Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1900)
- Date
- 1900-04-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Zweite Keil. M M 32 5- 33 des »Israelit". Leitender Artikel. Die Kankfurter Lonferenz. Von I. Turoff. Die Eonferenz der in Palästina thätigen Vereine, welche am 26.-27. März in Frankfurt a. M. getagt hat, ist ein Eceigniß ersten Ranges, das für das gesammte Indenthum in- und außerhalb Palästinas von ganz bedeutender Tragiveite iverden wird. Allein die Thatsache, daß maßgebende Personen aus ganz Europa zum ersten Male in Frankfurt a. M. zusammentraten, um die das gesammte Judenthum lebhaft interessirende palästinensische Frage zu erörtern, rechtfertigt vollauf dieses Gefühl. Daß es gerade Palästina war, welches alle Juden Europas zu einer gemeinsamen Berathung zusammenbrachte, ist meines Erachtens eine erfreuliche Erscheinung, deren Bedeutung gar nicht hoch genug veranschlagt iverden kann. Es gibt also nebst dem Kampfe gegen unfern Erbfeind, den alle Juden der ganzen Welt gleichmäßig bedrohenden Antisemitismus, noch einen ziveiten Gegenstand, der allen Juden der Erde gleich iverth und gleich heilig ist. Dieser Gegenstand ist Palästina, ist das heilige Land unserer Väter, welches heute noch genau so wie zur Zeit des zweiten Tempels, den gemeinsamen Mittelpunkt, einen centralen Brennpunkt darstellt, wohin die Gefühle aller Juden convergiren. 'Von symptomatischer Bedeutung war ferner die Thatsache, daß die Z i o n i st e n , oder deutlicher gesagt die Herzlisten, bei dieser Eonferenz nicht ver- Irden waren. Die Frage, ob das Wiener „Actionskomitee" zur Theilnahme eingeladen iverden soll, inußte voin Eentralkomitee der Ehowaweh-Zion schon aus dem Grunde verneint iverden, als die Eonferenz eine Zu summenkunft aller in Palästina ge g e n >v ä r t i g thätigen Vereine sein soll, das Herzlistische Wiener AdioilSkomitee aber bis dato unthätig geblieben ist, es fiir absehbare Zeir auch ivohl ferner bleiben ivird. Eine Thatigkeit in Palästina zu entfalten, verbietet dem Wiener Aciionstomitee schon sein Programin, laut welcheni jede Action in Palästina bis zum Eintreffen der „Eharter," d. h. ad calendas graecas vertagt wird. Die Abivesenheit des Wiener Actionskomitees ivurde aber durch die Betheiligung einer anderen Körperschaft mehr als erseht, deren Vertretung in Frank surt a. M. von allen Delegierten mit großer Genugthuung empfunden wurde. Die Pekidim und Amarkalim in Amsterdam haben die Herren D. Abrahams und M. Rubens sen. zur Eonferenz entsendet und die Vertretung jener ältesten und ehrwürdigsten Körperschaft in Israel, die als Chalukoh schon seit Jahrhunderten in Palästina eine große Thätigkeit entfaltet, ist eine Gewähr dafür, daß a l l e in Palästina thätigen Vereine fortan mit einander Handinhand gehen werden. Die Berathungen der Eonferenz bewegten sich durchivegs auf dem praktischen Boden realer Thatsachen. Schon der erste Punkt der Tagesordnung, die i n u st r i e l l e Eolonisation, bewies es, daß die Conferenz nur das zunächst Erreichbare zu erlangen ivünfcht. In der That ist die Einführung einer ganzen Reihe von Industrien in Palästina schon jetzt, und zwar init einem geringfügigen Capital von kaum 1 - Million Francs durchaus möglich. Etwas fantastischer erschien uns dagegen das Expose des bekannten Schriftstellers Dr. Paul Nathan über die Nothwendigkeit einer gründlichen Erforschung Palästinas. Nur die rechtlichen Verhältnisse Palästinas, ivie Eigenthums-, Agrar- und Erbrecht sollen baldigst studirt werden. Der ziveite Punkt der Tagesordnung, die landwidhschaftliche Eolonisation Palästinas, brachte u. A. len Bericht des Herrn S. Bromberg-Palästiua über die Lage der unter seiner Leitung entstandenen jüngsten Eolonie Machnajim. Mit schlichten, aber desto ivirksameren Worten entwarf der Redner das Bild einer in Palästina entstehenden jüdischen Eolonie, ivie sie bestem dig mit Geldknappheit, den unzulänglichen Mitteln und zahlreichen lokalen und allgemeinen Hindernissen zu kämpfen hat; aber auch den endlichen Erfolg und den definitiven Sieg über alle Fährnisse und Hindernisse ivurde von dem Redner an der Hand der Entstehungsgeschichte der Eolonie Machrajim den aufhorchenden Delegirten geschildert. Die Zuhörer hatten das Gefühl, hier einen kraftvollen, energischen und klugen Mann vor sich zu haben, der die Angelegenheit der Eolonie Alach najiin schon zum glücklichen Ende führen wird. Den Höhepunkt erreichte die Eonferenz bei der Verhandlung über die Schulen in Palästina. Eingeleitet ivurden dieselben durch ein Referat des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz, in welchein die selbstverständliche These ausgestellt wurde, daß die Schulen in Palästina nich! dem Geschmack ihrer ausländischen Begründer, sondern ausschließlich den Wünschen und Bedürfnissen der pa lästinensischen Inden angepaßt iverden müssen. Sv selbstverständlich diese Fordernng auch scheinen mag, so ivurde doch thatsächlich bis dato fortivährend da gegen verstoßen. So wurden Französisch, Englisch oder Deutsch bis her als Unterrichtssprache benutzt, während die Landes spräche, namentlich aber die hebräische Sprache, in den meisten Schulen arg vernachlässigt ivird. Die Debatte, welche mit großer Sachkenntnis', ge führt wurde, deckte eine große Reihe von Mißständen