geringerem bestehen, als daß w i r auch i h r Alles sind, das heißt, daß wir nur leben für sie und um ihretwillen, uns ihr hingeben ganz und ungetheilt, mit all unserem Wollen und Streben, mit allem, was wir sind und was wir haben. Daß dies in Wahrheit unsere Pflicht ist, tvird uns symbolisch durch eine bedeutsame Satzung jenes merkwürdigen Epiloges nahegelegt, in welchen die Verkündigung der zehn Sinaiworte ausklingt: mwn nsw ckt nS^nn’, nHx ncn "p*r ’s m: pnx n;sn »b H „Wenn du mir einen Altar von Steinen machst, so baue ihn nicht von behauenen; denn hast du deinen Meisel darüber geschwungen, so hast Du ihn entweiht!" Wir haben keinen Tempel mehr und keinen Altar, keine Priester und kein heiliges Opferfeuer, aber diese bedeutungsvolle Satzung des Gottesworte.s gilt in einem höheren Sinne auch heute für uns. ja heute mehr

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