Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1900)
- Date
- 1900-05-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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774 (iv.ii) unter der jüdischen Bevölkerung herrschende Noth und die ^lrbeiistvilligkeit derselben hervorhob, sowie von deutscher Seite der deutsch fortschrittliche Meitner. Der lety.ere entgegnete besonders wirkungsvoll den Angrisfen Geblers. Die Juden dürfen mit dem Resultat dieser Debatte noch ganz ^nfrieben sein, aber sie bleibt charakteristisch für die Zustände in Böhmen. Die Berhälinifse liegen im Lande schlecht tvegen des nationalen Haders, die Kohlettpreise steigen durch den Streik der Bergarbeiter und sofort beschuldigt man die Jttdeu. Mil D.' lietn Rechte machte Dr. Zalud zum Mittelpunkt seiner Ausführungen den Hinweis darauf, daß man iilv.'mn, wo ein Unglück geschehe, den Juden die Schuld gebe, und darüber versäume man, den wahren Schuldigen zu erforschen oder festzustellen, wo die bessernde Hand anzulegen ist. > vermischtes. Berlin, 5. Mai. Die für den heutigen Sabbat an gekündigte von Herrn Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r zu haltende Predigt in der Synagoge an der Kaiserstraße wurde abgesagt, da vorbenannter Herr zu einer Audienz bei dem bei den Großjährigkeits-Festlichkeiten anwesenden Großherzog von Baden befohlen war. Letzte Nachrichten. Hammerftein, 0. Mai. (B ott unsere m S p e z i a l C o r r e s p o n d e n t e n.) Cs ist ganz merkwürdig, daß bei weiterer Entfernung vott dent Dhatorte des Mordes die Aufregung der Bevölkerung nicht ab-, sondern zunimmt. In Könitz denuneirt^ntan jeden Dag einen andern Juden und verhört ihn. selbst das antisemitische Geheul wird in Könitz nicht mehr gehört, da fiir jeden Fall eilte Strafe von IO — 20 Mk. festgesetzt ist. Zwei Stationen weiter, in Schlochau, ziehen Rowdies durch die Straßen und ftimti'.en Indianergeheul an, während die besseren Bürger behaglich zuhören, an den tvarmen Abenden vor ihren Häusern sitzen, die Polizei aber durch ihre Abtvesenheit glänzt. So unheimlich der Aufenthalt auch in den vorgenannten Orten ist, weil es doch gerade nicht zu den Annehmlichkeiten gehört, täglich und stündlich zu vernehmen, daß man ein Mörder und Teufel ist, — das alles sind harmlose Neckereien gegen den Aufstand des Pöbels hier in Hammerstein. Hammerstein ist ein nettes Städtchen von 8000 Einwohnern, worin 22 jüdische Familien wohnen, die bisher friedlich und freundlich mit den übrigen Bewohnern gelebt und verkehrt haben. Es war am Abend des 22. April, da ging die Bestie los. Wie die Vandalen hat hier der süße Pöbel gewirthschaftet. Dem Kaufmann Ehrenwerth drangen sie von vornen und hinten in seinen Laden ein. Sämmtliche kostbare Schaufenster wurden zertrümmert, die Maaren durcheinander geworfen und der Besitzer mit Frau und vier Kindern lebensgefährlich belästigt, so daß er Nachts in ein Nachbarhaus flüchten mußte. Die Schaufenster bei ihm und in verschiedenen anderen Ges,hasten sind noch nicht wieder eingesetzt, da dieGlasversichernngen sich weigern, Ersatz zu leisten. So groß der Schaden ist, den diese Kausleute erlitten, —- das Alles ist noch Kinderspiel gegen die Zerstörungen in der Synagoge. Das Bethaus ist ein Schmuckkästchen, sauber und geschmackvoll eingerichtet. Ringstlmher sind nicht allein die Scheiben, sondern auch die Fensterkreuze eingeschlagen. Die Steine wurden mit solcher Wucht getvorfen, daß die Mauern von der entgegengesetzten Seite große Löcher zeigen. Die Thorarollen liegen i>n Hause des Kaufmannes Baer. Im Innern der Synagoge sieht man nur Glassplitter und mächtige Feldsteine. Das muß doch ein wahrer Genuß für diese Bestien gewesen sein, ihr Müthchen an einem Gotteshause zu kühlen. Auch im Mittelalter haben die Reschoim nicht schlimmer gehaust; — übrigens glaubt der fremde Jude, der das zweifelhafte Vergnügen genießt, in dieser Gegend die Stimmung zu studieren, daß das ganze westpreußische Volk noch tief im 16. Jahrhundert steht. Am schlimntsten wurde hier dem .Kultusbeamten mitgespielt. Der Mann, Wittwer ohne Kinder, wohnt im ersten Stockwerke im Hause eines Christen zur Miethe. In der Nacht des letzten Freitag aber wurde er von seinem Hauswirthe um 1 Uhr aus dem Bette geklopft. Er weigerte sieh anfangs, aufzumachen, da man aber drohte, die Thüre einzuschlagen, so öffnete er. Da drangen zwei starke Männer bei ihut ein und packten ihn: „Jetzt Jude, mußt Du bekennen, daß Du bei dem Morde in Könitz mitthätig warst, oder es geht Dir schleckt." Der arme Mann, der natürlich gar nicht in Könitz, getvesen ist, betheuerte seine Unschuld, — er soll aber sehr belästigt worden sein. Da er das Fettster erreichen konnte, um Hilse herbeizurufen, so zog das improvisierte Pehmgericht ab. Mit einem Worte, es sieht hier traurig ans. DNS?" Wegen Raummangel wird die Fvrtsehnng der .Sprüche der Bäter" der nächsten Nummer betgelegt. Briefkasten der Redaktion. Abonnent aus Igor: 13. Mai 1859 gleich Freitag Jjar 5919. I. H. in Woodbush, Rlelfontein (Südafrika): Auch wenn der Obstbaum von Aichtjuden gepflanzt ist, müssen Sie die drei Orloh-Jahre halten, dürfen die Früchte der ersten drei Jahre des Baumes weder genießen noch irgend wie be nützen. R H. in M.. 23. September 1887, gleich 5. Tifchrt 5048. Die Barmizwah ist am mw rattf, die Sidra ist “p’i. Abonnent aus E: Bei Herrn David Bauer, Frankfurt a. M., B'örnestratze. Briefkasten der Expedition. I. B. in I.: Betrag f. bew. Zweck erhalten. M. N. in H.: Betrag von Mk. 1". n. C. A.: Betrag von Mk. 3.75 dankend emvfangen. Dr. SW. in P: Betrag von Mk. 5.— u. A. G. in N. A Betrag von Mt. 10.— dankend empfangen.