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Der Israelit · 1900-05-10 · Heft 38 (10.5.1900) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 38 (10.5.1900)
Date
1900-05-10
Page
– (sequence 31)
Language
German
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793 Weist das Fakultätsgutachten nach, daß die dem Körper der Ermordeten entsprechende Blutmenge, in deren blutdurchtränkten Gewändern, den vom Blute förmlich zusammengebackenen (specene) Haaren, in der auf dem Thatorte constatirten Blutlache und der Rest im Körper der Agnes Hruza selbst gefunden wurde. Das Motiv der That aber verweist es in die sexuelle Sphäre. Belangend den gegen Leopold H i l s n e r bestehenden Verdacht fällt es, insoweit dieser neben anderen in der Anklageschrift hervorgehobenen Momenten auf den Auslagen der Zeugen Franz C i n k und Peter P e - s a k beruht, jedenfalls auf, daß eben diese Zeugen auch hinsichtlich des an Marie Klima begangenen Verbrechens des Mordes gegen Leopold Hilsner belastend aussagen. Allein die Anklageschrift erblickt Verdachtsgründe gegen Leopold Hilsner insbesondere auch in dem wiederholten Wechsel seiner Kleidung am Tage der That, dem Ableugnen des Besitzes eines grauen Anzuges, den Franz Ciuk kurz vor der That an ihm wahrgenommen hat, in dem sorgfältigen Verbergen der grauen Beinkleider und — vor allem Andern — in der Feststellung von Blutflecken an denselben. Als „höchstwichtig" geradezu bezeichnet die Anklage den Befund und das Gutachten der Prager Gerichtsärzte Prof. Dr. Reinsberg und Dr. S l a - v i k, wonach die an den Beinkleidern des Leopold Hilsner constatirten Flecken aller Wahrscheinlichkeit nach von Menschenblut herrühren. Diele Annahme wurde durch das Gutachten der medirinischen Fakultät nur insoferne abgeschwächt, daß die Fakultät die Möglichkeit, daß diese Flecken von Blut herrühren können, auf Grund der chemischen Untersuchung mit voller Bestimmtheit nicht ausschließen zu können erklärt. Ob die noch erübrigenden Verdachtsgründe, ihn der That zu überweisen, ausreichen, dies zu beurtheilen wird Sache der neuen Geschwornen sein. Mag daher auch eine Ergänzung etwa vorhandener Beweislücken im Wege des im 8 362 St. P. O. vorgesehenen Wiederaufnahms-Verfahrens nicht erforderlich sein, so steht doch so viel fest, daß den Geschwornen das Beweismaterial, so weit es gerichtsärztlicher Wahrnehmung und Begutachtung unterlag, vielfach in schiefer Beleuchtung vorgeführt wurde. Die Untersuchungs - Ergebnisse, ergänzt durch das Fakultätsgutachten, den Geschwornen in der dem heutigen Stande ärztlicher Wissenschaft entsprechenden Beleuchtung vorzuführen, wird die Aufgabe der neuerlichen Verhandlung sein, die anzuordnen stets das im Plus enthaltene Minus 8 362 St. P. O. dem Cassationshofe gestattet. Daß eine neuerliche Prüfung der Beweisergebnisse die eventuelle Unterstellung der That als von Leopold Hilsner unmittelbar verübten Mord unter die Strafnormen der 88 134 und 135, Zl. 1 St. G., nicht ausschlieszt, ergibt sich aus der Erwägung, daß das im 8 290 St. P. O. ausgestellte Verbot dervekornralio rri pejus sich blos auf die gegen den Angeklagten zu verhängende Strafe bezieht, der unmittelbare Mord aber ebensowohl als die unmittelbare Mitwirkung bei demselben im 8 136 St. G. mit Todesstrafe bedroht ist. Durch die Anwendung des 8 362 St. P. O. ist die vom Angeklagten gegen das Strafurtheil eingebracbte Nichtigkeits-Beschwerde gegenstandslos geworden. war Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Red action nicht verantwortlich. Schluß der Ivseratenamratzme ist Nets: für die Wontagsnsmmer, Sonntag Früh 9 Uhr, für dir Donnerstagsnummer, Mittwoch Mittag 12 Ubt. Muser Matt gelangt regelmäßig Montag und Donnerstag in den Abendstunden rum Derfnidt. Reclamationen wegen ju späten Eintreffens ftt- Rebe man bei der betreffenden Postanstalt }U machen. Offerte» auf Thlfferannoncen werden täglich, mit Ausnahme von Samstag nnd Sonntag, welterbefordert. 'Junger Mann, der drei flahre als Lehrling und zwei Jahre als Commis in einem Eisen-, Colonial und Baumaterialien-Geschäft thätig, sucht anderweitig Stellung in einem geschlossenen Geschäfte. Gefl. Offerten erbitte unter L. 3700 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. C\it einem Landstädtchen deö eHess. Odenwaldes, direct am Walde gelegen, finden einzelne Personen wahrend der Sommermonate in streng religiösem Hause liebevolle Aufnahme. Mäßige Preise. Offerten unter 3712 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. Aufruf! Ein großer Talmudgelehrter in Ungarn befindet sich durch langwährende Krankheit in großer Noth. Tie Aerzte halten einen dreimonatlichen Kurgebrauch für unbedingt nötbig. 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