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Der Israelit · 1900-04-02 · Heft 27 (2.4.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 27 (2.4.1900)
Date
1900-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4L Jahrgang. M 27 Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lohnranir in IHainj. Montag, den 2. April 5660 (1900). Leitender Artikel. Berliner Sonntagsjäger. Berlin, 1. April. Eine Anzahl hiesiger Schinkenjuden möchte gern den jüdischen Sabbat auf den christlichen Sonntag verlegen. Das sagen sie aber nicht so frank und frei heraus, sondern sie begnügen sich einstweilen mit einer Abschlagszahlung: mit der Einrichtung eines besonderen Sonntag-Gottesdienstes. Wollten sie weiter nichts als das, so bedürfte es keiner so rührigen Agitation. Sie brauchten nur Sonntag Morgens in die Heidereuter-Synagoge u. selbst in die anderen Berliner Synagogen zu gehen und sie würden dort zu ihrer Ueberraschung finden, daß ein Sonntagsgottesdienst bereits existirt. allerdings ganz so, wie auch ein Montag-, Dienstag-, Mittwoch-, Donnerstag- und Freitag- Gottesdienst dort abgehalten wird. Ist ihnen derselbe zu früh, so können sie sich auch für den Mincha-Gottesdienst entscheiden. Derselbe wird um eine Zeit abgehalten, in welcher die Mehrzahl dieser Gottesdienstschwärmer jedenfalls ausgeschlafen und auch bereits die Siesta erledigt hat. Ist er ihnen zu kurz, so könnten sie noch das et c^nn sagen. Ist er ihnen nicht feierlich genug, so könnten sie noch eine Drehorgel dabei funktioniren lassen, ppc inrs mit Orgelbegleitung, das wäre eine sublime Originalität, mit der ihnen noch Niemand zuvorgekommen ist. Die Befürchtung, die Herr Justizrath Meyer in der jüngsten Repräsentantenversammlung geäußert hat, die neuen Prediger könnten vielleicht nicht mitthun, die nimmt er selber gewiß nicht so tragisch. Wer die Herren kennt, weiß, daß sie für alles zu haben sind und noch für viel mehr als das, sobald erst die oberen Zehntausend dafür gewonnen sind. An unfern Predigern ist noch nie eine solche Schrulle gescheidert, sobald sie erst die Sanktion von Vorstand und Repräsentanten hat. So gut sie unbeschnittene Knaben einsegnen und konfirmiren, so gut sie bei von Gott verbotenen Ehen die Trauung vollziehen, so sicher werden sie auch vor diesem Sakrilegium nicht zurückschrecken. Und unser erster Prediger spielt ja auch die erste Flöte beim „Allgemeinen Rabbinerverband." „Unser Maybaum" sorgt schon für das Amen und Plärrt seiner ehrwürdigen Herren Confraters; und dann ist die Verlegung des Sabbat auf den Sonntag sanktionirt. ^>o lange diese Sanktion jedoch noch aussteht, gibt es eigensinnige Orthodoxe, die nicht mitthun wollen. Heute gilt man hier schon für orthodox, wenn man den Sabbat Sabbat und den Sonntag Sonntag sein lasten will. Und nun gar die alten, waschechten Ultra- und Hyperorthodoren, deren zähliges Häuflein demnächst in Spiritus gelegt und im Museum aufbewahrt wird, die vor keinem Jntellektopfer zurückschrecken, wenn es der Erhaltung ihrer Observanzen und Ceremonien gilt, diese haben gar die Kühnheit, den gesunden Menschenverstand gegen diese Razzia anzurufen! Diese meinen, eher könne man den Chimboraffo in die Sandwüste der Provinz Pommern, den Winter auf den Sommer und die Erde auf den Mond, als den Sabbat auf den Sonntag verlegen. Sie stehen der ganzen Sonntagsjägerei mit verschränkten Armen und einem verschmitzten Lächeln gegenüber, das geübte Ppysiognomen etwa in folgender Weise dechiffriren: Ich kann meinen Schlüssel verlegen, mein Geschäft, meine Wohnung und noch manches andere. Aber jedenfalls muß ich Schlüssel, Geschäft und Wohnung erst besitzen. um sie verlegen zu können. Diese Sonntagskinder haben aber ja nie einen Sabbat gehabt, sie haben auch keinen; und diesen Sabbat, den sie nicht haben, wollen sie verlegen, verlegen auf den Sonntag? Den Sonntag dagegen, den haben und feiern sie ja schon längst, wozu brauchen denn sie in aller Welt eine Koscher-Etiquette für ihren Sonntag? Wollen sie gar

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