Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 26 (29.3.1900)
- Date
- 1900-03-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449075--50390-2500817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
538 fortlaufend aus allen Gegenden unseres Vaterlandes Anfragen und Anmeldungen wegen Aufnahme von Schülerinnen an uns gelangen. Die Zahl dieser Anfragen und Anmeldungen betrug im vergangenen Jahre über dreißig. Da wir jedoch nicht in der Lage sind, mehr als vier Schülerinnen gleichzeitig auszubilden, u. die Ausbildung ein volles Jahr in Anspruch nimmt, müffen wir mit peinlicher Sorgfalt die geeignetsten unter den Bewerberinnen aussuchen und auch sehr häufig die angenommenen Schülerinnen auf längere Zeit bis zu ihrem Eintritt zurückstellen. Im abgelaufenen Jahre waren sechs Schülerinnen in der Ausbildung begriffen, von denen eine vor Ablauf des Lehrjahres wieder ausschied, während wir die Genugthuung hatten, zwei andere nach Vollendung ihrer Lehrzeit als Schwestern in den Verein aufnehmen zu können. Drei Schülerinnen sind gegenwärtig noch in der Ausbidung begriffen. Soeben beträgt die Zahl unserer Schwestern neunzehn. Die Einnahmen zur Verfügung der Armenschwestern aus freiwilligen Gaben beliefen sich auf Mk. 942.20 und die Ausgaben auf Mk. 801.20. Außer von privater Seite wurden der Armenschwester Gaben für ihre Pfleglinge von dein Armenverein, dein Israelitischen Almosenkasten und dem Israelitischen Hülfsverein zu Theil, wofür wir nicht verfehlen, an dieser Stelle den herzlichsten Dank auszusprechen. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Zcnta, im März. Hier starb dieser Tage der gelehrte Oberrabbiner der hiesigen orthodoxen Gemeinde und wurde unter großen Ehrenbezeugungen zu Grabe getragen. Der Verblichene war schon in seiner Jugend als scharfsinniger Talmudist anerkannt und hat sich später auch als tüchtiger Kanzelredner einen Namen erworben. Von friedliebendem Naturell, ließ er in seiner Gemeinde so manches geschehen, was nach hierländischen Begriffen von orthodoxer Prinzipientreue mißbilligt wird. Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die streng-eonservativen Elemente seiner Gemeinde mit den Institutionen derselben nicht mehr zufrieden waren und trotz des orthodoxen Charakters, der im Gemeindestatut verbrieft war, zu einer separaten Kebiloh sich konstituirten. Sein leutseliger Verkehr innerhalb und außerhalb des jüdischen Cultuslebens sichern dein Hingeschiedenen ein gutes Andenken. Einer seiner Söhne ist Rabbiner der neologen Gemeinde in Gödöllö und dürfte kaum auf die Stelle seines Vaters aspiriren. Rumänien. Aus Numänien. Zur Lage der Israeliten in Rumänien wird aus Jassv geschrieben: „War die Lage der zum weitaus größten Theile als Handwerker, Kutscher, Taglöbner u. s. w. von der Hand in den Mund lebenden obermoldauischen Israeliten schon seit jeher keine beneidenswerthe gewesen, so ist sie nun in Folge der Krise und ihrer traurigen Rückwirkungen aus das gesammte Erwersleben zu einer geradezu unerträglichen geworden. Und da man nun einmal in Rumänien wenigstens fürabsehbare Zeit auf keine Aenderung der Verhältnisse zu Gunsten der Israeliten rechnen kann, so möchten die auf einen harten Winter voller Entbehrungen zurückblickenden armen Juden bei Beginn der schönen Jahreszeit ja gern auswandern, wenn sie nur über die hierfür erforlichen Mittel verfügen würden. Was einzelne Wohlthäter und einzelne Vereine zu diesem Zwecke aufbringen, fällt aber gar nicht in's Gewicht, den vielen tausenden von rumänischen Israeliten gegenüber, welche in der Auswanderung ihre letzte Hoffnung erblicken. Wie verlautet, soll nun einer von Bukarest ausgegangenen Anregung gemäß durch ein gemeinsames Vorgehen aller israelitischen Wohlthätigkeitsvereine Rumäniens der Gang der Auswanderung geregelt und dafür gesorgt werden, daß nicht, wie bereits in vielen Fällen geschehen ist, die Auswanderer aus dem Regen in die Traufe kommen und sich auf's Gerathewohl nach Ländern wenden. wo sie noch schlechteren Existenzbedingungen begegnen, als diejenigen waren, welchen sie durch ihre Auswanderung aus Rumänien entgehen wollten. Als 'Auswanderungsziele werden in erster Linie Chpern und Südamerika in Aussicht genommen und sollen namentlich die aus Chpern eingelaufenen Informationen den israelitischen Ansiedlungen sehr günstig lauten. Nach den niedrigsten Schätzungen sind gegenwärtig mindestens 6000 rumänische Israeliten zur Auswanderung bereit, und wird es sicherlich keine leichte Aufgabe sein, für diese durchwegs den ärmsten Bevölkerungsschichten ungehörigen bedauernswerthen Leute die finanziellen Mittel zur Bestreitung der Reise und der ersten Ansiedelungskosten aufzubringen. Während sich aber in Folge ihrer Nothlage Tausende von armen rumänischen Juden zur Auswanderung drängen, wird in den intelligenteren und wohlhabenderen israelitischen Kreisen Rumäniens darüber Klage geführt, daß die Regierung durch das in neuester Zeit erlassene Verbot der unter dem Namen der „Ge bela" von den meisten israelitischen Kultusgemeinden des Landes eingehobenen Fleischsteuer zahlreiche israelitische Gemeindeschulen zur Schließung zwingt. Denn in den weitaus meisten Fällen waren es die Ergebnisse dieser Selbstbesteuerung, aus welchen die Erhaltung der israelitischen Schulen bestritten wurde, und würde die durch das Verbot der „Gebela" berbeigesührte Schließung der letzteren umso schwerer empfunden werden, als die Kinder der nicht naturalistrten rumänischen Israeliten ebenso wie die aller Fremden nur aanz ausnahmsweise und auch dann nur aegen Entrichtung eines hohen Schulgeldes in den staatlichen Volksschulen des Landes Aufnahme finden können. Vermischtes. Moailno. Hier ist ein „Verein für jüdische Literatur und Geschickte" begründet worden. Demselben traten 194 Mitglieder bei.