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Der Israelit · 1900-05-07 · Heft 37 (7.5.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 37 (7.5.1900)
Date
1900-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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748 / Doch das ist schon fast dreißig Jahre her. Vor etwa sechs Jahren hat Herr Dr. Vogelstein auf Bestellung ein Gebetbuch ausgearbeitet, welches die fundamentalen Wahrheiten des Judenthums verleugnet und bekämpft, alles aus Ehrfurcht vor unserer heiligen Religion und ihren ehrwürdigen Ueberlieferungen. Wohlgemerkt! Herr Dr. Vogelstein zählt nicht die Ehrfurcht vor unserer heiligen Religion zu seinen Grundsätzen. sondern nur das Einflüßen derselben. Daß man aber das. was man selber nicht besitzt, nicht gut einflößen kann, das ist ein Naturgesetz, das älter ist, als Herr Tr. Vogelstein und für das ihn Niemand verantwortlich machen kann. Deßhalb genirt es auch den Berichterstatter nicht, wenn sein Bericht klipp und klar selber nachweist, wie die berichtete Wirksamkeit in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. Er hat eingeflößt, so viel er konnte und was er hatte; ultra posse nemo obligatur. Den ersten und höchsten Cultus treiben Leute vom Schlage des Herrn Dr. Vogelstein mit ihrem Cultus. Es werden uns die Reformen und sonstigen Mittelchen erzählt, die zur Hebung der Andacht ausgesonnen worden. Aber der Bericht gesteht ein, daß alle Liebesmüh umsonst war. Daß an Wochentagen Minjan sei. davon ist gar keine Rede, dagegen sei die Zahl der Tempelb'''i!ck>er am Freitag Abend eine ziemlich große, aber der Bcsuch am Sabbat-Morgen wird als ein beklagenswerther geringer bezeichnet. Die Bemühungen des Rabbiners. eine Besserung herbeizufühen, haben, wie der Bericht einräumt, nur wenig Erfolg gehabt, „sollen aber trotzdem eifrig fortgesetzt werden!" Das ist die erste Etappe in der Wirksamkeit unseres Rabbiners! Als zweiten Erfolg dieser Wirksamkeit bezeichnet uns Bericht den Versuch, die „Barmizwahfeier" durch ci.»c kurze Ansprache des Rabbiners an den Barmizwah- Kraben weihevoller zu machen. Wenn der Berichterstatter diesen Versuch als wohlgelungen bezeichnet, und Herr Dr. Vogelstein damit seine eigene Ansicht darüber aussp'.icht, so habe ich nichts dagegen zu erinnern. Wenn er aber behauptet, daß diese Einrichtung in unserer Gemeinde allgemeinen Anklang gefunden, so wäre es von Interesse zu erfahren, von wannen dem Herrn Berichterstatter diese Wissenschaft stammt. Wenn er selber wehklagend einr'äumt, daß seine Heerde den Sabbatgottesdienst nicht besucht, woher sollte da der Anklang kommen? Die dritte Errungenschaft ist der seit 1838 eingeführte Schülergottesdienst. Von den 300 die hiesigen Leh. erstatten besuchenden Schüler besuchen diesen Gottesdienst nur 70--90.,Schüler 14 pCt., wie der Bericht s<R 77^;.m daran den dringenden Wunsch an knüpfen, oaß die Eltern ihre Kinder mehr zum Besuch dieses Gottesdienstes anhalten. Einstweilen stellt der vorliegende Bericht fest, daß das Gros der G« n.eindemitglieder von dieser Neuerung nichts willen w?ll. Ters-lben Klage gibt der Bericht auch betreffs der ' „Religionsschule" Ausdruck, deren Erfolge größer wären, wenn die Eltern dem Vogelftein'schen Religionsunterricht mehr Interesse entgegen brächten. Den constanten Mangel an diesem Interesse stellt somit Herr Dr. Vogelstein auch auf Conto seiner Wirksamkeit. Nicht besser geht es auch dem Religionsunterricht, der den Primanern und Sekundanern der hiesigen Gymnasien und Realgymnasien von unserem Rabbiner ertheilt wird. Von 40 Schülern betheiligen sich daran nur zel n! Und Herr Dr. Vogelstein ist ein so nachsichtiger Lehrer, daß er von seinen Schülern gar nicht verlangt. daß sie etwas in seinem Religionsunterrichte lernen und wissen sollen, sie brauchen ihm nur zuzuhören, und auch das wollen nur etwa 25 pCt. Der Bericht schreibt diesbezüglich: „Hierbei wird von den Schülern nichts weiter als ein aufmerksames Zuhörcn verlangt, „ein Abfragen findet nicht statt, ich trage die ganze Stunde ununterbrochen vor" und wiederhole in der folgenden Stunde kurz das Wichtigste von dem in der vorhergehenden Stunde Besprochenen." Also, Herr Dr. Vogelstein verlangt nur die Ohren seiner Primaner und Sekundaner. Aber auch diese werden ihm von 75 pCt. verweigert; und diese Harthörigkeit bucht unser Herr Rabbiner gewissenhaft unter die Ergebnisse seiner Wirksamkeit. Auch daß die specifisch neologen Zugstückchen, wie Konfirmation, Einsegnungen von Wöchnerinnen und ähnlicher Humbug nicht ziehen, sobald sie von unserem Ralbiner insrenirt werden, wird hier unter dessen Wirlsamkeit gerechnet und der Rückgang durch statistische Zahleneingaben sestgestellt. Weil das vielleicht Jemand als schlechten Scherz ansehen könnte, lasse ich den betr. Passus hier im Worlaut folgen: „Der Konfirurationsunterricht, der in dem ersten Jahrzehnt meiner hiesigen Amtswirksamkeit „wegen Mangel an Betheiligung einigemal ausgefallen ist," hat im zweiten Jahrzehnt niemals eine Unterbrechung erfahren. Die Zahl der Theilnehmerinnen war in den verschiedener. Jahrgängen aber verschieden, sie schwankte zwischen 10 und 6; in diesem Jahre nehmen 7 Schülerinnen am Konfirmanten-Unterricht Theil. Seit 1892 bat auch regelmäßig in jedem Jahre ein feierlicher Konfirn.ationsakt stattgefunden, was bis dahin in manchen Jahren nicht der Fall war. Die Zahl der Konfirmierten schwankte zwischen 7 und 4. Auffallend ist die Erscheinung, daß trotz des W a ch L t h u m s unserer Gemeinde die Zahl der Frauen, die nach überstandenem Wochenbette die Synagoge besuchen und für sich und ihr Kind ein Gebet sprechen lassen, in den letzten zwei Jahren sich wesentlich verringert hat.*) Ich führe die Ziffern des letzten Jahrzehnt hier an: l 890 48. 1891 49, 1892 31, 1898 47. 1894 48. 1893 40. 1896 89, 1897 38, 1898 26, 1899 27. Da eine Stastitik der Geburten der hiesigen jüdim) Es ist dies um so bedauerlicher, als die Sporteln, welche dieser Geschäftszweig abwirft, nickt git verachtende Nebeneinkünfte unserer Neformrabbiner sind.

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