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Der Israelit · 1900-04-30 · Heft 35 (30.4.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 35 (30.4.1900)
Date
1900-04-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Oiirn gehalten. Der Verdacht gegen den hiesigen Schlächter Levh beruht, einer Blättermeldnng zufolge, zum Theil auf der Behauptung, daß in dessen Keller mehrere Personen am Mordtage gesehen worden sein sollten. Durch Zeugen ist jetzt aber nachgewiesen, daß diese Personen nicht im Keller Levhs, sondern im Keller des benachbarten Bäckers gesehen worden sind. Ebenso ist für die hier viel verbreitete Erzählung, daß am Mordtage zehn Schächter aus der Nachbarschaft hier anwesend gewesen seien, bisher kein Beweis erbracht worden. — Ueber neue Ruhestörungen anläßlich des Mordes wird dem Graudenzer „Gesell." aus Schlochau, 25. April, berichtet: Gestern Abend kam es hier wieder zu Ausschreitungen gegen die Juden. Die Veranlassung dazu gab die Auffindung eines Menschenschädels in einem Graben hinter der Synagoge. An diesen z. Z. noch unaufgeklärten Fund wurden die wunderbarsten Gerüchte geknüpft und zur Aufhetzung der Massen verbreitet. So soll ein vor zwei Jahren bei einem hiesigen jüdischen Kaufmann in Dienst stehendes Mädchen von seiner Herrschaft zur Aushilfe bei einer Hochzeit nach Könitz geschickt worden und seitdem spurlos verschwunden sein. Man vermuthet nun, daß das Mädchen ein gleiches Schicksal wie den unglücklichen Winter ereilt hat und glaubt in dem aufgefundenen Schädel einen Beweis für diese Annahme zu haben. Daß solche Gerüchte die Menge in Aufregung erhalten und Lärmszenen Hervorrufen müssen, liegt auf der Hand. Man begnügte sich hier gestern nicht mehr mit Johlen und Hepp Hepp-Rufen, sondern begann zu demolieren. Dem Kaufmann Baum, der allein von allen jüdischen Geschäftsleuten seinen Laden noch nach Eintritt der Dämmerung offen hatte, wurde das Schaufenster ein geworsen, außerdem einige Fenster in der Synagoge und in Privathäusern zertriimmeri. Der Menschenschädel, der in einer Kneipe zur Schau gestellt war, wurde von der Polizei beschlagnahmt. Es wird von anderer Seite behauptet, daß der Schädel aus Muthwillen von Ar beilern in einen alten Filz Hut eingenäht und in die Nähe der Synagoge geschafft worden sei. Grauvcnz, 27. April. Der „Gesellige" meldet: Der Minister des Innern hat 20,000 Mk. auf die Ermittelung des Mörders des Gymnasiasten Winter aus Könitz ausgesetzt. Die von der bisher ausgesetzten Summe noch übrigen 6O0O Mk. sind für die Auffindung der Kleider des Winter und sonstiger Spuren bestimmt. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Wien, 27. April. Der oberste Gerichtshof hob das Urtheil des Kuttenberger Kreisgerichts gegen den wegen Ritualmordes beschuldigten Hilsner auf und ordnete ein neues Verfahren vor einem anderen Kreisgerichte an. Lemberg. (G e m e i n d e t a g.) Der Vorstand der Lemberger Cultusgemeinde beruft auf den 1. und 714 2. Mai d. I. ungefähr 175 bedeutende galizische Genuinsten zu einer Eonserenz (Gemeindetag) mit tiefer stehendem Programme ein, wovon 30 Gemeinden bereits ihre Betheiligung zugesagt hatten. Ueberdies wurden die jüdischen Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten zur Berathung zugezogen, beziehungsweise eingeladen. Es bleibt nur recht zu bedauern, daß der Vorstand übersehen hat, die jüdischen Interessen gewidmeten Vereine zur Eonserenz beizuziehen, da sich deren Interessen doch mit von der Gemeinde vertretenen jüdischen Gesammtangelegenheiten decken. Wenigstens befolgen diese Taktik regelmäßig die jüdischen Großgemeinden Londons und Paris, so oft sie in die Lage kommen, über öffentliche jüdische Sachen gemeinsam beim grünen Tische zu sitzen. Zuletzt sollten wenigstens diejenigen Vereine und Vereinigungen geladen werden, ihre Stimme abzugeben, die sich des Polnischen als interne Sprache bedienen, da nach Erklärung Eingeweihter die Conferenzen ausschließlich nur in der polnischen Sprache geführt werden, nicht polnisch sprechende Redner, beziehungsweise Antragsteller, jedoch nicht zugelassen werden, im Gegensätze zu den obenerwähnten Weltgemeinden, wo auf das Idiom des Delegierten gar kein Gewicht gelegt wird. Die Tagesordnung bilden nachstehende Punkte: 1. Die trostlose ökonomische Lage der galizischen Juden und Mittel zur Abhilfe. 2. Einführung der polnischen Amtssprache in den jüdischen Gemeinden. (!) 3. Prä tenerung jüdischer Eandidaten aus öffentlichen Aem teru. 4. Vertretung der religiösen Interessen beim Landesschulrathe. 5. Stipendien für Religions-Lehr amts Eandidaten. 0. Anerkennung der jüdischen Feiertage als Ferialtage bei den Gerichten. > Dersonatten. Berlin, A». April. Der Kaiser verlieh dein Oofbankier Freiherrn von Ooli» zu D stau den Kronen Criren erster 3 lasse. > Vermischtes. Milopolie (Eine ganze Familie niedergemetzelt.) Hier wurde der reiche jüdische Gutspächter S. Dawidowicz in seinem Wohnhause Nachts überfallen und nebst seiner Frau, fünf Kindern, der Gouvernante und einem Diener ermordet. Die Mörder raubten hierauf das ganze Haus aus und steckten es sodann in Brand. Der Ermordete soll stets bedeutende Baarbeträge im Hause gehabt haben. Bisher fehlt jede Spur von den Mordbrennern. Briefkasten der Expedition. G. S. in R: Betrag von fl. 1.50 dankend empfangen. WM" Unserer heutige« Nnmmer liegt ein Prospectus des Medicinifchen Specialhanses, B. B. Cassel ln Frankfuet a. M. bei, worauf wir unsere Abonnenten besonders daraus aufmerksam machen.

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