Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1900)
- Date
- 1900-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. JIT2». Israelit. Ein Hentrak-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von »r. fe^mantt in fflftatu?. 'Montag, den 9. April 5669 (1999). Leitender Artikel. Berliner Sonntagsjäger. Berlin, 8. April. (Schluß.) Ich kann begreifen, daß es leichtsinnige Menschen unter uns gibt, loelchen der Sabbat in ihrer Jagd nach Geld und Gut lästig ist und die ihn mit oder ohne Anstand los werden möchten. Solche Menschen hat es schon gegeben, als noch das Sabbatwunder der doppelten Mannaspende an jedem sechsten Wochentage in der Wüste vor dem gesammten Volke sich vollzog und sich trotzdem Leute fanden, die auch am Sabbat hinausgingen, um Brot zu suchen und Holz zu sammeln. Daß aber ein „unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse" seinen Einfluß, wie groß oder gering er fruch sein möge, dafür geltend macht, dieses älteste, höchste aller jüdischen Interessen in den Staub zu ziehen und es der Geringschätzung und der Verachtung preiszugeben, wie es die „Allgem. Zeitung des Judenthums" thut, das würde ich für eine böswillige Verleumdung halten, wenn mir ihre jüngste Nummer 10 mit dem „Zur Frage der Sabbatruhe" überschriebenen Aufsatz nicht schwarz aus weiß vorläge. In dem Titel liegt eigentlich für den aufmerksamen Leser schon alles. Wenn mir Juden unseren Feinden unbequem sind und sie uns a tont prix bei Seite schieben möchten, so construiren sie zunächst eine „Judenfrage." Obwohl es thatsächlich keine Judenfrage gibt und keine geben kann, so lange wir in Staaten leben, welche die Rechte und Pflichten ihrer Bürger nicht von dem religiösen Bekenntniß abhängig machen, so reden sie sich doch so lange und mit solchem Eifer in eine Judenfrage hinein, bis sie am Ende selber dran glauben. Die Frage muß dann beantwortet werden. Die Antwort des religiösen Judenhasses ist dann die Taufe, die Antwort des socialen und politischen Judenhasses ist die Rechtsbeschränkung, Ausweisung und nach Graf Pückler und Konsorten der Todtschlag aller Juden. Genau so ist es mit dem Sabbat und seinen Verächtern. Weil ste den Sabbat bei Seite schieben möchten. so beginnen sie die Razzia auf ihn mit Aufwerfung einer Sabbat-Frage. Der Sabbat und die an ihm von Gott gebotene Ruhe stehen aber thatsächlich außer aller Frage. Daß die Kinder Israels berufen sind, Wache um den Sabbat zu halten, ihn zu bethätigen für alle Zeiten, als Denkmal des ewigen Bundes zwischen Gott und seinem Volke, daß er das ewige Zeichen ist, woran man den Juden als solchen erkennt, darüber kann doch kein Zweifel bestehen und keine Frage existiren. Wer an dieser Säule rüttelt, welche das ganze Judenthum trägt, indem er die Sabbatruhe zum Gegenstand einer Frage macht, der stellt sich damit außerhalb des Judenthums und arrangirt sich unter seine Zerstörer. Wer es aber mit so wichtigen, halt- und gedankenlosen Vorwänden thut, wie es hier geschieht, der setzt einen so gedankenlosen, unwissenden Leserkreis voraus, daß die bloße Voraussetzung etwas Beleidigendes hat. Da wird uns zunächst erzählt, daß jedes Kind mit Ablegung der Kinderschuhe über den Sabbat fällt. Es wird an den Erfahrungen eines jungen Menschen gezeigt, wie die Unmöglichkeit, eine Stelle zu finden, bei welcher die Heilighaltung des Sabbat möglich ist, einen Konflikt erzeugt. Das Verlangen, am Sabbat und Feiertag vom Geschäfte befreit zu werden, wird als eine Naivität bezeichnet. Wie ist nun der Zwiespalt zu lösen? „Das Mittel liegt ganz nahe; nur scheut sich fast jeder Israelit, Farbe zu bekennen, aber Alle geben sich der ärgsten Selbsttäuschung hin, lassen eben Alles beim Alten. Ohne Reformen, und zwar keine unerheblichen, wird die Aufrechterhaltung der wirthschastlichen Stellung der Juden ein ungelöstes Problem bleiben, und