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Der Israelit · 1900-03-22 · Heft 24 (22.3.1900) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 24 (22.3.1900)
Date
1900-03-22
Page
– (sequence 25)
Language
German
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WMMWWWWMWWWWW« 41. Jahrgang. DrUte Beil. )u M 24 ües „Asruelw . Zeitungsnachrichte« und Corresponvcnzen. Deutschland. Berlin, 15). Bkärz. Dieser Tage sand im Saale des Architeetenvereins die diesjährige Generalversammdes „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" statt, die sehr zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Herr 'Archivar Dr. Winter, unter den Erschienenen sahen >vir unter anderen die Abgeordneten Barth, Rickert, Ernst, Peltasohn, Pachnicke, ferner Delegierte aus Frankfurt am Main, Hannover, Hildesheim und vielen anderen Städten. Herr Rickert, sowie der Schatzmeister Herr Jordan, der den Geschäftsbericht erstattete, führten lebhafte Klage über die Lauheit der Mitglieder, von denen viele, besonders Juden, in den letzten zwei Jahren ausgetreten seien, >veil sie aus dein Rückgang des Radauantiiemitismus auf einen allgemeinen Rückgang des Antisemitismus geschloffen hätten, was aber ein Irr thum sei. Die gefährlichste Form des Antisemitismus, der die Juden noch immer von Offiziersstellen, von der Beamtenlaufbahn ete. ausschlieste, der behördliche Antisemitismus, blühe nach tvie vor, und auch der gesell sebaltliche A'ntisenritismus habe noch keinerlei Einbuße erlitten. Der jetzt der Gleichberechtigung der Juden gefährlichste Feind sei aber der Bund der Landwirthe, der;nti seinen ungeheuren Mitteln und mit seiner weitver zweigten Organisation viel stärker und viel eindring licher agitire, als dies die reinen 'Antisemiten in ihrer besten Feit vermocht hätten. Auch die sogenannte Mit lelstandsbeioegung sei fast nur gegen die Juden gerichtet. Unter diesen Umständen könne der Verein seine Thätig keit noch nicht einstellen, müsse dieselbe vielmehr mit (Ulen Kräften, soweit dies die Mittel gestatten, fort setzen. In der Diskussion, die diesen Ausführungen Rickerts folgte, ivurde allgemein die verdienstliche Thä nakeii des Vereins anerkannt, der durch die Reuherans aabe des Antifemiteufpiegels und vor allem durch die „Mittheilg." jederzeit das wirksame '.stlaterial zur Bekämpfung der Antiseiniten und ihrer verschiedenen Ausnoüchse liefert, durch seine Flugblätter und Schriften die Bekämpfung selbst mit Erfolg geführt hat und die wärmste Unterstützung verdient. Von jüdischer Seite ivurde speziell betont und zwar von sämmtlichen Red nern, sotvvhl aus Berlin, als aus den Provinzen, daß der „Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" nach keiner Richtung hin den Verein zur Alnvebr ersetzen könne, daß es vielmehr die Pflicht auch der Mitglieder des Eentralvereins sei, dem „Verein zur Abnvehr" beizutreten und denselben mit allen Mitteln zu fördern. Jttowrazlaw, 15». März. (Zur Sn n a g v - g e n f r a g e.) Schon seit Jahren hat sich für die hiesige jüdische Gemeinde die alte Synagoge als viel zu enge erlviesen und außerdem herrscht in den Wintermonaten in dem Gotteshaus eine Kälte, welche für die Besucher schädlich wirten must. Der Vorstand geht detzhalb schon lange mir dem Projekt um, eine neue j Synagoge erbauen zu lassen. Die Repräsentanten haben nun in einer Sitzung auf den 'Antrag des Vorstandes zu den Vorarbeiten für eine neue Synagoge 500 Mart bewilligt. München, ]S. März. Wie in Ihrem geschätzten Blatte seiner Zeit berichtet ivurde, hatte das „Deutsche Volksblatt" in Rr. .">0 vor. Js. einen Artikel über den Polnaer Mädebenmord gebracht, in welchem das Judenthum im Allgemeinen und die deutschen Juden im Speziellen als für den Mord verannvortlich bezichtigt lvurden. Gegen das hierauf erhaltene Strafmandat über Bit. 50 halte Wengg zum Schöffengerichte Einspruch erhoben, welcher verworfen ivurde. Die am 1?. März gegen das schöffengerichtliche llrtheil verhandelte Berufung ivurde nunmehr ebenfalls verlvorfen. Die Urtbeilsbegründung bebt hervor, dast die Frage, ob eili Riiualn'.ord geschehen sei oder nicht, gleichgiltig sei. Es nlag fein, dast der Beklagte für seine Person eine gelvisse Berechtigung hätte, nach den Borkommitistsen an einen Ritualmord zu glauben, allein aus Form und Deitdenz des inerimirten Artikels geht hervor, dast der Artikelehreiber das Judenthum im 'Allge tneinen und nicht, tvie der Beklagte in seiner Vertheidiguug aufübrte, bestimmte Serien treffen wollte. Der Wortlat'.t des Unheils liegt tticht vor: es ist also nicht ersichtlich, »voraus für de»t Beklagten die ge tviste Berechtigung zum Glauben an den Rikualmord hergeleitet tvird. Sollte etwa die 'Annahme ztl Grunde lieget», eilt berufsmäßiger Hetzagitator köttite schließlich dazu gelangen, die von ihm tagtäglich seinem Publiknn! dargebotenen Firaden für wahr zu halten, auch dann, ivenn jeder nur halbivegs geistig normal veranlagte Mensch die bewust.e Fälschung und die plumpe Lüge lnit Hättden greisen lau::.' Kittingen. 10. März. Als Sohn eines intimen Jttgendfrenndes und Studiengenossen des Hananer Ütabbiners Felsenstein s. schmerzte es mini tief, in dem A'ekrologe des Ülabbiners Dr. Koref s. A. lesen zti müssen, Ast Felsenstein sei auf neolvgem Boden gestanden. stckt ivoHtc dagegen protestiren. tvagte es jedoch itiebt, weil mir die spätere Wirksamkeit des R. Felsenstein nicht ganz genau bekannt >var. Um so mehr freute es mich, dast inzwischen von zwei Seiten, zuletzt von alltoritativer, eine Gegenerklärung erschienen ist, lind die Ehre des tbeuren Dahingeschiedenen lviederum hergestellt ivurde. Mein seliger Vater sprach stets mit größter Liebe und Freundschaft von Rabbiner Felsenstein, und aus diesem Grunde suchte ich ilm noch kurz vor seinem Tode keniten zu lernen: obtvobl er sebr

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