Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1900)
- Date
- 1900-04-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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584 Grund des hier beigebrachten Materials noch nicht entschließen können, die Autorschaft Saadia's für die vorliegenden Commentare Zu den genannten drei biblischen Büchern anzuerkennen, so scheint es uns doch nach den Worten des Verfassers sehr wahrscheinlich, daß der Verfasser dieser Commentare unter dem unmittelbaren Einflüsse des Gaon stand, ähnlich wie der ungenannte Commentator der Bücher der Chronik, dessen Werk Rafael Kirchheim, Frankfurt a. M. 1874, herausgegeben hat. Es sei noch erwähnt, daß der Verfasser in dem Achaschwerosch der Megilla den bekannten Perserkönig Darius Hisdaspes sieht, und daß er den bekannten räthselhaften Ausspruch des Talmud, es habe nur vier Perserkönige gegeben, dadurch Zu erklären sucht, daß der Talmud nur d i e Perferkönige rechnet, die von der Zeit der Vollendung des zweiten Tempels bis zu Alerander regierten. In dieser Zeit gab es in der That nur vier Perserkönige. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. April. (Agrarier oder Juden?) Zwei Leitartikel über den letzten Trinkspruch des Fürsten Hohenlohe betreffend den Rückgang im Fortschritte der Menschheit, die sich in ergötzlicher Weise einander widersprechen, finden wir im „Bert. Börseneourier" und der „Staatsbürgerztg." Das erstere Blatt bezeichnet als die Egoisten, deren Politik an die „Vorgänge im Thierreich" erinnert, die Agrarier, und das letztere die Juden. Unter dieser Voraussetzung geben sie beide dem Reichskanzler recht. Jetzt fragt sich nur, was Fürst Hohenlohe gemeint hat;!vir glauben allerdings, daß die „Staatsbürgerztg." sich täuscht. Meiningen, im März. Die eben veröffentlichte Statistik über die Strafanstalten im Herzogthum Meiningen, das Männerzuchthaus Untermaßfeld, an welchem die Staaten Weimar-Eisenach, Koburg-Gotha, Altenburg, beide Schwarzburg und beide Reuß pariieipiren, sowie das Arbeitshaus Dreißigacker, welches von den Staaten Meiningen, Altenburg, Schwarzburg- Sonderhausen und Reuß alt. Linie benutzt wird, ist beziiglich der Antisemitensrage sehr lehrreich. In Untermaßfeld waren untergebracht 1897 141 Sträflinge, davon 131 Protestanten, 9 Katholiken, 1 Sonstiger, kein Israelit. 1898 waren untergebracht 79 Sträflinge, und davon 71 Protestanten, 8 Katholiken, kein Israelit. In Dreißigacker waren 1897 71 Sträflinge, wovon 70 Protestanten und einer Katholik war. 1898 war die Gesammtzahl 85, davon waren 75 protestantisch, 9 katholisch und ein sonstiger Christ. In beiden Jahren kein Israelit. Die Sträflinge beider Anstalten waren aus den verschiedensten deutschen Staaten und auch zu kleinerem Theile Reichsausländer. In den sämmtlichen betheiligten Staaten gibt es Israeliten und in mehreren eine lebhafte antisemitische Agitation, aber die Strafanstalten strafen die Agitatoren, welche den Juden alle möglichen Vergehen andichten loollen, Lügen, die Juden sind ohne Zuchthaus und Arbeitshaus zu regieren gewesen. Bruchsal, 2. April. Dem amtlichen Theil der „Karlsruher Zeitung" entnehmen wir, daß Herrn Bezirksrabbiner Dr. Josef E s ch e l b a ch e r von Sr. Kgl. Hoheit dein Großerherzog das Ritterkreuz erster Klasse mit Eichenlaub Höchst ihres Drdens vom Zähringer Löwen verliehen worden ist. Es ist dies eine Ehrung, die in hiesigen Kreisen, ganz besonders aber in .Kreisen der israelitischen Gemeinde, mit freudiger Genugthuung ausgenommen wird und als ein Beweis, daß die in langjährigen! treuen Wirken erworbenen Verdienste des Genannten auch an höchster Stelle anerkannt und gewürdigt wurden. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. -iikolsburg, Ende März. In Brünn verschied der dortige Advokat Dr. Ludwig Werner. Derselbe war eine der einflußreichsten Persönlichkeiten in der Landeshauptstadt. Er >var ein Jude, wohl kein konservativer, und wenn wir ihm einige Zeilen in diesem Blatte gönnen, so geschieht dies nur ausnahmsweise deßhalb, weil er dem Conservatisinus nicht feindselig gegenüberstand, welche Erscheinung nur fast durch gehends bei unseren Resormjuden finden. Er sah und hörte gern von der Orthodoxie anderer Juden und sprach mit Achtung von den eonservativen Gemeinden Mährens. Diese Erscheinung, einem Advokaten, zumal einem Brünner Advokaten anhaftend, ist eine Seltenheit und deßhalb verdient Dr. Ludwig Werner, der auch Abgeordneter und Mitglied des Briinner Gemeinde ausschusses war, Worte der Achtung, >vie er auch solche einem überzeugungstreuen Juden nicht versagte. Es gibt in der Landeshauvtstadt keine namhafte Persönlichkeit, kein bedeutenderer Verein, der nicht dem Verstorbenen durch Condolenzen seine Sympatieen ausgedrückt hätte. Ein Leichenbegängnis mit so zahlreicher Betheiligung, ohne Unterschied der Consession, hat >vohl hier noch nie stattgefunden. Vermischtes. Stuttgart. Am Samstag, 24. März d. I., wurde zu Guniten des zu errichtenden Asyls ein Geiellschaftsabend veralEaltet. Ein Ueberschuß üoa gegen 4UU0 Mark war zu verzeichnen. P aa, 27. März. Das phllosovhllche Profenorenkollegium der hiesigen deutschen Universität hat an S eile des nach Wien berufenen Pros. Dr. Fonrnier, dem Minister prim«, 1'c<> Dr. Pribram, a. o. Pros, der Geschichte in Wien, >-ein,i-.-Dr. Weber, a. o. Prof, an der hiesigen Universität. tartio loco Dr Friedjung in Wien, vorgeschlagen. Der erste und lentgcnamue sind Juden. NewJyork, 27. März. In Eincinnaii ist der bekannte Reformrabbincr Wise gestorben.