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Der Israelit · 1900-03-29 · Heft 26 (29.3.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 26 (29.3.1900)
Date
1900-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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534 den Angehörigen Ihrer Confession gegenüber zur Pflicht macht und allen Verletzungen der durch sie gewährleisteten Rechte energisch entgegentreten wird." Zum Schluffe forderte der Minister-Präsident die Herren auf, sich bei concreten Beschwerde-Anlässen stets an ihn zu wenden. Schweiz. Bern. Mein Bericht über die Koscher-Küche der Berner jüdischen Studenten hat einen Herrn A. Dreyfuß daselbst zu einer Entgegnung veranlaßt, die mir soeben auf der Reise zu Gesicht kommt. Ich würde es nicht der Mühe Werth halten, aus diese Entgegnung zurückzukommen, toenn dieselbe nicht geeignet wäre, den Anschein zu erwecken, als rühre mein Bericht von einem Studenten her, „der erst alle Wohlthaten von uns genossen und nun zu Hetzen anfängi." Um die dortigen Studenten in den Wohlthaten, die sie von Herrn Dreyfuß und Genossen etwa empfangen, nicht zu schädigen, bitte ich zunächst die Redaction zu bestätigen, daß mein Bericht überhaupt nicht von einem Studenten herrührt und daß sein Verfasser gar nicht in Bern wohnt, sondern nur vorübergehend dort als Reisender verkehrt. (Geschieht hiermit. Red.) Daß es in der Berner Gemeinde friedlich und harmonisch zugeht, habe ich nicht bestritten, das gilt sogar von dem Friedhof der Gemeinde. Warum sollte es auch da, wo kein Leben ist und Niemand die Harmonie stört, nicht friedlich zugehen? Daß aber das Fleisch, das in Bern als koscher verkauft wird, von keiner Seite anders, als wirklich koscher bezeichnet werden kann, hat Herr Drehfuß zwar behauptet, den Beweis dafür ist er aber schuldig geblieben. Ob ein Rabbiner, der in seiner Gemeinde eine Orgel, aber nicht einmal eine Mikwe hat, wie dies beim Rabbiner von Chauxdefonds der Fall ist, wirklich die ruhige Garantie für das Kaschrus des seiner Aufsicht unterstellten Fleisches bietet, soll hier nicht einmal untersucht werden. Angenommen also, das Fleisch wäre richtig koscher, das von der schweizerisch-französischen Grenze unter dieser Etiquette hierher kommt, so verkauft doch Herr Metzger A. Dreyfuß seinen jüdischen Kunden die Hintertheile wie die Vordertheile. Wenn Herr Dreyfuß nun selber das Porschen des Hinterfleisches richtig besorgte, so ist es doch bei uns religionsgesetzlich verboten, selbst richtig geporschtes Hinterfleisch zu genießen. Ob aber dieses Porschen richtig besorgt wird, dafür haben wir keine andere Controlle, als die des Herrn Cantor Bloch, den Herr Dreyfuß für sehr ehreniverth erklärt, einer Erklärung, die zu bestreiten oder zu bestätigen ich keinerlei Veranlassung habe. Die Frage, in wie weit die religiöse Führung des Herrn Bloch diesen als Controleur qualificirt, soll, wie die Frage nach der Qualification des Rabbiners von Chauxdefonds und wie überhaupt alles Persönliche, ganz außer Discussion bleiben. Aber wenn Herr Bloch das Porschen der Hinterviertel, das er angeblich controllirt, selber versteht, so weiß er auch, daß selbst Jemand, der nichts sonst zu thun hat, als Hinterviertel zu porschen, einen ganzen Tag für das richtige Porschen eines Hinterviertels gebraucht. Er weiß dann ferner, daß ein richtig geporschtes Hinterviertel so zerfetzt und zerstückelt wird, daß sich der verwöhnte Geschmack der Berner jüdischen Kundschaft schwerlich mit solchem Aussehen des Fleisches befreunden würde. Daß die Behauptung des Herrn Dreyfuß, „sein Fleisch könne von keiner Seite anders als wirklich koscher bezeichnet werden," nicht allzuwörtlich zu nehmen ist, bedarf nach alledem keiner weiteren Darlegung. Sollte dies aber trotzdem gewünscht werden, so stehe ich zur Verfügung. Feuilleton. « l s a. Wcrch einer wahren Wegebenhert. Von Friedrich Rott Als Hugo sich wieder in seinem Zimmer befand schellte er dem Diener und befahl das Frühstück heraufzubringen, das er öfters allein einzunehmen pflegte. „Die Gnädige haben auch soeben das Frühstück bestellt," bemerkte der Bediente. Er zögerte einen Moment, ob sein Herr nicht vielleicht vorziehen würde, gemeinschaftlich mit der Freu Baronin zu frühstücken. Dieser aber wäre seiner Mutter am liebsten während der nächsten acht Tage nicht unter die Augen gekommen, er gab daher keine weitere Ordre und bald darauf wurde ihm das Frühstück servirt. Aber er war nicht im Stande zu essen, trank nur rasch hintereinander mehrere Tassen Thee mit Cognac und rauchte eine Cigarette nach der anderen, während er sich auf der Chaiselongue ausstreckte. Wenn er erst nur Nachricht hätte, daß die Expedition glücklich vorüber, daß sein kleiner Liebling ohne schädliche Folgen die Reise zurückgelegt. Nach Dr. Kühn's Berechnung mußten sie ungefähr um halb elf das Ziel ihrer Reise erreicht haben. Werner, der mit der Eisenbahn zurückfahren sollte, konnte erst Mittags abreisen, würde daher das Kind und seine Begleiter noch sprechen, deßhalb beabsichtigte der Baron, Nachmittags wieder hinaus zu gehen, um sich über Alles Bericht erstatten zu lassen. — Aber jetzt war er todtmüde, wie er es nannte, seine Augen schlossen sich, ihm war. als höre er Elsa's Stimme ihm zurufen „gute Nacht, lieber Herr Baron!" Dann überfiel ihn der Schlaf. Aber es war kein ruhiger, -kein erquickender Schlaf, ihni träumte, er befände sich in einem winzigen Fahr-

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