Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 36 (3.5.1900)
- Date
- 1900-05-03
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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744 WMM »WWW WWWWWWW und Anstalten etc. geringere Anforderungen zu stellen, au cd ganz verlassene Knaben ohne jede Vergütung von 'Dritter Leite aufzunehnien. Wann dieser Zeitpunkt eintreten loird, hängt selbstverständlich ganz vvn der Entwickelung unserer Gärtnerei-Einnahmen ab; insbesondere kommt in Frage. ivann die vor nunmehr 5 bis 7 Rainen gevilanzten Obstbäume Ertrag liefern. 'Wir buben diese Verhältnisse so ausführlich erörtei't, >veil selbst unter unsern besten Freunden Zlveifel darüber geäustert sind, ob es denn nothwendig sei, im mersort ]u Spenden „für 'Ahlem" anzuregen, und ob nicht die 'Anstalt in der Lage sei, die Zöglinge aus ihren eigenen Einnahmen und ohne Zuschüsse von dritter Seite auszunehmen. Solche Ziveifel sind, so hoffen wir, nunmehr beseitigt, und unr dürfen wohl erwarten, dast alte unsere Freunde fortan ihr Möglichstes thun lverden, di? lieberzeugung von der Unterstützungs-Bedürftigkeit una Würdigkeit unserer 'Anstalt in die weitesten Kreise der jüdischen Bevölkerung Deutschlands zu tragen, da dure!> die Mittel nir Erziehung unserer Zöglinge zu schassen, Fe mehr unsere Freunde uns unterstützen, desto geringer noerden auch die Kosten, die wir zur Ge winnnna neuer Gönner und zur Sammlung der Spenden notbgedrungen bisher haben annvenden müssen. Rkarburg 29. 'April. <A n t i s e m i t e n und F r d e n g c l d.> Die hier erscheinende „Kess. Landeszei'.ung" schreibt: Der antisemitische 'Abgeordnete Ludwig Werner hat stch nun endlich dock noch bereit gesunden. die Privatbeleidigungstlage gegen unseren veramlvdx!;ic’een ü,'edacteur Erdmannsdörffer einzureichen. Erdmanitsdörsser >vird den Wabrheitsbetveis dafür antrrten, dast Werner einen: jüdischen Parlamenisjonrnalisten gegen Entgelt Nachrichten geliefert und, als er dies ableugnete, eine bewußte Unwahrheit ausgesprochen hat. ll^onsried, :> 'April. Tie „Eisenacher Tagespost' schreibt.' Folgender Prozeß spielte sich vor dem hiesigen kgl. Amtsgerichte ad. Durch Beschluß der kgl. Aegiernng lvurde das Grn.udgehalt der israelitischen Lehrerstelle, welches bis zum Fahre 7897 9<j0 Mt. betragen r.dtre, auf Grund des Lehrerbesoldungsgesetzes von' :>. ö.Aärz gen. Jahres aus 1299 Mk. festgesetzt, welches iedocb zu zahlen die Gemeinde, obschon die pekuniären Verhältnisse in derselben recht gute zu nennen stab, beharrlich stch weigerte. Es lvurde hierauf durch den S clleninhaber das Berwalkungsstreitverfahren beantragt und durch Beschluß des kgl. Bezirksausschusses, aus ocu seilens der Gemeinde beim kgl. Bezirksrathe kein Retnrs erhoben wurde, das um 990 Mk. erhöhte Diensteinkommen definitiv genehmigt. Da die Gemeinde trotzdem die Mehrzahlung verweigerte und der Stelleninhaber rast zwei Jahre auf die Auszahlung seines Guthabens vergeblich wartete, so trat derselbe sein Guthaben einem Verwandten ab, der einen Rechtsanwalt mit der Führung dieser Rechtsfrage beauftragte. Das Resultat war, daß die Gemeinde nicht nur das Guthaben des Lehrers im Betrage von 600 Mark ncbst 30 Mt. Zinsen zahlen muß, sondern auch die Kosten für zwei Rechtsanwälte, Gericht u. f. w., im Betrage von ca. 299 Mt. aufzubringen hat. O e st e r r. - U n g a r. M v n a r ch i e. WKeu, Ende April. Atif der Durchreise durch Wien begriffen, wo ich die zweite Hülste der Peßacb- Feiertage verbringen mußte, lvurde ich eines wahrhaften -Nt E" zu Dheil. Am r:t ry r:c Morgens lvurde sowohl im Sckmsschn! Tempel, als auch im Betb-Hamidrasch kund gemacht, daß am Nachmittag desselben Tages Herr Ni. A. F ü r st, der Sohn des ehrlv. Rabbiners der Schiffumagoge, im großen Lokale des eine abhalten lverde. Voll begreiflicher Neugierde, die eines Wiener jungen Mannes, der, lvie ich gleichzeitig hörte, Zögling der Prcßbnrger Jeschiba ist, anzuhören, fand ich mich zur anberaumten Zeit in dem bereits dickt gefüllten E’-."-“ ein, lvo ich die erfreuliche Tbatsache einer außerordentlich großen Betheiligting k">nstatiren tonnie. Unter den 'Anloefenden befanden stch auch die 'Vorstände der Schiffschul, des Beth-Hamil?rascki und anderer Vereine. Der jtilige Nkann begann mir einem rz-.r. Bor, trag in der xr^r; x-—- und wurde ihm nach Schluß dieses Vortrages reichlimer Beifall für seine scbarfstunigen 'Ausführungen zu Obe:!, 'Ann gelangte er zur ns"-. Ich war stets in der Meinung befangen, daß ein Zögling der Preßburger Jeschiba, wenn er sich auch eines gewissen Bildungsgrades erfreut, dennoch, ivas Naetorit, Form und Abrrrndung einer a>. belangt, nie eine solche Leistul'.g vieren könne, als eure, ein akademisch gebildeter Rabbiner oder Rabbinatstanbidat und mußte nun zu meiner freudigen Beschämung eingestehen, daß meine Meinung eilte ganz irrige war. Eine solche Sicherheit eines so jungen Redners auf der Kanzel in Gegenwart eines so zahlreichen, und lvie ick zu bemerken Gelegenheit hatte, dlirchrvegs verständigen Pt blilnms, überraschte Nlick völlig. Dabei bekundete der junge Nlann eine Eleganz der Sprache, eine Feinheit der Ansdrucksrveise, welche durch dessen wirtlich ungewöhnliche Beredtsamleit erst recht hervorgehoben wurde. Die NE--M selbst war mir geistvollen Erklärungen der zitirten und ct-“': gespickt. Die Glückwünsche und Beisallknndgeblingen, die der junge Mann nach Beerldigllng seines Bortrages von allen Seiten empfing, halte er ehrlich verdient, und ist es ivvbl überflüssig zu sagen, daß er zu den schönsten Hoffnungen berechtig:. -2"' L. K a I t ln a n n . tp'rankkurl a. M. Schillerstr. 41. neben Caf«5 Bauer Sensal: Für Immobilien-Hypotheken und Finanzirungen. [68ö7