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Der Israelit · 1900-03-22 · Heft 24 (22.3.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 24 (22.3.1900)
Date
1900-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWWWWWMW / Jahrgang. / " M » Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. in Utainf Donnerstag, den 22. Marz 5660 (1S00). Da mit dem 1. April 1900 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1900 eingetragen unter Nr. 3863. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Leitender Artikel. iUbb. Dr. Weshklmtt ir,s* als Prediger. Eine Erinnerung von Rabbiner Dr. A. Cohn—Bafel. Mancher, der die Ueberfchrift lesen wird, die ich den folgenden Ausführungen vorangestellt, wird verwundert den Kopf schütteln. Denn so unbestritten die riefe und umfassende Gelehrfamteit unseres großen Meisters auf allen Gebieten des Wissens war, so stauuenswectb vor allem sein Bekijus in Schas und Poskim war, ivorin ihm wenige Zeitgenossen gleichkamen, so war doch seine Thätigkeit als „Prediger" gerade dasjenige Gebiet, auf dem man seine Leistungen verhältnißmäßig am wenigsten hoch anschlug. Mit Unrecht! Wie wär's denn sonst zu erklären, daß aus seiner Schule eine große Reihe von Rabbinern hervorgegangen ist, die als Redner sich eines ausgezeichneten Rufes erfreuen, und daß dort, uw nicht Orgel und andere unjüdische Einrichtungen den frommen Rabbinern die Bewerbung von vornherein unmöglich machten, und wo die Macht des Wortes, die Fähigkeit, die Gemeinde zu ergreifen und fortzureißen, entschied, seine Schüler über die Zöglinge der „liberalen" Lehranstalten fast ausnahmlos den Sieg errungen haben? Wie wäre es auch möglich gewesen, daß die Predigten dieses Mannes ohne tiefe Wirkung hätten bleiben sollen! Wenn der Greis mit dem ehrfurchtgebietenden grauen Haupte und mit dem jugendlich feurigen Blick in dem leuchtenden Auge die Kanzel bestieg, die ganze Gestalt, bis über den Kopf, in den Tallis eingehüllt, mußte nicht der Eindruck jedes Wortes, jedes Gedankens sich erhöhen, weil sie von einer solchen Persönlichkeit, vorgetragen wurden, weil der Zuhörer sich sagen mußte, daß er einer der größten Männer unserer Zeit vor Augen habe, der mit Mesirus hanefesch, mit Selbstaufopferung, das Judenthum, das in den Ländern von Westeuropa so sehr gefährdet war, auf seinen uralten Grundvesten neu aufgerichtet und erbaut hat. Doch nicht die machtvolle Größe seines Wesens allein war es, die seinen Reden Eindruck verlieh, vielmehr besaßen seine Predigten und Vorträge, alle ohne Ausnahme, Eigenthümlichkeiten, mit denen er anregend und befruchtend auf seine Schüler gewirkt hat. Die jüdische Predigt in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts war fast ganz auf christlichem Muster aufgebaut, nach dem Vorbilde evangelischer Prediger eingerichtet. An die Stelle der Regellosigkeit der alten Darschonim, denen der Inhalt Alles und die Form Nebensache gewesen war, war eine übertriebene Beobachtung der Kunstformen getreten. Hatten früher Midrasch- und Talmud-Erklärungen die Predigt fast ganz ausgefüllt, so wurden nun, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Deutungen unserer Weisen achtlos bei Seite geworfen, und man begnügte sich damit, den zum Texte gewählten Bibelvers zu zergliedern, ihn nach allen Seiten zu wenden und mit Hilfe anderer Stellen der heiligen Schrift zu erläutern. Wenn wir z. B. eine Predigt von Philippsohn, von Kley u. anderer, die in ihrer Zeit als große Redner galten, in die

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