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Der Israelit · 1900-03-19 · Heft 23 (19.3.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 23 (19.3.1900)
Date
1900-03-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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465 „Ist mein Sohn wieder fortgegangen?" fragte sie. „Noch nicht, aber der Herr Baron haben befohlen, das; sofort angespannt werde." „Ah, also doch zu Lindheim." Die Baronin war im Jrrthuni, ihr Sohn hatte keineswegs die Absicht, den Abend im Kreise seiner Kameraden zu verbringen. Die eben stattgesundene Unterredung hatte ihn ungleich mehr erregt, als sie ahnte, er hatte es sich angeschworen, das Kind zu schützen, das; an demselben kein Gewissenszwang geübt werde. Doch noch war er sich nicht klar, wie er die Ab sicht der Mutter vereiteln könne. Er mußte mit Werner svrecben. Der Verivalter nmr ein besonnener, erfahrener Mann, dem das Wobl des Kindes gleich ihm am Herzen lag, er hielt sich überzeugt, daß auch Werner den Blan seiner Mutter verdammen tverde. Als er sein Evupee bestieg, befahl er dem Kutscher hinaus zur Billa zu fahren Das; die Baronin ihn dringend gebeten hatte, während der Krankheit des Kindes die Billa zu meiden, daran hatte er vollständig vergessen, aber tvenn er auch daran gedacht hatte, unter den gegenwärtigen Berhältnissen hätte er den Wunsch der Mutter nicht berücksichtigt. Denn nicht mit Unrecht machte er sich den Vorwurf, daß, wenn der Taufakt an dem Kinde vollzogen, er selbst nicht schuldlos sein würde an dem an dem Kinde geübten Zwange. Denn tvenn er gleich am ersten Tage die Behörde über die Nationalität des Kindes aufgeklärt hätte, so iväre dasselbe wahrscheinlich längst seinen Glaubensgenossen übergeben worden, Und was er damals vereitelt, ob er es nicht jetzt veranlassen könne, müsse? — CSr mußte die Sache mit seinem Verwalter berathen. (5s war bereits vollständig finster, als er die Villa erreichte. Er begab sich sofort in die Wohnung des Vertvalters und klopfte an die Thür des Wohnzimmers. Ein silberhelles Stimmchen rief „herein!" „Elsa! meine liebe kleine Elsa!" rief Hugo, indem er hastig eintrat und zu dem Bette eilte, in dem die Kleine ihm beide Arme entgegenstreckte. „Herr Baron! lieber Herr Baron!" jauchzte sie, und ohne der Ansteckungsgefahr zu gedenken, zog er das Kind an sich und drückte einen Kuß auf seine Stirn. „Mein Liebling, meine kleine Elsa - - wie schmal Du geworden bist," sagte er, ihr die Wangen streichelnd, „wie geht's Dir denn jetzt?" „Danke, gut," erwiderte sie, zutraulich das Köpfchen an ihn lehnend, „ich habe jetzt ganz viel Hunger und trinke jetzt so viel Milch - - eben ist die Tante hinausgegangen und holt mir noch ein Glas Milch - da kommt sie schon. Tante! Tante! der Herr Baron ist da!" rief sie jubelnd. Trau Werner, die eben mit der Milch in das Zimmer trat, blieb erschreckt auf der Schwelle stehen. „Um Gott! Herr Baron, was thun Sie hier?" „Ich muß mich doch einmal nach meinem Schätz chen Umsehen," erwiderte er lächelnd. „Ich bitte Sie um's Himmelswillen, Herr Baron, entferneil Sie sich! — Die Ansteckungsgefahr ist noch nicht vorüber." „Daran hatte ich in der That nicht gedacht," erlviderte er, ohne das Kind aus seinen Armen zu lassen. Die Kleine aber entwand sich ihm und suchte ihn .zurückzudrängen. „Lieber Herr Baron, gehen Sie fort." „Hast Du eü denn nicht gern, tvenn ich bei Dir bin? hast Du mich nicht lieb?" „Doch ich habe Sie sehr, sehr lieb. Aber die Tante sagt immer, der Herr Baron ist ein junger Mann, der kann angesteckt werden, tvenn er herein kommt. Bitte, lieber Herr Baron, gehen Sie hinaus." „Elsa hat recht, Herr Baron, Sie müssen hinaus geben. - Herr Gott! wenn die Trau Baronin -— " „Sie haben recht, ich gehe schon. - Gibst Du mir noch einen Kuß?" „Nein, nein!" rief das Kind sich abwendend, „ich tvill Sie nicht anstecken, das krank sein thut so weh —" „Nun denn, schlaf wohl, mein Liebling — ich gehe schon. Wo finde ich Herrn Werner?" „Mein Mann ist in seinem Arbeitszimmer, ich tvürde ihn rufen, tvenn ich nicht wünschte, daß Sie schleunigst dieses Zimmer verlassen." Hugo zuckte die Achseln, da er nun einmal das Zimmer betreten, sogar das kranke Kind in seinen Armen gehalten hatte, hielt er es für irrelevant, ob er kürzer oder länger darin verweile, der Gedanke an seine Mutter jedoch, deren grenzenlose Angst er kannte, bestimmte ihn, sich ungesäumt zu entfernen. Ueberdies war es ihm von höchster Wichtigkeit, baldmöglichst mit dein Verivalter zu sprechen. Das Arbeitszimmer desselben lag am andern Ende des ziemlich langen Eorridors. Raschen Schrittes begab er sich dorthin, klopfte an die Thür und öffnete sie gleichzeitig. „Guten Abend lieber Werner," rief er eintretend. Der Verivalter, der am Schreibtisch über seine Bücher geneigt saß, fuhr in die Höhe. „Ah, Herr Baron! —- Ergebener Diener! — Aber — wissen die Frau Baronin —" „Nein," fiel der Baron ein, „Mama weiß nicht, daß ich hier bin, ich konnte ihr diesbezügliches Verbot nicht beachten, denn ich habe dringend mit Ihnen zu sprechen." „So lassen Sie uns hinüber in den andern Flügel gehen," bat der Verwalter, „hier ist es zu nahe zu dem Krankeinimmer — das Kind liegt nämlich im Wohnzimmer." „Ich weiß, ich weiß — aber —" „Ich bitte sehr, Herr Baron, lassen Sie uns hinüber geben. Die gnädige Frau würde es mir nie verzeihen „Run. meinethalben, so kommen Sie rasch. Obaleich es hier sehr behaglich ist und wir hier auch wohl sicher und, nicht belauscht zu werden, während drüben — „Wenn's gefällig ist, gehen wir hinauf in den ersten Stock, dort ist gegenwärtig keine menschliche Seele." „Ja, ja, lassen Sie uns in mein Zimmer geben.

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